OMV-Chef Alfred Stern.

© Kurier/Juerg Christandl

wirtschaft von innen
09/03/2021

Wie Alfred Stern die OMV zum Nachhaltigkeits-Konzern umbauen will

"Vertrauen und Lernen" - der neue Chef setzt auch auf eine andere Unternehmenskultur als sein Vorgänger

von Andrea Hodoschek

„Die OMV steht vor dem größten Wandel in ihrer Unternehmensgeschichte“. Mit dieser klaren Ansage leitete Alfred Stern, seit 1. September Chef des teilstaatlichen Öl- und Gaskonzerns, am Dienstagabend seinen ersten Auftritt vor Medien ein.

Der Wohlstand des Unternehmens sei durch günstige Energie und Mobilität aufgebaut worden. Jetzt aber stehe eine massive Energiewende bevor. Solche Veränderungen seien „schnell, tiefgreifend und beschleunigend. Die Entscheidungen von heute bestimmen die Welt für unsere Kinder“, betonte der Vater von 14-jährigen Zwillingen.

Die gesamte Branche werde sich verändern, „in den nächsten zehn Jahren wird kein Öl- und Gasunternehmen so aussehen wie heute“, sagte Stern.

Das gilt auch für die OMV.  Die Nachfrage nach Energie und Mobilität werde weltweit steigen, das müsse aber umweltverträglich bewältigt werden.

"Höchstleistungen"

Die OMV habe sich in den letzten Jahrzehnten immer verändert, versuchte Stern Ängste zu nehmen. Die einstige Ölfirma im Weinviertel sei heute ein globaler Konzern.  Das Unternehmen habe über all die Jahre Pioniergeist gezeigt, er glaube daher, „dass die OMV in dieser Transformation erfolgreich sein wird“.

Die Hälfte des Rekordgewinns im ersten Halbjahr komme aus dem Bereich Chemie und Materialien (Kunststoffe), die Entscheidung seines Vorgängers Rainer Seele, Borealis zu kaufen, sei richtig gewesen. Kein anderes Öl- und Gas-Unternehmen habe einen so hohen Chemie-Anteil, das sei die große Chance für  die Transformation.  Er sei Seele „dankbar, dass er die OMV zu Höchstleistungen angespornt hat“.

Mit der Mehrheitsübernahme von Borealis habe sich die OMV das Wachstumsfeld Chemie und Kreislaufwirtschaft sowie Innovation und Technologie dazu gekauft. Eine Übernahme der restlichen 25 Prozent an  Borealis vom OMV-Miteigentümer Mubadala (Abu Dhabi) scheint derzeit (noch) kein Thema zu sein.

Im konventionellen Öl- und Gasgeschäft hat die OMV ihr Produktionsziel von 600.000 bereits auf knapp 500.000 Barrel nach unten korrigiert. Stern ließ durchblicken, dass dies nicht auf Kosten von Gas umgesetzt werde.

Strategie in Arbeit

Die wesentlichen Säulen der Transformation seien Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und das Bekenntnis zu den Pariser Klimazielen. Der Vorstand arbeitet mit Einbeziehung des Betriebsrates und externer Beratern derzeit an der neuen Konzernstrategie, die Ende des Jahres stehen soll und im ersten Quartal 2022 veröffentlicht wird.

Weshalb Stern noch keine detaillierteren Angaben machte. Es ist anzunehmen, dass  mit der neuen Strategie auch die Klimaziele ehrgeiziger definiert werden.Die Chemie verdopple das Ergebnis, aber wirke nicht CO2-senkend, erklärte der neue CEO.  Dazu trage wesentlich die Kreislaufwirtschaft mit Recycling bei: „Wir müssen wertvolle Rohstoffe wieder als Produktionsstoffe in den Kreislauf zurückbringen“.

RAFFINERIE SCHWECHAT / OMV

   
Er erwähnte als Beispiel das Co-Processing, ein innovatives Verfahren, bei dem ab 2023  große Mengen an fossilem Diesel CO2-senkend durch Biodiesel ersetzt werden können. Dafür werden in der Raffinerie Schwechat 200 Millionen Euro investiert. Auch Wasserstoff sei ein wichtiges Thema. Aus der E-Mobilität hat sich die OMV kürzlich zurückgezogen und ihren Anteil an Smatrics, dem größten heimischen Betreiber von Schnell-Ladestationen, wieder an den Verbund zurück gegeben. Das Unternehmen sei beim Verbund besser aufgehoben, begründete Stern.

Er ließ noch offen, ob sich die OMV aus dem rumänischen Öl- und Gaskonzern Petrom zurückziehen wird. Wie es mit der Beteiligung am Öl- und Gasfeld Urengoy in Westsibierien weiter geht, beantwortet Stern ebenfalls noch nicht. Es war das erste große Projekt seines stark Russland-affinen Vorgängers, die Entscheidung ist bis 2022 aufgeschoben.

Die Transformation wird alles andere als einfach für Unternehmen und Belegschaft. Stern sprach von einem steinigen Weg, „es wäre leichter, business as usual weiter zu betreiben“. Der Umbau der OMV solle aber die Profitabilität nicht verschlechtern.

„Vertrauen und Lernen“

Mit Stern wird nach Seele, der tiefe Gräben aufgerissen hatte, auch eine neue Unternehmenskultur in Österreichs größten Industrie-Konzern einziehen. Die Unternehmenskultur sei ein essenzielles Element der Transformation, sagte Stern. Als wichtigste Ziele nannte er in diesem Zusammenhang den Aufbau einer „Vertrauens- und Lernkultur“. Man müsse mit Kritik umgehen können und brauche den Diskurs, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.  Er glaube auch, dass die Mitarbeiter (weltweit insgesamt 25.000) die Veränderungen akzeptieren würden.

Stern will nicht nur intern das Klima verbessern, sondern auch nach außen. Nachhaltigkeit sei heute Mainstream und kein  Minderheitsthema, die OMV werde gegenüber Greenpeace und anderen Stakeholdern auf den Dialog setzen. Ebenfalls ein anderer Zugang, als ihn Seele hatte.

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