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Wirtschaft
10/26/2020

Wirtschaft hoch nervös: Angst vor 2. Lockdown geht um

Vor allem Aufschwung 2021 wäre gefährdet – heuer ginge es mit Lockdown weiter bergab in Richtung minus 10 Prozent

von Michael Bachner

Die Börsen schwächeln, Ökonomen und Wirtschaftstreibende sind hoch nervös: Weltweit steigende Corona-Zahlen und die um sich greifende Angst vor einem zweiten Lockdown drücken aktuell massiv auf die Stimmung.

Ein Beleg dafür: Der viel beachtete Münchner Ifo-Index fiel am Montag erstmals nach fünf Anstiegen in Folge.

Sofort wurde in Deutschland die Angst vor einem „Double Dip“ breit diskutiert, also die Sorge, dass ein zweiter Lockdown die heurige Talfahrt verschärfen und die nächstjährige Erholung in eine neuerliche Rezession verwandeln könnte. „Angesichts steigender Infektionszahlen nehmen die Sorgen der deutschen Wirtschaft zu“, stellte Ifo-Präsident Clemens Fuest fest. „Die Unternehmen blicken deutlich skeptischer auf die Entwicklung in den kommenden Monaten.“

Die Agenda Austria hat dazu für Österreich ein relativ pessimistisches Szenario errechnet. Unter der Annahme, dass es ab der 45. Kalenderwoche zu einem ähnlich langen Lockdown wie im Frühjahr kommt, würde sich die Rezession in Österreich in diesem Jahr deutlich in Richtung neun, zehn Prozent verschärfen. „Kann ein zweiter Lockdown verhindert werden, würde die Wirtschaft im Jahresverlauf um knapp sieben Prozent einbrechen. Sollten in Österreich ähnliche Maßnahmen ergriffen werden wie im März, würde der Wirtschaftseinbruch um 40 Prozent höher ausfallen als wir ohnehin schon erwarten“, sagt Agenda-Ökonom Hanno Lorenz.

Erholung zunichte

IHS-Chef Martin Kocher hat schon im Juli in seiner Mittelfristprognose auch pessimistischere Szenarien gerechnet und sagte am Montag zum KURIER: „Ein zweiter „Lockdown“ würde – je nach genauer zeitlicher Umsetzung – das Schrumpfen in diesem Jahr weiter verstärken, aber vor allem 2021 das erwartete Wachstum massiv reduzieren (aus jetziger Sicht sogar stärker als wir das im Juli angenommen haben). Im Zweiten-Lockdown-Szenario erwarten wir, dass 2024 noch nicht das Niveau des Bruttoinlandsproduktes von 2019 erreicht werden würde.“

Bisher ist man allgemein davon ausgegangen, dass 2023 das Vorkrisenniveau wieder erreicht sein dürfte. Kommt es schlimmer, dürfte es demnach bis 2025 dauern.

Zu dieser Sorge trägt auch die Debatte über den ersehnten Impfstoff bei. Hoffnungen auf die baldige Verfügbarkeit wurden zuletzt wieder zerstreut. Namhafte Experten gehen derzeit davon aus, dass eine breite Verteilung eines wirksamen Corona-Impfstoffes nicht vor Mitte 2021 gelingen werde.

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