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Wirtschaft
02/27/2021

Zertifizierungen machen Unternehmen krisenresistenter

Wer seinen Betrieb zertifizieren lässt, hat die Kosten besser im Griff. Trotzdem machen das nur wenige.

von Thomas Pressberger

Die meisten Unternehmen in Österreich haben sich noch nie ernsthaft mit dem Thema Zertifizierung auseinandergesetzt. Doch wer das macht, wird eine positive Überraschung erleben, meint Konrad Scheiber. Er ist seit 30 Jahren Geschäftsführer der Zertifizierungsorganisation Quality Austria. „In dieser Zeit habe ich nur wenige Unternehmen kennen gelernt, die insolvent wurden oder heruntergewirtschaftet haben“, sagt Scheiber.

Quality Austria mache keine gewünschten oder gekauften Zertifizierungen. Unternehmen, die sich zertifizieren lassen, würden das sehr ernst nehmen und über gut ausgebildete Mitarbeiter verfügen. Jede Reparatur, jede Reklamation, jeder Missstand werde unter die Lupe genommen. Zertifizierte Unternehmen hätten die Kosten besser im Griff. Vor allem die Schattenkosten, jene, die man nicht auf der Uni lerne, wie falsch verstandene Kundenfreundlichkeit, Missverständnisse oder Informationslücken.

Eigeninitiative

In vielen Unternehmen würden sie fünf bis zehn Prozent des Umsatzes ausmachen, aber nirgendwo ausgewiesen sein, weil sie nicht erfasst würden. Es gebe keinen Rechnungslegungsprozess, in dem die Aufzeichnung von Schattenkosten verlangt werde. Unternehmen, die sich zertifizieren lassen, seien mehr bedacht auf die Reduktion dieser Kosten. Deshalb würden sie auch besser durch Wirtschaftskrisen, wie jene 2008/09 oder die durch die Corona-Krise entstandenen Verwerfungen, kommen.

Es sei nicht so, dass die Unternehmen so gut seien, weil sie zu Quality Austria kämen, sondern weil sie wüssten, dass sie etwas tun müssten und meist auch was das sei. Sie würden das nötige Know-how haben, die Standards kennen und wissen, dass sie sich laufend weiterentwickeln müssten.

Viele geförderte Bildungsmaßnahmen

Wie man an den Prozess herangeht? „Man muss wissen, wie es um die Qualität im eigenen Unternehmen steht“, sagt Scheiber. Zunächst werde eine Prozessanalyse durchgeführt um zu erkennen, was effizient und was sinnlos sei. Man müsse sich die Frage stellen, ob die Prozesse auf dem letzten Stand sind und ob die Prozessperformance und den Vorstellungen entspreche.

Quality Austria fungiert zwar nicht als Beratungsunternehmen, bietet jedoch zu diesem Thema Kurse an. „Wer sich noch gar nicht mit dem Thema auseinandergesetzt hat, muss sich fragen, wie er zu dem nötigen Wissen kommt und wo das Unternehmen derzeit steht“, sagt Scheiber. Hilfreich sei, dass es viele geförderte Ausbildungsmaßnahmen gibt.

Noch Luft nach oben

Der Anteil der zertifizierten Unternehmen liegt in Österreich bei fünf bis zehn Prozent, schätzt Scheiber. „Da ist noch viel Luft nach oben.“ Die Branchen seien unterschiedlich entwickelt. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen seien säumig.

Zertifizieren lassen können sich sowohl Unternehmen, als auch Personen. In Österreich sind rund 50.000 Unternehmen und Organisationen und 150 Personen zertifiziert. Personen lassen sich meist eine Ausbildung in den Bereichen Qualität, Umwelt oder Sicherheitsmanagement bestätigen, bei Unternehmen kann praktischer jeder Bereich überprüft werden, von der Beschaffung, Logistik, Lagerung, Produktion, Verkauf, Qualität bis hin zur Nachhaltigkeit.

Auf den Geschmack kommen

„Es hängt sehr von der Branche ab, wie kompliziert die Zertifizierung ist“, sagt Scheiber. Die Kosten hängen von der Unternehmensgröße und Brache ab und variieren stark.

Mindestens einmal pro Jahr gehen seine Leute in die Unternehmen und schauen sich alles an. Bei Klein- und Mittelbetrieben dauert eine Prüfung meist ein bis zwei Tage, bei großen Konzernen bis zu 20. Scheiber rät, sich auf einen Versuch einzulassen: „Man kommt schnell auf den Geschmack und will mehr.“

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