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Wirtschaft
08/08/2020

Wildbret gibt's jetzt zum Kampfpreis

Wegen der gesunkenen Nachfrage sind die Preise im Keller. Die Jäger setzen auf Direktvermarktung.

von Andreas Anzenberger

Die Corona-Krise hat den Preisdruck bei Wildbret deutlich verschärft. „Wildbretpreis im Keller – das blüht uns dank Corona“, lautete die Schlagzeile im deutschen Jägermagazin.

In Österreich ist die Marktsituation ähnlich. „Wir haben nach dem Beginn der Corona-Krise bei Wildbrethändlern nach den aktuellen Preisen gefragt“, berichtet Roman Leitner, Landesjägermeister für das Burgenland und Präsident von Jagd Österreich.

Ausfall der Gastronomie

„Diese konnten aufgrund der geschlossenen Gastronomie fast kein Wildbret zukaufen. Wenn sie es dennoch getan haben, dann zu einem besonders niedrigen Preis, da die Weitervermarktung ungewiss war. “ Es lässt sich heute noch nicht abschätzen, wie lange es dauern kann, bis die Gastronomie wieder, die vor der Krise üblichen Umsätze erzielen wird.

Laut Landwirtschaftskammer liegen die Preise für ein Kilo Reh aktuell bei zwei Euro oder etwas darüber. Leitner: „Der Preis von rund zwei Euro, den der Jäger für ein Kilo hochwertiges Wildbret erhält, ist zu wenig.“

In Österreich fallen ohne Niederwild, also ohne Feldhasen oder Fasane, im Jahr mehr als 8.000 Tonnen Wildbret an. Im Detail sind das z. B. 3.700 Tonnen Reh, 3.000 Tonnen Hirsch, 1.200 Tonnen Wildschwein oder 400 Tonnen Gams.

Abschusspläne

Die Jäger können auf die Abschüsse nicht verzichten. Denn die Abschusspläne für das Wild müssen auch in Zeiten der Pandemie erfüllt werden. „Wir müssen die Jäger dafür sensibilisieren, dass sie auch den Absatz sicherstellen, bevor sie den behördlichen Abschussverpflichtungen nachkommen.“

Daher wurden neue Vertriebswege beschritten. Die Wildbrettinitiative (wild-östereich.at beziehungsweise wild minus das jeweilige Bundesland.at) ist ein Modell für die Direktvermarktung von Lebensmitteln ähnlich dem der Landwirte. Die Bauern versuchen ja auch ihre Produkte verstärkt direkt an den Endverbraucher abzugeben.

Mehr Regionalität

„Es gibt ein Umdenken der Konsumenten in Richtung Regionalität. Das Interesse ist um vieles größer, als wir gedacht haben“, freut sich Leitner. Er ist daher mit dem bisherigen Ergebnis der Direktvermarktung sehr zufrieden und spricht vom „tollen Erfolg“ der Genussplattform „Wildes Österreich“.

In der Presseinformation wird auch der Präsident des Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin, Kurt Widhalm, zitiert: „Die natürliche Ernährung der Wildtiere und ihre ständige Bewegung in der freien Natur ist der Grund, weshalb Wildfleisch frei von künstlichen Zusätzen ist und zugleich einen Gehalt an hochwertigem Eiweiß aufweist.“

Voraussetzung für den erfolgreichen Verkauf im Direktvertrieb ist die professionelle Verarbeitung. Das Fleisch muss den Konsumenten vakuumverpackt und küchenfertig angeboten werden. Der zusätzliche Arbeitsaufwand lohnt sich, betont Leitner. „Natürlich ist Direktvermarktung arbeitsintensiv, aber es bleibt in der Geldbörse auch etwas über.“

Zuchtwild

In der Vergangenheit haben vor allem Importe für niedrige Preise gesorgt, weiß der Landesjägermeister. „Für so ein hochwertiges Lebensmittel, wie es Wildbret ist, waren die Preise auch in den vergangenen Jahren niedrig. Das hat auch damit zu tun, dass viel Wildfleisch aus dem Ausland importiert wurde. Das ist meistens Zuchtwild aus Gattern, das im Ausland womöglich auch noch mit Antibiotika behandelt wurde.“

Doch der Konsument weiß oft nicht, ob das Reh in der freien Wildbahn oder im Gatter aufgewachsen ist. Leitner will das ändern: „Wir haben nach wie vor ein großes Problem. Im gesamten Lebensmittelbereich wird die Kennzeichnungspflicht verschärft. Nicht jedoch beim Wildbret. Aus meiner Sicht müsste ein Zuchttier, das im Gatter aufgezogen wird, auch entsprechend deklariert werden. “

Frauenanteil steigt: Im Jahr 2017/18 gab es laut dem Internetportal jagdfakten.at in Österreich rund 130.000 Jäger und Jägerinnen mit gültigen Jagdkarten und 11.100 Jagdgastkarten.  Nach Berufsgruppen sind etwa 36 Prozent der Jäger Arbeiter,  Angestellte und unselbstständig, 30 Prozent sind Landwirte und  25 Prozent sind selbstständig. Neun Prozent der Jäger gehören zum Jagd- und Forstpersonal. Der Frauenanteil beträgt noch knapp unter zehn Prozent und steigt kontinuierlich  an. 

Für jedes Jagdgebiet muss eine Abschussliste geführt werden. Diese Liste muss den Behörden jährlich vorgelegt werden. 

Etwa 20.000 Personen sind in Österreich als Jagdschutzorgane aktiv. Sie sind in dem ihnen zugeteilten Jagdgebiet für die Kontrolle der Einhaltung sämtlicher Jagdvorschriften zuständig. Jäger dürfen nach fünf Jahren die Jagdschutzprüfung (Jagdaufseherprüfung) ablegen. 
 

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