Keine Haare, keine Potenz: Auch das ist möglich.

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Warnung
03/15/2017

Dauerhafte Impotenz durch Haarwuchsmittel möglich

Eine neue Studie zeigt: Bei manchen Männern können Erektionsschwierigkeiten auch noch dreieinhalb Jahre nach Absetzen des Wirkstoffs Finasterid bestehen.

von Ernst Mauritz

Dass es Auswirkungen auf die Potenz geben kann, das war schon bisher bekannt: Vermindertes Verlangen nach Sex, Schwierigkeiten bei der Erektion, Störungen des Samenergusses - das kann laut Gebrauchsinformation "bis zu 1 von 100 Behandelten" betreffen, die den Wirkstoff Finasterid gegen Haarausfall einnehmen - laut Aussagen seines langjährigen Arztes soll auch Donald Trump dies tun. Immer wieder gab es auch schon Fallberichte von Personen, bei denen diese Symptome auch nach dem Absetzen des Medikaments angehalten haben. Bis jetzt wurden diese Bericht aber eher als Einzelfälle eingestuft.

Risiko um das Fünffache erhöht

Doch jetzt zeigt eine neue Studie der Northwestern University in Chicago (Feinberg School of Medicine), dass es auch ein Langzeitrisiko geben kann. Jüngere Männer (unter 42 Jahre), die Finasterid länger als sieben Monate (205 Tage) eingenommen hatten, hatte ein um das fast Fünffache erhöhtes Risiko einer "persistierenden erektilen Dysfunktion", also einer lang anhaltenden Potenzstörung. In der Studie wird "persistierend" mit mindestens 90 Tagen - oder eben länger - beziffert. Und das gilt für den Wirkstoff Finasterid gegen den Haarverlust ebenso wie für den Wirkstoff Dutasterid, der zur Behandlung einer Prostatavergrößerung eingesetzt wird. Beide wirken auf den Stoffwechsel des Sexualhormons Testosteron. Die Studie ist im Fachmagazin "PeerJ" erschienen.

"Unsere Studie zeigt, dass Männer, die Finasterid oder Dutasterid einnnehmen, eine andauernde erektile Dysfunktion bekommen können - bei dieser sind sie Monate oder Jahre nach dem Ende der Einnahme von Finasterid oder Dutasterid nicht in der Lage, normale Erektionen zu haben", sagt der Hauptautor der Studie, Steven Belknap, in einer Aussendung seiner Universität.

Was die Studienautoren auch betonen: Die langfristige Finasterid-Einnahme bedeutete ein höheres Risiko für Potenzprobleme im Vergleich zu allen anderen bekannten Risikofaktoren, wie zum Beispiel hoher Alkoholkonsum, , starkes Übergewicht, Diabetes, Depression, Rauchen oder Bluthochdruck.

In die Studie floßen Daten aus Krankenakten von rund 12.000 Männern ein. Von 11.909 Männern, die zuvor keinerlei Probleme mit der Potenz hatten, bekamen 167 (1,4 %) eine lang anhaltende Potenzstörung. Diese hielt im Mittel 1348 Tage nach dem Absetzen des Medikaments an - das sind immerhin rund dreieinhalb Jahre.

Effektivste Therapie

Die tägliche Einnahme einer Tablete mit dem Wirkstoff Finasterid gilt derzeit als die effektivste Therapie gegen Haarausfall - und zwar gegen die durch männliche Sexualhormone hervorgerufene, genetisch bedingte Form. Haarfollikel reagieren übersensibel auf das männliche Sexualhormon DHT (die biologisch aktivste Form des Testosteron) - und verkümmmern. Durch Finasterid wird die Produktion von DHT gehemmt, der Haarausfall bei vielen Männern gestoppt.

"Gute Erfahrungen"

"In der täglichen Praxis zeigen sich keine Probleme", sagt die Hautärztin Univ.-Prof. Daisy Kopera vom LKH-Univ.-Klinikum Graz: "Ich habe keine negativen Rückmeldungen bezüglich Potenzproblemen." Zwar hätte alle Männer große Sorgen in diese Richtung und würden auch "den Beipacktext ganz genau lesen, aber das Präparat wird sehr gut vertragen".

Man könne den Männern versprechen, dass durch Finasterid "ein weiteres Zurückweichen der Haaransatzlinie im Regelfall ausbleibt. Ob das Haar auch dichter wird, das hängt vom individuellen Ansprechen ab, versprechen kann man das aber nicht".

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