Wirtschaft
08.01.2012

Zweiter Durchgang mit Kneissl

Nach dem Absprung deutscher Investoren zahlt Scheich Al Jaber die Insolvenzquote und ist damit wieder Kneissl-Eigentümer.

Mohamed Al Jaber wagt bei Kneissl einen Neuanfang: Monatelang wurde 2011 um die Sanierung der Sportmarke gerungen. Zahlungsversprechen des Scheichs platzten, die Marke schlitterte in die Insolvenz.

Beim zweiten Versuch ging es bedeutend schneller: Kurz vor Weihnachten wurde vermeldet, die Übernahme der insolventen Kneissl-Firmen durch die deutsche Firma Friends of Sport sei gescheitert. Al Jaber, wie berichtet offenbar wieder liquide, legte mit seinem Kneissl-Geschäftsführer Andreas Gebauer in Folge einen Sanierungsplan vor. Vergangenen Donnerstag überwies er dann laut KURIER-Informationen für die Insolvenzquote und die Kosten des Masseverwalters 1,98 Mio. Euro auf ein Treuhand-Konto seines Anwalts. Die Verbindlichkeiten bei der Bank Austria – größter Kneissl-Gläubiger – wurden laut Bank bereits kurz vor Weihnachten „von Dritten abgegolten.“

Al Jabers Sprecher erklärte dem KURIER: „Scheich Al Jaber ist jetzt alleiniger Eigentümer von Kneissl und tut das, was er immer tun wollte: Die Marke Kneissl und die Arbeitsplätze in Kufstein langfristig sichern.“ Al Jaber hätte (samt Bank Austria-Einigung) bisher einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag in das Unternehmen gesteckt und wolle wieder investieren.

Den Gläubigern wird wie beim gescheiterten Sanierungsversuch im Juni 2011 eine Quote von 20 Prozent geboten. Gläubigervertreter Hans Georg Kantner vom Kreditschutzverband 1870 kann sich eine Zustimmung der Gläubiger vorstellen: „Wenn Al Jaber Geld einschießt, muss man dem Rechnung tragen. Die Gläubiger sind grundsätzlich dazu bereit.“ Nachsatz: Aber erst wolle man Geld auf dem Tisch sehen.

Schon in den kommenden 14 Tagen könnte nun eine Tagsatzung stattfinden. Vorher muss aber noch Kneissl-Insolvenzverwalter Stefan Geiler den Sanierungsplan prüfen. Der meinte zum KURIER, das Konzept laufe nicht auf eine Zerschlagung, sondern auf eine Sanierung des Unternehmens hinaus. „Bis Ende nächster Woche werden wir eine Stellungnahme zum Konzept abgeben.“

Rumpfbetrieb

Zahlt der Scheich tatsächlich und gibt Geiler grünes Licht, könnte Al Jaber bereits im Frühjahr wieder über die prominente Sportmarke verfügen. Derzeit sind bei Kneissl nur noch die Teilbereiche Vertrieb und Verwaltung aufrecht. Zuletzt waren noch 21 Mitarbeiter beschäftigt.

Nächster Anlauf: Al Jaber und Kneissl

Kneissl 1919 stellte das Tiroler Unternehmen die ersten Skibretter her, in den 90ern wurde man mit der Erfindung des Bigfoot weltbekannt. Doch die Firma kennt auch harte Zeiten: 1980 und 2003 musste man Konkurs anmelden, der Einstieg von Scheich Al Jaber 2008 wurde als Rettung gefeiert. Doch angekündigte Geldspritzen blieben aus, 2011 folgte erneut die Insolvenz.

Al Jaber Mit dem Kauf des Wiener Grand Hotels sorgte der arabische Geschäftsmann 2002 in Österreich erstmals für Aufsehen. Prominenten Immobiliendeals ( Hotel The Ring, Ringstraßen Galerien) folgten zahlreiche geplatzte Zahlungsversprechen bei AUA, Hotel Schwarzenberg oder Kneissl. Seit Kurzem versucht der Scheich seine Schulden in Österreich zu tilgen.