Wirtschaft
11.07.2017

Wiener Weinhändler "Just Taste" ist pleite

Das Start-up-Unternehmen hat 26 Mitarbeiter, Insolvenzursache ist der Tod eines Geschäftsführers.

Ein Schicksalsschlag hat dieses Start-up-Unternehmen in die Bredouille gebracht. Mitte Dezember 2015 wurde die „Just Taste Handelsgesellschaft m.b.H." gegründet, jetzt hat sie ein Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung beantragt. Als Insolvenzursache wird das unerwartete Ableben eines der beiden Geschäftsführer angeführt. Dem Vernehmen nach hat sich der gelernte Banker und Geschäftsführer Dietmar P. am 20. Juni 2017 das Leben genommen. Laut KSV1870 und Creditreform sind 168 Gläubiger und 26 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen.

"Die Schuldnerin betreibt ein Handelsunternehmen für Wein und Genussprodukte. Das Gericht prüft derzeit den Insolvenzantrag, dieses Verfahren ist daher noch nicht offiziell eröffnet", heißt es dazu vom KSV1870. "Im Geschäftslokal in 1010 Wien, Stubenring 16, kann ein aus rund 600 verschiedenen Weinen bestehendes Sortiment verkostet werden." Der Wein kann direkt im Geschäftslokal „Weinshop.Bar“, aber auch über einen Onlineshop gekauft werden.

Schon am Start dürfte es Schwierigkeiten gegeben haben. Statt im Herbst 2016 wurde erst im Mai 2017 die Filiale in Wien eröffnet. Ende 2017 sollte in Berlin eine weitere Filiale folgen. Doch die Geschäftsgebarung soll laut Schuldnerangaben durch Dietmar P. nicht ordnungsgemäß geführt worden sein, die Buchhaltung soll nicht auf dem aktuellen Stand sein und zahlreiche Geldbewegungen sollen nicht ordnungsgemäß abgebildet worden sein. Unterm Strich soll das zu "zahlreichen unerwarteten Verbindlichkeiten" geführt haben.

Schulden und Vermögen

Die Schulden werden mit 839.000 Euro beziffert, davon entfallen 394.000 Euro auf Banken. 400.000 Euro auf Kreditoren und 85.000 Euro auf die Dienstnehmer. Dazu kommen noch nachrangige Gesellschafterdarlehen ( 347.000 Euro) und 153.000 Euro entfallen auf den "Founder Club".

Das Vermögen wird mit 342.000 Euro beziffert, davon entfallen 170.000 Euro auf die Geschäftsausstattung, jeweils 50.000 Euro auf eine Abfüllanlage und auf offene Forderungen, 40.000 Euro auf Vorräte und Verpackungsmaterial, 25.000 Euro auf ein Guthaben bei der Finanz und 2000 Euro hat Just Taste in der Kasse.

"Das Schuldnerunternehmen strebt einen Fortbetrieb an", heißt es weiter. "Der bei Gericht eingebrachte Sanierungsplanvorschlag beinhaltet eine Gesamtquote von 20 Prozent zahlbar in zwei Jahren."

Laut Schuldnerangaben soll ein bereits erarbeitetes Restrukturierungs- und Sanierungskonzept die Finanzierung gewährleisten. Einerseits sollen die Kosten " dramatisch" reduziert werden, andererseits soll der Umsatz mit Marketingmaßnahmen gesteigert werden. Das Büro in Perchtoldsdorf und die Logistik werden geschlossen.