Personen mit niedrigerem Einkommen haben öfter ihren Job verloren

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
05/21/2021

Wie gut der Sozialstaat die Krise abfedern konnte

Einkommenseinbußen wurden laut Agenda Austria durch Sozialleistungen deutlich verringert.

von Elisabeth Hofer

Die Corona–Krise war wohl der bisher größte Stresstest für das Sozialsystem. 2020 kam es zum stärksten Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg, die Wirtschaftsleistung ging um 6,6 Prozent zurück, fast sieben Milliarden Euro wurden für Kurzarbeit und Sonderzahlungen für Arbeitslose und Familien ausgegeben.

Was hat es gebracht? Hat das Sozialsystem den Stresstest bestanden?

Ja, meinen die Ökonomen des wirtschaftsliberalen Thinktanks Agenda Austria. „Der Sozialstaat hat genau das gemacht, was er soll – er hat die Einkommen stark stabilisiert“, fasst Hanno Lorenz, einer der Studienautor, zusammen. Ohne Sozialstaat hätte es im Zuge der Krise deutliche Einkommensverluste gegeben und in der Folge einen (noch) stärkeren Anstieg der Armut.

Der Sozialstaat – in diesem Fall durch ein entsprechendes Steuersystem und Arbeitslosengeld charakterisiert – hat laut Studie die krisenbedingten Einkommensverluste auch ohne weitere Hilfszahlungen deutlich abfedern können. Der Rückgang der verfügbaren Haushaltseinkommen sei alleine dadurch auf durchschnittlich rund drei Prozent reduziert worden.

Einkommen fast stabil

„Das bedeutet, dass knapp zwei Drittel des krisenbedingten Einkommensverlustes alleine durch unser Sozialsystem ausgeglichen werden“, sagt Dénes Kucsera von der Agenda Austria. Bei geringem Haushaltseinkommen hätten die Verluste sogar fast vollständig kompensiert werden können.

Rechnet man nun noch Hilfszahlungen und -Leistungen wie etwa die Kurzarbeit hinzu, ergibt sich laut Studie ein durchschnittlicher Verlust der Haushalte von nur einem Prozent. Anders gesagt: Die Einkommenshöhe konnte beinahe stabil gehalten werden. Die ärmsten zehn Prozent hätten ihr Einkommen durch Sozialleistungen und Hilfszahlungen sogar um knapp zwei Prozent steigern können.

Der Umkehrschluss zeigt die Wichtigkeit des Sozialstaates: Gebe es ihn nicht, wäre die Einkommensungleichheit in Österreich in der Pandemie um rund zwei Prozentpunkte gestiegen, auch die Armutsgefährdung wäre von 14,8 Prozent auf 17 Prozent angestiegen.

Wie aber passt das zu vielen anderen Studien, die etwa eine psychische Mehrbelastung der Bevölkerung durch gestiegene Geldsorgen ausschildern?

Das stehe nicht unbedingt im Widerspruch zu den Erkenntnissen der Untersuchung, erklärt Lorenz. Bei der Berechnung handle es sich um Durchschnittswerte. Gab es beispielsweise Einmalzahlungen für Menschen mit Kindern oder Arbeitslose, hatten kinderlose Geringverdiener nicht unbedingt etwas davon. „Das heißt, dass einzelne Personen durchaus schlechter abgeschnitten haben können.“

Arbeitsmarktnachfrage

Um die Armutsgefährdung weiterhin zu reduzieren, müsse man nun Lösungen finden, bis sich der Arbeitsmarkt wieder erholt hat.

Im besten Fall dürfte das Vorkrisenniveau Ende 2023, Anfang 2024 wieder erreicht werden können, prognostizieren die Ökonomen. Es sei nun wichtig, zu evaluieren, welche Branchen und Jobs verstärkt gebraucht, und welche Qualifikationen dafür benötigt werden, damit Arbeitssuchenden gezielt darauf umgeschult werden können.

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