Tesla bietet für die neuesten Model S und Model X auch ein rundes Lenkrad anstatt des Yoke an

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© Tesla

Wirtschaft

Wie im Horrorfilm: "Mein Autopilot hat mich fast umgebracht"

Tesla Files: Dem deutschen Handelsblatt wurden Daten zugespielt, die aus Teslas IT-System stammen sollen. Sie zeigen ein großes Problem.

von Wolfgang Unterhuber

05/26/2023, 01:10 PM

Im November 2021 erreichte Tesla an der Börse eine Marktkapitalisierung von 1,2 Billionen US-Dollar. Heute ist es weniger als die Hälfte. Niemals zuvor ist ein Unternehmen in so kurzer Zeit so abgestürzt.

Und jetzt ist es offenbar zu einem enormen Datenleck gekommen.

Hochsensible Infos

So berichtet das deutsche Handelsblatt, dass ihm 100 Gigabyte an vertraulichen Daten zugespielt worden seien, die aus den IT-Systemen Teslas stammen sollen.

Die Zeitung spricht von "Tesla Files", weil in den Daten viele hochsensible Informationen stecken. So enthalten die Files laut Handelsblatt Daten über Projekte wie das selbstfahrende Auto, die Entwicklung neuer Batteriezellen oder den geplanten Elektro-Pickup Cybertruck.

➤ Mehr dazu: Datenleck bei Tesla: Sensible Daten weitergegeben

Jede Menge Beschwerden

Die Zeitung berichtet, dass Tesla versucht habe, die Veröffentlichung zu verhindern.

Das Handelsblatt hat laut Eigenangaben die Authentizität der Daten vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie prüfen lassen. Die Experten kamen in einem Gutachten zu dem Ergebnis, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass "der Datensatz nicht aus IT-Systemen von oder dem Umfeld von Tesla stammt".

Die Tesla-Files enthalten mehr als 2400 Beschwerden über Selbstbeschleunigungen und mehr als 1500 Probleme mit Bremsfunktionen, darunter 139 Fälle von ungewollten Notbremsungen und 383 gemeldete Phantombremsungen infolge falscher Kollisionswarnungen. Die Zahl der Crashs liegt bei mehr als 1000.

Plötzliche Totalbremsung

Das Handelsblatt hat Dutzende der Kunden kontaktiert. Diese bestätigten ihre Beschwerden.

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Sie berichten von Autos, die plötzlich bremsen oder abrupt beschleunigen. Manche kamen mit dem Schrecken davon, andere landeten laut ihren Aussagen im Graben, fuhren gegen Wände oder prallten auf entgegenkommende Fahrzeuge.

Horror-Berichte

Manche Berichte lesen sich wie in einem Horrorfilm. "Mein Autopilot hat mich auf einer Strecke, die ich immer wieder fahre, fast umgebracht", sagte etwa ein Kunde.

Oder: "Als ich meinen Sohn auf dem Schulparkplatz abgesetzt habe, schoss das Auto plötzlich nach vorne."

Eine Ärztin aus Kalifornien erzählt, sie habe auf einem Parkplatz wenden wollen, als ihr Tesla plötzlich wie ein Rennwagen beschleunigt habe.

"Ich versuchte zu lenken, aber raste in einen Zement-Poller. Der fiel um, aber das Auto stoppte nicht. Ich fuhr in den nächsten Poller. Der Airbag ging los, und ich war völlig fassungslos."

Ein anderer Fahrer berichtet von einer "plötzlichen Vollbremsung" auf der Autobahn. "Ich wurde in den Sicherheitsgurt gedrückt und der Wagen kam fast zum Stehen. Dann prallte ein anderes Auto von hinten auf mich auf."

2015 bis 2022

Die Beschwerden, die dem Handelsblatt vorliegen, reichen von 2015 bis 2022. In diesem Zeitraum lieferte Tesla rund 2,6 Millionen Fahrzeuge mit der Autopilot-Software aus. Die meisten Vorfälle spielten sich in den USA ab. Es gibt aber auch Berichte aus Europa und Asien.

Die Tesla-Files kommen für den Chef Elon Musk zur Unzeit. Im ersten Quartal sank der Nettogewinn um 24 Prozent.

Der Online-Dienst stand laut Musk kurz vor dem Bankrott.

"Ich denke, dass wir in fünf oder sechs Jahren in der Lage sein werden, ein wirklich autonomes Fahren zu erreichen", sagte Musk im Oktober 2014. Seither verkündete er immer wieder, dass das autonome Fahren für Tesla mehr oder weniger ein gelöstes Problem sei.

Datenschutzproblem

Neben all dem zeigen die Files, dass es Tesla mit dem Datenschutz scheinbar nicht so ernst nimmt. Personenbezogene Daten geben Auskunft über Privatadressen und Löhne von mehr als Hunderttausenden Tesla-Beschäftigten. Offenbar würden "persönlichste Daten der Beschäftigten für jede denkbare Form des Missbrauchs offen", so die Gewerkschaft IG Metall.

Ein Informant hatte sich im April an die brandenburgische Datenschutzbehörde gewandt. In Grünheide in Brandenburg betreibt Tesla seine Mega-Fabrik.

Sollten sich die Hinweise erhärten, "wäre die Angelegenheit aus datenschutzrechtlicher Sicht auch wegen der großen Zahl der weltweit betroffenen Personen besonders schwerwiegend", sagt ein Sprecher der Datenschutzbeauftragten.

Die zuständigen Behörden in Deutschland haben Ermittlungen aufgenommen. Auch in den Niederlanden sind die Behörden aktiv geworden – dort hat Tesla seinen Hauptsitz in Europa.

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