Wirtschaft
14.06.2017

WKK: Arbeitnehmer soll zwei Tage Krankenstand zahlen

Der Chef der Kärntner Wirtschaftskammer Jürgen Mandl geht in die Offensive. Der "zu häufige Krankenstandmissbrauch" mache vielen Unternehmen zu schaffen. Kritik kommt von der Arbeiterkammer und der SPÖ.

Ein Krankenstand ist immer ärgerlich - sowohl für den Arbeitgeber, der auf einen Mitarbeiter verzichten muss, als auch für den Arbeitnehmer, der eben krank ist. Schlimmer ist allerdings der "zu häufige Krankenstandmissbrauch", meint Jürgen Mandl. Deshalb ging der Präsident der Kärntner Wirtschaftskammer (WKK) am Dienstag in die Offensive und erneuerte seine Forderung, dass der Arbeitnehmer die ersten beiden Tage des Krankenstands selbst zahlen soll. "Da würden sich viele Krankenstandtage ganz von selbst erledigen", heißt es in einer Aussendung.

Sanktionen bei Verstößen

WKK-Boss Mandl begründet seinen Vorstoß mit der "wirtschaftlich angespannten Situation" und "nicht nachvollziehbaren Krankschreibungen oder eigentümlichen Verhaltensweisen im Krankenstand". So hätten fünf Arbeiter, als sie mit ihrem Partieführer nicht einverstanden gewesen waren, ihre Arbeit niedergelegt und sich vom Arzt krankschreiben lassen. Eine Frau sei nach 26 Tagen rückwirkend für vom selben Arzt nur einen Tag krankgeschrieben worden, um ihr Fernbleiben im Nachhinein zu rechtfertigen.

Das seien keine Einzelfälle. "Wird ein Urlaub nicht gewährt oder ist ein Dienstnehmer mit seiner zugewiesenen Arbeit nicht zufrieden, werden immer wieder kuriose Krankenstandsfälle an uns herangetragen", wird die Arbeitsrechtsexpertin der WKK, Katharina Kircher, zitiert. Von Ärzten verlangt die WKK daher eine korrekte medizinische Beurteilung. Bei Verstößen soll es auch entsprechende Sanktionen für die Mediziner ebenso wie die Beschäftigten geben.

"Soziale Brutalität"

Ablehnend reagierte die Kärntner Arbeiterkammer auf Mandls Vorstoß. "Grundsätzlich geht kein Mitarbeiter mutwillig in den Krankenstand; es ist vielmehr so, dass sich viele Arbeitnehmer aus Angst vor dem Verlust des Jobs krank in die Firma schleppen", erklärt AK-Präsidenten Günther Goach am Mittwoch. "Wir sind ganz klar gegen Krankenstands-Missbrauch, wir haben aber ein großes Vertrauen in das Fachwissen der Mediziner."

In einer Aussendung betonte Herwig Seiser, Klubobmann der Kärntner SPÖ, dass jeder Arbeitnehmer das Recht hat, "für seine Arbeit nicht die eigene Gesundheit aufs Spiel setzen zu müssen und sich von Krankheiten oder Verletzungen erholen zu dürfen". Der WKK-Chef äußere einen "Generalverdacht gegenüber der hart arbeitenden Bevölkerung äußert und von Krankenstandsmissbrauch spricht", erklärt Seiser und spricht zugleich von "sozialer Brutalität".

Übrigens ist der WKK auch die lange Entgeltfortzahlung bei Freizeitunfällen ein Dorn im Auge. Jürgen Mandl dazu: "Warum soll der Betrieb 42 Tage lang das volle Entgelt weiterzahlen, weil sich ein Mitarbeiter in seiner Freizeit beim Klettern, Motorrad fahren oder Drachenfliegen verletzt hat?" Er schlägt die Einführung von verpflichtenden privaten Unfallversicherungen vor.