© APA/dpa/Armin Weigel

Wirtschaft
12/07/2021

Wieder etwas mehr Leben in den Lebensversicherungen

Neugeschäft zieht an, das ist aber oft mit Nachholeffekten begründet. Keine häufigen vorzeitigen Kündigungen.

von Anita Kiefer

In unsicheren Zeiten wenden sich die Menschen dem Vertrauten zu. Diese Annahme ist landläufig bekannt, und es könnte der Schluss gezogen werden, dass die Menschen in Lebensversicherungen Halt finden. Deren Beliebtheit ist ja in den vergangenen Jahren angesichts schwieriger Rahmenbedingungen wie des Niedrigzinsumfelds stark zurückgegangen.

"Steigende Nachfrage"

Jetzt scheint es hier eine kleine Umkehr zu geben. Es gibt einen Trend zu mehr Neugeschäft bei Lebensversicherungen, bestätigt der Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs VVO für die ersten drei Quartale des laufenden Jahres. „Vor allem in der fondsgebundenen Lebensversicherung sehen wir aufgrund des niedrigen Zinsumfelds eine steigende Nachfrage“, erklärt eine Sprecherin gegenüber dem KURIER. Wobei man hier berücksichtigen müsse, dass es sich zum Teil um Nachholeffekte handle.

Denn das Neugeschäftsprämienvolumen im Jahr 2020 war deutlich niedriger als im Jahr davor, nämlich um rund sieben Prozent. Ob man heuer wieder ein Vor-Krisen-Niveau, also jenes von 2019, erreichen wird, will der Verband noch nicht prognostizieren. Unterjährig lägen keine Daten zum Neugeschäft vor.

Rückkaufe

Ähnlich logisch wäre der Schluss, dass verstärkt Menschen aus ihren bestehenden Lebensversicherungsverträgen aussteigen, weil ihnen – Pandemie-bedingt – die liquiden Mittel zu weiteren Zahlungen fehlen. Rückkäufe, also Kündigungen durch den Versicherungsnehmer, von Lebensversicherungen hat es im Verlauf der Pandemie aber in keinem nennenswerten Ausmaß gegeben.

Laut Auskunft des VVO seien von Jänner bis Oktober die Rückkaufsleistungen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres „etwas“ gestiegen. „Die Anzahl der Rückkäufe im Zeitraum 1-10/2021 liegt leicht über dem entsprechenden Wert für 2020, aber deutlich unter dem von 2019“, heißt es dazu vom VVO.

Gründe für vorzeitige Kündigungen

„Den Anstieg der Rückkaufsleistungen führen wir größtenteils auf die guten Entwicklungen auf den Finanzmärkten zurück. So war die Auszahlung bei den Rückkäufen (je Fall) aufgrund gestiegener Fondskurse höher als etwa im Jahr 2020. Diese sehr guten Entwicklungen am Kapitalmarkt waren vermutlich auch Anreiz für einzelne Kunden, entstandene Gewinne in den Verträgen zu realisieren“, so die Begründung des VVO. In Zahlen lag das Rückkaufvolumen 2018 bei 2,009 Milliarden Euro, 2019 bei 1,993 Milliarden Euro und 2020 bei 1,919 Milliarden Euro.

Wenn Menschen vorzeitig die Lebensversicherung kündigen, so handle es sich meist wohl um einen unvorhergesehenen, dringenden finanziellen Bedarf, erklärt die Sprecherin des VVO weiter. Die genauen Gründe würden statistisch aber nicht erhoben. „Im Einzelfall wird sicherlich auch die Covid-19 bedingte, persönliche Situation eine Rolle gespielt haben.“

Finanzielle Nachteile

Grundsätzlich jedenfalls könnten eine vorzeitige Kündigung der Lebensversicherung, vor allem in den ersten Jahren nach Vertragsabschluss, mit „finanziellen Nachteilen“ verbunden sein und führe zum Verlust des Versicherungsschutzes. Man solle also vorab prüfen, ob die Alternative eine – vorübergehende – Prämienfreistellung sein könne, so der VVO.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.