Wissen und Gesundheit
29.04.2017

Zell-Injektionen für mehr Kilos: "Was soll das bewirken?"

Die Schauspielerin soll mit einer neuen Therapie 24 Kilo zugenommen haben. Die Skepsis ist groß.

Keine Frage, einschneidende Lebensereignisse können sich sehr auf das Essverhalten auswirken – die einen reagieren mit starkem Appetit, die anderen bringen gar nichts mehr hinunter. Bei Angelina Jolie war Letzteres der Fall: Seit ihrer Scheidung von Brad Pitt ging es mit dem Gewicht bergab, zuletzt soll sie nur noch an die 40 Kilo gewogen haben.

Doch jetzt berichteten mehrere US-Medien: Jolie habe zugenommen, angeblich 24 Kilo. Und das nicht nur mit einem speziellen Ernährungsplan, sondern – wiederum angeblich – durch die Injektion von extrem teuren Zellpräparaten – diese sollen "die eigenen Zellen im Körper regenerieren und das Immunsystem stimulieren" -der KURIER berichtete.

Körper baut Zellen rasch ab

"Also das kann ich mir gar nicht vorstellen – was soll eine solche Zellinjektion bewirken?", sagt dazu der Stoffwechselexperte Prim. Univ.-Prof. Bernhard Ludvik. "Wenn man zum Beispiel Falten mit Eigenfett unterspritzt, hält der Effekt nicht sehr lange an – der Körper baut diese Zellen rasch ab."

Was auch immer Angelina Jolie versprochen wurde: "Das sind rein experimentelle Therapien ohne wissenschaftliche Grundlage und ohne Überprüfung durch Studien." Generell sei es für die meisten Menschen kein Problem, einige Wochen bis Monate nach einer belastenden Situation und dem damit einhergehenden Stimmungstief einen Gewichtsverlust wieder auszugleichen. "Das ergibt sich in der Regel ganz von selbst."

Viele Gründe

Ein anderes Problem sei es, wenn Menschen aufgrund verschiedener Grunderkrankungen Gewicht verlieren bzw. nicht zunehmen können: Ein Beispiel dafür sind etwa Entzündungen der Bauchspeicheldrüse: "Durch eine chronische Entzündung versiegt die Produktion der fettspaltenden Enzyme. Das Fett aus der Nahrung kann dadurch nicht aufgenommen werden." Auch die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K können durch die gestörte Verarbeitung der Fette nicht mehr über den Darm dem Körper zur Verfügung gestellt werden. Auch eine Schilddrüsenüberfunktion kann Ursache eines Gewichtsverlusts sein, ebenso entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn.

Grundkrankheiten müssen behandelt werden

Aber auch eine Depression – dafür muss gar kein äußerer auslösender Grund vorhanden sein – kann ebenso wie eine Essstörung der Grund für den Gewichtsverlust sein: "Aber in all diesen Fällen helfen keine obskuren Verfahren, sondern nur solide und konsequente Therapien der Grundkrankheiten."

Und zur Aktivierung des Immunsystems sei viel Bewegung im Freien kombiniert mit ausgewogener Ernährung immer noch das Beste.