Wirtschaft
08.05.2018

Zweite Millionenpleite einer Metallbaufirma

Unternehmen hat im ersten Insolvenzverfahren nur eine Quotenrate bezahlt, 180 Mitarbeiter sind betroffen.

„Eine zweite Chance erhält jeder, aber bei einer dritten Chance kommt man nicht mehr so billig mit 20 Prozent Quote davon“, sagt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform zum KURIER. "Die zweite Gläubigerquote wäre eigentlich erst im Dezember 2018 fällig gewesen.“ Experte Weinhofer spricht von der insolventen Fill Metallbau GmbH mit Sitz in Hohenzell, OÖ, die im Oktober 2017 ein Sanierungsverfahren beantragt hatte. Der Sanierungsplan wurde Mitte Dezember 2017 von den Gläubigern angenommen und die erste Quotenrate war Ende März 2018 fällig und wurde auch bezahlt.

Das Unternehmen beschäftigt 180 Mitarbeiter und befasst sich mit dem Bau von Gebäudehüllen und Sonderkonstruktionen aus Metall und Glas. Nun wurde zum zweiten Mal die Reißleine gezogen und erneut ein Sanierungsverfahren beantragt. Offenbar war die Entschuldung seitens des Unternehmens schlecht vorbereitet.

Denn: Erst im Zuge der Bilanzierung für das Geschäftsjahr 2017 soll sich jetzt herausgestellt haben, dass die Verluste höher sind und die Liquidität schlechter ist als angenommen. So soll bei einigen Projekten und Kundenforderungen ein höherer Abwertungsbedarf bestehen als ursprünglich angenommen.

Drei-Millionen-Euro-Lücke

Zugleich sollen die Mitarbeiter nicht ausreichend mit Aufträgen ausgelastet sein. Die Liquiditätslücke soll nun drei Millionen Euro betragen und eine Überbrückung mittels einer Bankenfinanzierung sei nicht gelungen.

Dazu kommt, dass die Beteiligung eines Investors aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung gescheitert sei. In der Folge wird daher kein Geld vorhanden, um die zweite Gläubigerquote im Dezember 2018 zu bedienen.

Schulden und Vermögen

Die Schulden werden mit 42,431 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 11,352 Millionen Euro auf acht Banken, 8,8 Millionen Euro auf Lieferungen und Leistungen, 3,45 Millionen Euro auf Verbindlichkeiten im Gesellschafterbereich und 5,68 Millionen Euro auf Abfertigungs- und Kündigungsentschädigungs-Ansprüche der Mitarbeiter. Das freie Vermögen wird lediglich mit 2,234 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 1,649 Millionen Euro auf „flüssige Mittel“.

Die Zukunft

„Das Unternehmen soll redimensioniert und auf die Kernprodukte reduziert fortgeführt werden“, sagt Weinhofer zum KURIER. „Man will sich auf mittelgroße, weniger risikoanfällige Projekte konzentrieren.“ Aus mehreren halbfertigen Aufträgen sollen bis zum Jahresende 12,4 Millionen Euro eingenommen und positive Ergebnisse erzielt werden. Dazu kommen weitere Aufträge (drei Millionen Euro Umsatz), die nicht in die Planung eingerechnet wurden. Sollten diese Aufträge aber nicht fertiggestellt werden, rechnet das Unternehmen damit, dass es mit Schadenersatzforderungen in Höhe von mindestens zehn Millionen Euro konfrontiert werden wird.

Den Gläubigern wird nun ebenfalls wieder laut Creditreform eine Quote von 20 Prozent binnen zwei Jahren angeboten.