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Wirtschaft
04/05/2020

Wifo: Schlimmstenfalls 30 Prozent weniger Gästenächtigungen

Aufs Gesamtjahr gerechnet ist ein Minus von weniger als 20 Prozent unrealistisch. Die Einnahmen werden noch drastischer schrumpfen.

von Simone Hoepke

Stellen Sie sich vor, es ist Sommer, Hotels und Gastgärten sperren auf und niemand nimmt Notiz davon.

Dieses Schreckensszenario will freilich niemand an die Wand malen, doch dass dieser Sommer keine Rekorde bringen wird, ist jetzt schon allen klar.

Die Coronakrise hat viele den Job gekostet, andere sind in Kurzarbeit oder müssen gerade ihre Urlaubstage abbauen. Das heißt unter dem Strich, dass für Reisen weniger Zeit und Geld bleibt. Nicht nur in Österreich, sondern auch bei den ausländischen Gästen heimischer Hoteliers. Allen voran bei den sonst so reisefreudigen Deutschen.

Ein Viertel weniger

Wie sich all das auf die Jahresbilanz auswirken wird, hat sich Oliver Fritz, Ökonom am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), angesehen. Er hat mehrere Szenarien durchgerechnet und kommt zu folgendem Schluss: „Diesen Sommer reden wir nicht von einem Rückgang von fünf Prozent in der Nächtigungsbilanz.“ In seinen Szenarien für das gesamte Kalenderjahr geht es vielmehr um Einbrüche von 24 bis 31 Prozent. Je nachdem, wie schnell die Buchungen aus den Auslandsmärkten anspringen.

Fritz: „Es ist in jedem Fall unwahrscheinlich, dass wir unter einem Minus von 20 Prozent davonkommen.“ Dabei hat der Experte bereits berücksichtigt, dass die Wintersaison gut gelaufen ist. Allein der Februar brachte 13 Prozent mehr Nächtigungen ausländischer Gäste.

Polster aus dem Winter

Das liegt allerdings nicht nur an der Attraktivität des Landes, sondern auch am Schaltjahr (es gab also einen Tag mehr zum Vermieten) und daran, dass heuer mehr Schüler aus den Auslandsmärkten im Februar Ferien hatten. Ob sich der Erfolg zum Start der nächsten Wintersaison wiederholen lässt, ist nach den Negativschlagzeilen aus Tirol fraglich.

Aktuell sind die Hotels zwischen Bodensee und Neusiedler See jedenfalls zappenduster. Geschlossen, auf Anordnung der Regierung. Fritz geht in seinen Szenarien davon aus, dass die Häuser frühestens Ende Juni wieder öffnen. „Ich glaube nicht, dass dann die Nachfrage nach Urlauben sofort anspringt, vor allem nicht auf den Auslandsmärkten.“ Zunächst werden also wohl die Österreicher selbst buchen. „Normalerweise verbringen sie 37 Millionen Nächte im Ausland. Wenn wir uns von diesem Umsatzkuchen ein Stück abholen können, bringt das schon viel.“

Da beliebte Destinationen wie Italien oder Spanien stark unter der Coronakrise leiden, scheint das auch realistisch. Einige werden wohl aus Angst vor einer Ansteckung und fehlender ärztlicher Versorgung vor Ort lieber im eigenen Land Urlaub machen, so ein Szenario. Doch ausgleichen können die Österreicher den Wegfall ausländischer Gäste nur schwer.

Sparflamme

Schon gar nicht, wenn es um Erlöse der Tourismusbranche geht. Dass diese noch stärker als die Nächtigungszahlen wegbrechen, liegt für Fritz auf der Hand. Schließlich sorgt die Krise für Verunsicherung. Folglich sitzt das Geldbörsel nicht mehr so locker. Die Devise lautet: Auf Urlaub fahren, aber vor Ort weniger ausgeben. Obendrein fehlen kaufkräftige Gäste aus den Fernmärkten.

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