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Wissen
03/18/2019

Neue Analyse: Sind Windräder mitschuld am Insektensterben?

5,3 Milliarden Insekten sterben laut einer neuen Analyse jeden Tag durch Rotorblätter von Windrädern.

Insekten sind für das Gleichgewicht der Ökosysteme unentbehrlich. In den letzten Jahrzehnten jedoch gingen ihre Bestände drastisch zurück. Weltweit ist die Hälfte der Insekten im schnellen Schwinden begriffen, wurde unlängst in einem Artikel in der Fachzeitschrift Biological Conservation gewarnt. Dies kommt einem "katastrophalen Einbruch der natürlichen Ökosysteme" gleich, so die Autoren. "Wenn wir unsere Art der Nahrungsmittelproduktion nicht ändern, werden die Insekten in einigen Jahrzehnten den Weg der Auslöschung gegangen sein."

Viele Gründe werden für das Insektensterben genannt: die seit Jahrzehnten praktizierte intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden, die Zerstörung von Lebensraum.

Und auch Windkraftanlagen könnten für den starken Rückgang mitverantwortlich sein, wie die Welt aus einer neuen Modellanalyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zitiert. Demnach würden in der warmen Jahreszeit täglich 5,3 Milliarden Fluginsekten durch die Rotorblätter sterben. Eine durchaus relevante Größenordnung für die Stabilität der gesamten Population, so Studienautor Franz Trieb, Experte für Energiesystemanalyse am DLR-Institut für Technische Thermodynamik. Jedoch müssten noch weitere Untersuchungen gemacht werden.

Insektenforscher bewerten die Analyse unterschiedlich: Die auf der roten Liste und von drastischem Rückgang betroffenen Insekten wie Laufkäfer, Heuschrecken, Libellen, Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen würden in derartigen Höhen kaum mehr vorkommen, so Entomologe Lars Krogmann vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart. Hier würden Lebensraumverlust, Monokulturen und Überdüngung stärkere Auswirkungen zeigen.

Thomas Schmitt, Direktor am „Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut (SDEI) bewertet das DLR-Papier als "saubere Analyse", die weiterer Untersuchungen bedürfe. So könnte untersucht werden, welche Arten in Speziellen betroffen sind. Denn, "die Rotorblätter sind ja doch ganz schön voll, so Schmidt."