Spurensuche nach dem virtuellen Vermächtnis ist für Erben meist sehr mühsam

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Spuren im Internet
10/28/2016

Wie der digitale Tod funktioniert

Abmeldung bei Behörden, Ausstieg aus Verträgen und sozialen Netzwerken.

von Andrea Hodoschek

Nach einem Todesfall müssen sich Nachfahren nicht nur um das Begräbnis kümmern, sondern haben meist auch noch viel Bürokratie zu erledigen. Der Verstorbene muss bei Krankenkasse, Behörden, Versicherungen abgemeldet werden. Etliche Verträge müssen aufgelöst werden, vom Handy-Anbieter bis zum Energieversorger. Und immer öfter müssen sich die Erben auch um das Online-Vermächtnis kümmern. Also im Internet abgeschlossene Verträge und Mitgliedschaften in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Xing.

"Sehr oft wissen die Erben nur wenig über die digitalen Identitäten und haben keine Kenntnis von den Zugangsdaten, Passwörtern und Nutzerkonten", stellt Robert Lasshofer, General der Wiener Städtischen, fest.

Unkomplizierte Abwicklung von Formalitäten

Eine Tochter der Städtischen, der auf Bestattungsvorsorge spezialisierte Wiener Verein, bietet nun das Online-Tool "Digitaler Nachlass Service" an. Über das, so Lasshofer, "die Formalitäten nach einem Todesfall unkompliziert und aus einer Hand abgewickelt werden können".

Im ersten Schritt werden alle Abmeldungen bei Behörden, Organisationen und Unternehmen vom Bestatter erfasst und online erledigt. Wer will, kann das auch selbst übernehmen. Anschließend werden im Auftrag der Erben Internet-Verträge, Nutzungskonten und Mitgliedschaften bei derzeit 150 Online-Anbietern recherchiert. Die Accounts werden gekündigt, deaktiviert, in einen "Gedenkzustand" versetzt oder können auf Wunsch auf die Erben übertragen werden. Verträge laufen über den Tod hinaus weiter, werden sie nicht gekündigt, können für die Erben oft erhebliche Kosten entstehen.

Das Service wird vom Wiener Verein bei Abschluss einer Bestattungsvorsorge um zusätzlich zwischen 1,40 und 1,90 Euro monatlich (abhängig vom Alter) angeboten. Kooperationspartner sind österreichweit fast alle Bestatter.

Lasshofer schätzt das Potenzial pro Jahr auf 20.000 bis 40.000 Kunden. Die Zahl der erfassten Online-Anbieter soll kontinuierlich gesteigert werden. In Deutschland verkaufen sich Angebote von Profis, die virtuelle Hinterlassenschaften abzuwickeln, bereits seit Längerem recht erfolgreich.

Der österreichweit tätige Wiener Verein ist Marktführer bei Bestattungs-Versicherungen und zählt derzeit rund 400.000 Kunden. Die durchschnittliche Versicherungssumme für ein Begräbnis liegt bei 5000 Euro.

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