Wissen und Gesundheit
18.01.2018

Magen-OP verlängert das Leben

Eine neue Studie zeigt, dass krankhaft Übergewichtige von diesem Eingriff langfristig profitieren.

Für viele krankhaft Übergewichtige ist eine Magenoperation die letzte Hoffnung, ihr Gewicht zu reduzieren. Das hat noch viel weitreichendere Folgen als "nur" schlanker zu werden. Forscher aus den USA und Israel untersuchten nun auch die Langzeiteffekte von derartigen operativen Eingriffen, über die bislang wenig bekannt war. Das Ergebnis ist eindeutig: Operationen zur Gewichtsabnahme reduzieren die Sterberate von adipösen Menschen.

Langzeiteffekte untersucht

"Der Langzeiteffekt von bariatrischer Chirurgie (Adipositaschirurgie, Anm.) ist ein längeres Leben für Patienten mit Fettleibigkeit", resümiert Co-Autor Philip Greenland, Präventivmediziner an der Northwestern University Feinberg School of Medicine ( USA), die die Untersuchung mit dem Clalit Research Institute in Israel durchführte. Es hat weltweit eine der höchsten Eingriffszahlen bei der Adipositaschirurgie.

Für die Studie wurden die Daten von 8.385 Adipositaspatienten mit chirurgischen Eingriffen mit jenen von mehr als 25.000 Patienten ohne solche verglichen. In einem Zeitraum von 4,5 Jahren war die Todesrate bei den operierten Studienteilnehmern (egal welche Methode angewendet wurde) im Schnitt um 50 Prozent niedriger als bei der Vergleichsgruppe. Veröffentlicht wurde die Untersuchung im Fachmagazin Journal of the American Medical Association (JAMA).

Erfolg: Magenbypass

Univ.-Doz. Gerhard Prager, Präsident der Gesellschaft für Adipositaschirurgie und Leiter der Arbeitsgruppe an der MedUni Wien, überrascht das Ergebnis nicht. "Schon frühere Studien zeigten ganz klar, dass die bariatrische Chirurgie zu einer Reduktion von Todesfällen führt. Fünfjahres-Beobachtungen ergaben, dass ein Magenbypass den besten Erfolg hat." Dabei wird der obere Magenteil direkt mit dem Dünndarm verbunden (siehe Grafik). Der Restmagen kann nur eine geringe Menge an Nahrung aufnehmen – etwa 15 Milliliter.

Durch das wesentlich verringerte Füllvermögen isst der Patient deutlich weniger als zuvor. Allerdings muss er daher lebenslang besonders auf seine Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen achten, auch mit Hilfe von Nahrungsergänzungsmitteln. Diese Nebenwirkungen als Folge der Operation haben sich auch die Autoren der aktuellen Studie angeschaut. Sie kamen zum Schluss, dass es unter den operierten Studienteilnehmern zu keiner Unterversorgung gekommen ist.

Die Erfolge der Operationen (nicht nur Magenbypass) haben mehrere Ursachen. "Wir wissen, dass das viszerale Fett – also das Bauchfett – Botenstoffe produziert, die Entzündungen im Körper fördern." Dies hänge wiederum mit der Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen und sogar Tumoren zusammen. "Etwa elf Prozent aller Darmkrebserkrankungen sind auf Übergewicht zurückzuführen." Durch die gedrosselte Kalorienaufnahme verbessern sich nach einer Operation ebenso Parameter wie Blutdruck oder Cholesterin – damit geht die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück.

Diabetes

Der "allerwichtigste Benefit" einer Operation ist für Prager allerdings der Rückgang von Typ-2-Diabetes – für den Experten die größte Gefahr im Gefolge von Übergewicht. Er zieht einen drastischen Vergleich: "Das weltweite Erdbeben der Adipositas ist gefolgt von einem Tsunami des Diabetes." In den vergangenen zehn Jahren nahmen die Erkrankungszahlen in Asien stark zu. "Weltweit gibt es mittlerweile dort die meisten Diabetiker." 100 Millionen Chinesen und 70 Millionen Inder haben die bisherige "Diabetes-Supermacht" USA (25 Millionen) überholt.

Die chronische Erkrankung Diabetes kann man auch mit einer Magenoperation nicht heilen. "Aber man kann das Rad der Zeit zurückdrehen." Vier von fünf Patienten mit Diabetes bräuchten zumindest eine Zeit lang keine Medikamente mehr. So gut sich Magenverkleinerungen bewähren: Sie sind kein Wundermittel, betont Adipositas-Experte Prager. "Eine Operation ist immer nur ein Puzzleteil in einem Gesamtkonzept." Die Patienten werden etwa von Internisten, Diätologen und Psychologen betreut. "Man muss diese Menschen schon vor einer Operation auffangen."