Wiener Städtische: Bei Eigenheim-Polizzen droht Unterversicherung

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CEO Ralph Müller: Renditen in Lebensversicherung beginnen zu steigen, bald über zwei Prozent

Ausgelöst durch den Klimawandel häuften sich im Vorjahr auch in Österreich die Naturkatastrophen. Vor allem die zahlreichen kleineren Unwetter bescherten der Wiener Städtischen Versicherung, der Kerngesellschaft des VIG-Konzerns, einen Schadenrekord von 200 Millionen Euro.

Dank der Rückversicherung sei „nicht viel bei uns angekommen“, erklärte Wr.-Städtische-General Ralph Müller am Dienstag. Laut den Modellrechnungen würden derart hohe Schäden nur alle 40 bis 60 Jahre auftreten.

Der Wert des versicherten Hab und Guts hat sich aber nicht nur wegen der galoppierenden Inflation erhöht, viele Kunden hätten in ihr zu Hause investiert. Weshalb rund die Hälfte aller Haushalte unterversichert sein könnte, warnte Müller. Er rät zu einem Check, „alle zwei bis drei Jahre, ob die Versicherung noch gut aufgestellt ist“.

Müller rechnet mit weiter steigenden Schadenshöhen, entsprechend werden die Prämien etwas zeitverzögert erhöht. Die meisten Polizzen würden ohnehin Indexklauseln beinhalten.

Beim Hochwasser-Schutz haben 70 bis 80 Prozent der Haushalte nur die Basisabdeckung, die meist mit 10.000 Euro limitiert sei. Wobei Müller einräumt, dass es gegen Hochwasser und Erdbeben keinen vollen Versicherungsschutz gibt.

In der klassischen Lebensversicherung lag die Gesamtrendite der Wr. Städtischen im Vorjahr bei 1,75 Prozent. Wegen der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist die Lebensversicherung auch in Österreich wenig nachgefragt. Das könnte sich jetzt ändern, Müller rechnet damit, „dass die Verzinsung in den nächsten Jahren wieder deutlich nach oben gehen wird, auf mehr als zwei Prozent“.

Man sei in der Lebensversicherung in Österreich „die klare Nummer eins“. Ebenso wie andere Anbieter hat das Unternehmen die Annahme von Einmalerlägen (Versicherungssumme wird im Vorhinein bezahlt) in der klassischen Variante zurückgefahren, da keine gewinnbringende Veranlagung mehr möglich gewesen sei. Das Volumen der Einmalerläge ging um mehr als ein Viertel zurück, die laufenden Prämienzahlungen blieben mit rund 1,05 Milliarden Euro stabil.

Altersvorsorge

Müller appellierte an die heimische Politik, die private Altersvorsorge im Rahmen der nächsten Etappe der Steuerreform besser zu stellen. Die Branche fordert eine Halbierung der Versicherungssteuer auf Lebenspolizzen von vier auf zwei Prozent, Fondspolizzen mit nachhaltiger Veranlagung sollten überhaupt steuerfrei gestellt werden. Für die (marginal) geförderte Zukunftsvorsorge wünscht sich Müller liberalere Veranlagungsvorschriften. In die Zukunftsvorsorge sollte auch die Pflegeversicherung einbezogen werden, die nach wie vor ein Ladenhüter ist.

Trotz Corona konnte die Wr. Städtische im Vorjahr die Prämien von 3,2 Milliarden Euro stabil halten und den Gewinn vor Steuern um 55 Prozent auf knapp 193 Millionen Euro steigern.

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