Volker Zöller ist seit mehr als 20 Jahren für SCA tätig.

© Kurier/Juerg Christandl

Papierkonzern SCA
09/28/2016

"Wir sind bekennende Dualisten"

Die Schweden stellen auch günstige Handelsmarken her, die in Krisenzeiten gefragter sind.

von Robert Kleedorfer

Der größte Papierkonzern der Welt, die schwedische SCA, produziert u. a. im niederösterreichischen Ortmann bei Pernitz. Der Standort (600 Mitarbeiter) feierte dieser Tage das 150-jährige Bestehen. Aus diesem Anlass hat Volker Zöller, Präsident SCA Consumer Goods, das Werk besucht. Am Rande der Feier sprach er mit dem KURIER über die regionale Verankerung des globalen Players.

KURIER: In Österreich ist SCA in den Bereichen Hygiene und Körperpflege (mit den Marken feh, Tempo, Cosy, Zewa Plenty, Danke, Tena, Tork und Demak’Up) vertreten. Was wird davon konkret in Ortmann hergestellt?

Volker Zöller: Toilettenpapier, Servietten und Taschentücher, unter anderen der Marken Zewa, Cosy und feh, sowie diverse Handelsmarken. Mit einer Gesamtproduktion von 132.000 Tonnen pro Jahr ist es einer der größten Standorte von SCA. Die Anlagen umfassen sowohl eine Altpapier- als auch eine Zellstoffverarbeitung. Geliefert wird über Österreich hinaus nach Deutschland, in die Schweiz und Osteuropa.

Welche Rolle spielt der Standort Ortmann im Konzern?

Es ist ganz klar ein strategisches Werk. Für uns spielen die Lohnkosten hier nicht die dominante Rolle. Für uns ist der Transport das Riesen-Kostenthema. Man sollte unsere Produkte nicht weiter als 500 Kilometer transportieren.

Wie bedeutend ist der österreichische Markt für SCA?

Sehr, weil wir in allen Kategorien Marktführer sind. Österreich zählt für uns zu den Top-10-Märkten in Europa. Wir setzen hier 174 Millionen Euro um. Da der Markt so groß ist, können wir uns leisten, eine Zwei-Marken-Strategie zu fahren. Bei Toilettenpapier sind es die Marken Zewa und Cosy, bei Taschentüchern Tempo und feh, bei Küchenrollen Plenty und Zewa Wisch&Weg.

Die Marken sind allen bekannt, aber SCA kaum jemand. Ist das bewusst so, dass man die Konzernmarke in den Hintergrund gerückt hat?

Es war lange Zeit so. Vor vier Jahren haben wir uns dann entschieden, die Marke SCA mehr in den Vordergrund zu holen. Weil zum einen will man sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren, zum anderen interessiert sich auch der Käufer immer mehr für den Produzenten. So stellen wir das SCA-Logo nun auch in den Promotions der einzelnen Marken dazu.

Sie liefern auch nach Osteuropa. Wie sehr spüren Sie das, wenn es in einem Land wirtschaftlich nicht gut läuft?

Wir haben das Glück, Güter des täglichen Bedarfs zu produzieren. Da spüren wir Probleme nicht so stark. Russland war 2015 eine schwierige Situation, weniger wegen den Sanktionen, weil wir haben eigene Werke dort, sondern wegen der Wechselkurse. Es waren viele Preiserhöhungen notwendig, aber auch in Russland ist die Kaufkraft endlich. Insgesamt haben wir aber ein relativ stabiles Geschäft. In Europa wächst der Markt um 1,5 Prozent, wir wachsen um rund zwei Prozent. Vor allem im Bereich Inkontinenz.

Inkontinenz ist wohl wegen der Alterung der Gesellschaft ein großes Zukunftsfeld.

Absolut, der Markt wächst zweistellig. Es kommt auch zu einer Verschiebung der Vertriebskanäle. Früher war es ein klassisches Apothekenthema, weil es sehr stark mit Krankheit verbunden war. Heute finden sie die Produkte im Supermarktregal. Wir sind Marktführer mit unserer Marke Tena mit mehr als 50 Prozent Anteil. Das bedeutet, wir haben hier auch eine gewisse Verantwortung, was Enttabuisierung angeht. Wir machen Kampagnen für Männer. Bei ihnen sind die Vorbehalte größer, daher sind sie deutlich schwerer zu erreichen. Früher sind die Menschen zu Hause geblieben, heute haben sie wieder Spaß am Leben. Und diesen Spaß wollen wir durch Enttabuisierung vermitteln.

In welcher Position steht SCA zu Handelsmarken?

Der österreichische Markt ist sehr stark über Marken geprägt, während in Deutschland der Handelsmarkenanteil 85 Prozent ausmacht. Wir sind aber bekennende Dualisten, 50 Prozent unseres Marktanteils in Europa kommt über Handelsmarken. Gerade in der wirtschaftlichen Krise trifft uns eine Verschiebung am Markt daher nicht.

Gibt es abseits der Marken noch Unterschiede zwischen einzelnen Ländern?

Ja. Die Franzosen wollen Duft und Farben, vor allem Rosa, und zwei Lagen. Die Deutschen wiederum wollen vierlagiges Toilettenpapier.

Was kann es in Ihren Bereichen an Innovationen geben?

Wir hatten letztes Jahr konzernweit 30 Innovationen und 54 Patente angemeldet. Tempo-Taschentücher etwa wurden weicher und reißfester, und wir haben soeben Tempo Fresh to go gelauncht, ein Feuchttuch für den Alltag, um Hände und Gesicht zu reinigen. Bei Toilettenpapier sind Innovationen schwieriger. So wird in Ortmann jetzt ein Toilettenpapier mit mehr Volumen, aber gleicher Weichheit produziert. Und in Schweden haben wir eine supersofte Windel herausgebracht. Unsere Marke Libero ist dort inzwischen Marktführer. Die meisten Innovationen haben wir in den Bereichen Damenhygiene und Inkontinenz herausgebracht.

Wann kommt diese Windel nach Österreich?

Hier hat Pampers sehr hohe Marktanteile. Eine neue Marke zu launchen, kostet viel. Da kann man nur jedes Jahr ein, zwei Märkte machen. Markteintritte in anderen Ländern sind immer möglich.

Die Marken Bounty und Charmin gibt es nicht mehr in Ihrem Sortiment.

Sie kamen 2007 durch die Übernahme des Zellstoffgeschäfts von Procter & Gamble zu uns, aber die Lizenzen waren zeitlich begrenzt. Während wir sie nun unter Plenty bzw. Cushelle vertreiben, gibt es sie in Amerika noch unter ihren alten Namen von Procter & Gamble. Die neuen Marken wurden gut angenommen, wobei es bei Charmin wegen des Bären etwas schwieriger war. Er war eine Trademark. Daher vertreiben wir die Marke Cushelle im deutschsprachigen Raum nicht.

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