Wr. Städtische-Chef Müller: „Die Lebensversicherung hat wieder deutlich Konjunktur“
Die Wiener Städtische Versicherung bleibt auf stabilem Wachstumskurs und übertrifft den österreichischen Gesamtmarkt. Das Unternehmen steigerte seine Prämieneinnahmen 2025 um 4,7 Prozent, während der Markt bei 4,5 Prozent lag.
„Sehr erfreulich ist, dass wir in allen Sparten gewachsen sind“, sagt CEO Ralph Müller. Besonders bemerkenswert: Die Lebensversicherung, jahrelang ein schwieriges Geschäftsfeld, erlebt eine signifikante Belebung. „Die Lebensversicherung hat wieder deutlich Konjunktur“, so Müller. „Den Menschen ist offensichtlich zunehmend bewusst, dass man sich nicht nur auf die staatliche Pension verlassen sollte.“ Die Zahlen belegen den Trend: Im Lebensversicherungsneugeschäft verzeichnete die Wiener Städtische in den vergangenen drei Jahren ein Plus von knapp 50 Prozent. Die laufende Prämie in der Lebensversicherung wuchs um knapp 2 Prozent auf mehr als 1,1 Milliarden Euro jährlich. „Wir sehen eine deutliche Belebung quer durch alle Produkte“, erklärte der Manager, von klassischen Lebensversicherungen über fondsgebundene Produkte bis zu hybriden Lösungen.
Deutlich mehr Gewinn
Das Gesamtprämienvolumen erreichte knapp 3,8 Milliarden Euro, der Vorsteuergewinn stieg von 318,6 auf 417 Millionen Euro. Zugleichen sanken die Schäden aus Naturgefahren im Vorjahr von 227 auf 47 Millionen Euro. Die Wiener Städtische zahlte 2025 rund 3,2 Milliarden Euro an Versicherungsleistungen aus – das entspricht 12,7 Millionen Euro pro Arbeitstag.
Als Marktführer in der Sparte Lebensversicherung äußerte sich Müller zur Pensionsproblematik. Der „eindeutig sichtbare Reformbedarf im staatlichen Pensionssystem“ befeuere den Trend zur privaten Vorsorge. „Es gibt immer weniger Menschen im aktiven Arbeitsprozess, die immer mehr Pensionisten finanzieren müssen“, warnte der CEO. Die Zahlen sind alarmierend: Während in den 1950er-Jahren sechs Erwerbstätige einen Pensionisten finanzierten, wird das Verhältnis 2040 bei 2:1 liegen. Die Geburtenrate lag 2025 erstmals unter 1,3.
Er fordert konkrete Maßnahmen: „Um das Pensionssystem nachhaltig weiterzuentwickeln, wird man nicht darum herumkommen, das gesetzliche Pensionsantrittsalter anzuheben.“ Das rein faktische Antrittsalter zu erhöhen, sei zu wenig.
Anhebung um zwei Jahre
Als Unternehmen oder Branche werde man kein Modell vorlegen, das sei Sache der Politik. Er könne sich aber eine Anhebung „so im Bereich von zwei Jahren vorstellen“ – unter Einberechnung von Schwerarbeit und einer Übergangsfrist von zehn Jahren.
Der zweite zentrale Punkt: die stärkere Einbindung des Kapitalmarktes. „Es ist ganz wichtig, den Kapitalmarkt stärker zu nutzen, die Teilnahme am weltweiten Wirtschaftswachstum zu nutzen und damit die erste Säule zu entlasten“, sagte Müller. „Wenn man den Kapitalmarkt nicht nutzt, hat man mittelfristig massive Wettbewerbsnachteile.“ Vorbilder seien Dänemark, Norwegen, Schweden und die Niederlande. Zur geplanten Reform der zweiten Pensionssäule appellierte er an den Gesetzgeber, Arbeitnehmern die Wahlfreiheit zwischen Pensionskasse und Lebensversicherung zu lassen. „Das Alternativangebot und die Wahlfreiheit für den Kunden sind elementar wichtig“, so Müller.
Personalpolitik: Von Lehrlingen bis 60plus
In der Personalpolitik setzt die Wiener Städtische bewusst auf beide Enden der Altersskala. 2025 beschäftigte das Unternehmen 209 Lehrlinge – 14 Prozent mehr als 2024 und der höchste Wert der Branche. "Wir setzen einen ganz bewussten Schwerpunkt", erklärte Müller. Mit einer eigenen App "Check die Lehre", verbessertem Mentoring und Zertifizierungen wolle man jungen Menschen Chancen geben.
Gleichzeitig arbeiten 284 Mitarbeiter im Alter 60plus bei der Wiener Städtischen, darunter 73 Frauen. In den letzten vier Jahren wurden 113 Personen ab 50 Jahren neu eingestellt. "Wenn man von einem späteren Pensionsantritt spricht, muss man als Vorbild vorangehen", betonte der CEO. "Wir schätzen Erfahrung und Qualität. Bei uns wird es kein Abschieben älterer Dienstnehmer in die Frühpension geben."
Positiver Start ins Jahr 2026
Der Blick auf das erste Quartal 2026 fällt optimistisch aus: "Es geht so weiter wie im letzten Jahr", berichtete Müller. Gesundes Wachstum in allen drei Sparten, "ungebrochenes Wachstum" in der Lebensversicherung, über 7 Prozent Plus in der Krankenversicherung und 4 bis 5 Prozent in der Schadenunfallversicherung.
Trotz Unsicherheiten am Kapitalmarkt und geopolitischen Spannungen zeigte sich der CEO zuversichtlich: "Für unser operatives Geschäft sind wir sehr zuversichtlich."
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