Angst, Depression: Frühe Hilfe ist entscheidend

Podium: Gabriele Fischer, Rudolf P. Wagner, Gabriele Kuhn, Stephan Doering (v.l.n.r.) © Bild: /Mauritz Ernst

Experten betonen, wie wichtig es ist, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen -

"Wie erkenne ich bei einer Angststörung, welche Psychotherapierichtung für mich die richtige ist?" – das fragte einer der 230 Teilnehmer beim Gesundheitstalk "Angst und Depression" von KURIER, MedUni Wien und Novartis im Van-Swieten-Saal der MedUni Wien.

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"Sie müssen zu dem Therapeuten ein Vertrauensverhältnis aufbauen können", antworteteUniv.-Prof. Stephan Doering, Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie der MedUni Wien.
Univ.-Prof. Stephan Doering, MedUni Wien
Gesundheitstalk "Angst und Depression" v. 15.03.2017 Univ.-Prof. Dr. Stephan Doering (Universitätsklinik für Psychoanalyse und… © Bild: /Mauritz Ernst
"Schauen Sie sich zwei, drei Psychotherapeuten an und wählen sie dann denjenigen, bei dem sie das Gefühl haben, da fühle ich mich wirklich verstanden und angenommen, da kann ich mich öffnen. Das ist wichtiger als die jeweilige psychotherapeutische Schule." Wichtig sei, dass der Psychotherapeut in dieTherapeutenliste des Gesundheitsministeriumseingetragen ist.

"Wann müssen Eltern hellhörig werden?", war ein weiteres Thema der Diskussion. Etwa dann, wenn ein Kind nicht mehr in die Schule gehen will. "Schauen Sie zunächst, ob es nur einen einzelnen konkreten Anlass gibt – etwa eine Schularbeit, auf die das Kind nicht vorbereitet war", sagte Univ.-Prof. Gabriele Fischer (Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien).

"Oder gibt es noch andere Merkmale – etwa Schlafstörungen. " Ein Warnzeichen kann auch ein sehr frühzeitiger Beginn mit dem Zigarettenkonsum sein: "Das kann manchmal ein eigener Bewältigungsmechanismus sein, wenn sich Jugendliche unrund fühlen und glauben, mit Belastungen nicht zurecht zu kommen."

Sehen Sie hier den Live-Mitschnitt der gesamten Veranstaltung:

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"Eine unser zentralen Botschaften ist: Trauen Sie sich zu uns, wenn sie unsicher sind", betonten Fischer und Doering unisono. Für viele Menschen bedeute es immer noch eine enorme Überwindung – "eine Hürde" –, einen Psychiater oder Psychotherapeuten aufzusuchen: "Aber wenn man krank ist oder einen entsprechenden Verdacht hat, darf man keine Scham haben, sich zu erkundigen und Hilfe in Anspruch zu nehmen."

Univ.-Prof. Gabriele Fischer, MedUni Wien
Gesundheitstalk "Angst und Depression" v. 15.03.2017 Univ Prof Gabriele Fischer, Med. Uni. Wien © Bild: /Mauritz Ernst

Später heißt schlechter

Das betonte auch Rudolf P. Wagner, Geschäftsführer von pro mente Wien. "Zwischen dem ersten Auftreten von Symptomen und der ersten Behandlung vergehen leider oft Jahre. Aber je später die Therapie einsetzt, umso schlechter ist der Verlauf – auch bei psychischen Erkrankungen."

Aber gerade für Menschen, die schon verunsichert und in einem Gemütszustand sind, mit dem sie eigentlich nicht zu recht kommen – sei es Angst, Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit – sei es nicht selbstverständlich, dass sie sich Hilfe holen: pro mente biete Beratung und auch Begleitung an: "Wenn ich mit jemandem reden kann, der eine Erkrankung aus eigener Anschauung kennt, fühle ich mich ernst genommen. Das ist eine gute Eintrittspforte, um sich beraten zu lassen, was einem weiterhelfen könnte."

Rudolf P. Wagner, promente Wien
Gesundheitstalk "Angst und Depression" v. 15.03.2017 Dr. Rudolf P. Wagner, Geschäftsführer von pro mente Wien © Bild: /Mauritz Ernst
Alle Referenten gingen auf die schwierige Situation der Angehörigen ein: "Wenn wir ahnen, dass unser Kind oder unser Partner möglicherweise eine psychische Erkrankung hat, ist es zunächst einmal das Natürlichste auf der Welt, dass ich das zur Seite schiebe und sage, ,ach, das wird schon nicht so schlimm sein‘", sagte Doering.

"Wie sage ich es meinem Partner?"

Und dann komme die nächste Hürde: "Wie sage ich es meinem Partner, wenn ich den Eindruck habe, dass er depressiv ist? Ertrage ich das überhaupt? Da brauchen sehr viele Angehörige Hilfe und Unterstützung." Eine Anlaufstelle sind z. B. die hpe-Vereine (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter).

"Ganz stark betroffen sind oft junge Frauen mit kleinen Kindern", so Fischer. Ein neues Angebot für sie ist das Rehabilitationszentrum für psychiatrische und Vater-Mutter-Kind-Rehabilitation in Wildbad Einöd, Steiermark. Es ist das erste psychiatrische Rehabilitationszentrum in Österreich.

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Vorschau: Nächster Gesundheitstalk im Mai

Der nächste Gesundheitstalk findet am 17.5., 18,30 Uhr, wieder im Van-Swieten-Saal der MedUni Wien, 1090 Wien, Van-Swieten-Gasse 1a, statt. Thema : "Wechseljahre: Nur Frauensache?"

( kurier.at ) Erstellt am 20.03.2017