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Wirtschaft
04/28/2022

Wiener Hotelmarkt: Triest sperrt zu, neue Luxushotels am Start

Internationale Luxusketten drängen weiter nach Wien. Von einem Überangebot will Experte Martin Schaffer nichts wissen. Von einer Pleitewelle auch nicht

von Simone Hoepke

Eigentlich war alles angerichtet. Die Eigentümer des Wiener Innenstadt-Hotels Triest hatten erst vor Kurzem das Dachgeschoß mit modernster Technik für Seminare und Events ausgestattet. Die Küche kocht auf Haubenniveau, das Personal ist gut qualifiziert. Und trotzdem ist das Hotel ab 10. Mai Geschichte. Oder gerade deshalb.

Die hohen Ansprüche kosten Geld. „Wir haben drei Hauben, arbeiten daher in der Küche und im Service sehr personalintensiv, was sich unter diesen Umständen nicht rechnet“, sagt Andreas Zenker, Sprecher des Hotel Triest bzw. der Eigentümerfamilie List. Mit „unter diesen Umständen“ meint Zenker, dass betuchte Gäste aus Übersee und Osteuropa ausbleiben.

Wegen der Pandemie und des Kriegs in der Ukraine. Und auch, weil das Kongressgeschäft zumindest noch bis nächstes Jahr darnieder liegt. „Der Sommer wird nicht besser und alle zittern bereits vor dem Herbst“, fasst Zenker zusammen, warum die Hoteleigentümer beschlossen haben, das Hotel besser früher als später zuzusperren. Statt jeden Tag Geld zu verbrennen.

Frage der Aussicht

Der Anfang einer Pleitewelle in der Wiener Hotellerie? Martin Schaffer, Experte vom Beratungsunternehmen MRP-Hotels sieht das nicht so. Im Gegenteil. Sein Ausblick für die Zukunft der Wiener Hotellerie ist relativ optimistisch, auch wenn das Geschäft derzeit nur auf halber Flamme lodert – sprich bei einer durchschnittlichen Bettenauslastung von 50 Prozent im Vergleich zu Vorkrisenniveau 2019. „Doch aufgrund der Förderungen sind die Betriebe gut durch die Krise gekommen, sie haben zwischen 50 und 70 Prozent der Verluste ersetzt bekommen“, schätzt Schaffer.

Dazu kommt, dass die meisten Stadthotels von Pächtern betrieben werden, die langfristige – oft 20-jährige – Verträge mit den Immobilienbesitzern haben und nicht einfach aussteigen können, wenn die Reservierungsbücher halb leer sind. Viele haben in der Krise ihre Verträge nachverhandelt – mit Erfolg. Schließlich war auch Immobilienbesitzern klar, dass sie mitten in der Pandemie schwer einen neuen Pächter finden werden.

Unter dem Strich sieht Schaffer daher keine Pleitewelle auf Wien zurollen. Zwischen 2019 und 2021 ist die Zahl der Hotelbetriebe in Wien übrigens um rund 18 Prozent zurückgegangen, die Zahl der Gästebetten ist im gleichen Zeitraum aber nur um zehn Prozent gesunken. Während große Hotels in der Krise ganze Stockwerke geschlossen haben, waren es vor allem kleine Betriebe, die die Vermietung gleich ganz an den Nagel gehängt haben. Zur Größenordnung: 78 Prozent des österreichweiten Rückgangs an privaten Ferienwohnungen entfallen auf die Bundeshauptstadt.

Weniger Airbnb-Angebot

Das liegt auch daran, dass in Tourismus-Boomzeiten viele Wohnungen über Airbnb angeboten wurden. Seit die Touristen ausbleiben, landen viele dieser Unterkünfte wieder am Markt für Mietwohnungen. So ist der private Ferienwohnungsmarkt 2021 um mehr als die Hälfte zusammengeschrumpft.

Luxusketten im Aufbau

Parallel dazu drängen internationale Hotelketten nach Wien, mehr als 7.000 zusätzliche Betten sind in der Pipeline. So zieht die Hotelgruppe Rosewood in die ehemalige Zentrale der Erste-Bank am Graben. Von einem drohenden Bettenüberangebot will Hotel-Experte Schaffer nichts wissen. „Jede neue Marke bringe neue Gäste.“ Die Betten seien als Bereicherung für die Tourismusstadt zu sehen.

Vor Ausbruch der Pandemie zählte Wien übrigens mehr als 17,6 Millionen Gästenächtigungen, zwischenzeitlich sind die Nächtigungszahlen um bis zu 90 Prozent eingebrochen.

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