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Wissen
04/09/2021

Warum jeder Frosch schützenswert ist

Die heimischen Amphibien sind in Bedrängnis. Dabei erfüllen sie eine wichtige Aufgabe in der Natur.

von Hedwig Derka

Mitunter ist es ein weiter Weg, vergleichbar einem Fußmarsch von Wien nach Paris: Wenn sich Frosch- und Schwanzlurche im Frühling auf Wanderschaft begeben, um in das Gewässer ihrer Metamorphose zurückzukehren, legen sie bis zu zwei Kilometer zurück; maximal 600 Meter schaffen sie pro Nacht. Manchmal müssen sie ihren Ausflug – immer der Hell-Dunkel-Grenze des Waldrandes und dem Geruch von Wasser nach – unfreiwillig an einem Krötenzaun unterbrechen. Die Hindernisse sollen die Amphibien vor dem Tod auf der Straße bewahren.

„In den 1970er/80er-Jahren, als der Verkehr zugenommen hat, rückten teilweise Schneefahrzeuge aus, um die überfahrenen Tiere wegzuräumen“, erzählt Andreas Maletzky. Der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie (Amphibien und Reptilien) weiß zudem, dass noch vor weniger als hundert Jahren Froschschenkel allerorts angerichtet wurden, weil üppige Mahlzeiten in kürzester Zeit säckeweise gesammelt werden konnten.

Gefährdung

Die fetten Jahre sind vorbei. Von den 21 heimischen Arten – darunter Alpensalamander, Bergmolch, Moorfrosch, Gelbbauchunke und Kreuzkröte – gelten 60 Prozent als gefährdet bzw. vom Aussterben bedroht. Dabei sind Autos nur eine Ursache für die prekäre Lage der Wirbeltiere.

„Österreich ist nicht gerade der Hotspot für Amphibien; die bevorzugen eher tropische Gebiete“, sagt der Zoologe. Auch wenn die Spezies hierzulande perfekt an die Bedingungen angepasst sind, so war die Individuendichte schon bei Weitem höher. Vor allem der Verlust an Lebensräumen macht den Nachfahren von urzeitlichen Fischen zu schaffen. Begradigte Fließgewässer, trockengelegte Feuchtgebiete, intensive Land- und Forstwirtschaft sowie die Versiegelung von Boden drängen selbst die verbreiteten Erdkröten und die robusten Grasfrösche zurück. Sensiblere Wesen wie Feuersalamander wiederum sind durch Pilzerkrankungen in Gefahr. Auch biologische Aliens setzen den Verwandlungskünstlern zwischen Neusiedler See und der Bergwelt bis 2.000 m zu. Standortfremde Fische im Amphibiengewässern richten ebenfalls Schaden an. Nicht zuletzt führt ein kleiner Bestand zur genetischen Verarmung. „Es sind immer mehrere Ursachen, die zur Bedrohung führen“, sagt Maletzky. Mittlerweile stehen alle Arten unter strengem Schutz, die Hälfte der heimischen Spezies ist zusätzlich durch EU-Richtlinien geschützt.

Wilde Ecken

„Im Großen hilft die Renaturierung. Im Kleinen können Gartenbesitzer mehr Natur und wilde Ecken zulassen“, sagt der Amphibien-Fan seit Kindertagen. Schließlich sind die Tiere ein wichtiges Glied in der Nahrungskette. Während sie selbst u. a. Insektenlarven und Schnecken vertilgen, werden sie von Weißstorch, Iltis oder Wildschwein gefressen. „Außerdem sind Amphibien in allen Entwicklungsstadien ein super Indikator für den Zustand eines Ökosystems“, hebt Maletzky hervor.

Die wechselwarmen Wanderer, die entlang der Krötenzäune in die im Boden versenkten Kübel plumpsen, können übrigens dank freiwilliger Helfer bald wieder ihrer Wege ziehen. Kommen sie sicher in ihrem Heimatgewässer an, laichen sie ab – und zeigen im Zeitraffer vor, wie sich die Evolution vom Wasser- zum Landlebewesen vollzogen hat.

Verbreitung: Amphibien kommen auf allen Kontinenten vor; Ausnahme ist Antarktika. Weltweit gibt es um die 8.300 Arten – vor allem in den Tropen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens.

Verwandlung: Die meisten Amphibien beginnen ihr Dasein im Wasser. Aus den Eiern/Laich schlüpfen Larven (z. B. Kaulquappen). Erst nach der Metamorphose ist die Umgestaltung des Körpers abgeschlossen. Erwachsen leben die nun lungenatmenden, skelettgestützten Tiere an Land weiter.

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