Teure Energie schwächt Europa und Japan

Mideast Iraq Oil
Foto: AP/Nabil al-Jurani Öl gibt es dank des Schieferöl-Booms in den USA weltweit zurzeit genug. Energieexperten glauben nicht, dass das lange so bleibt. Nach 2020 könnte Öl viel teurer werden.

Die Internationale Energieagentur (IEA) befürchtet, dass Europa und Japan bis 2035 ein Drittel ihres Anteils am Welthandel verlieren.

Günstige Energie bleibt der Schlüssel für die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Davon sind die Autoren des jüngsten "World Energy Outlook" der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris überzeugt. Und diese günstige Energie haben die USA dank Schiefergas und -öl, nicht aber Europa. Die USA werden daher ihren Anteil an den weltweiten Exporten energieintensiver Produkte (Chemie, Zement, Eisen und Stahl sowie Aluminium) bis 2035 leicht erhöhen können. Europa und Japan dagegen werden rund ein Drittel ihres Weltmarktanteils verlieren. Laut IEA liegen die Erdgaspreise in den USA bei nur einem Drittel des europäischen und einem Fünftel des japanischen Niveaus.

Die IEA ermuntert Europa, den Erfolg der USA beim Fracking (Produktion von Schiefergas) zumindest in kleinerem Umfang nachzuahmen. Zudem könnte eine Beendigung der Ölpreis-Bindung des Gases zu Preisrückgängen führen. Denn derzeit ist der Großteil des Erdgases in Europa an die Preisbewegung des Erdöls gebunden. Wird Öl teurer, folgt der Gaspreis mit mehrmonatiger Zeitverzögerung – egal, wie Gasangebot und -nachfrage ausschauen.

Preisschock

Obwohl die USA nach Einschätzung der IEA schon 2015 Saudi-Arabien als weltgrößten Ölproduzenten überholen werden, blicken die Energieexperten mit Sorge in die Öl-Zukunft. Denn der Schieferöl-Boom in den USA sei "keine Revolution, sondern ein Aufbäumen". Der Höhepunkt der US-Ölproduktion (Schieferöl plus konventionelle Leichtöle) werde bereits 2020 erreicht sein. Ab dann gehe es bergab, während der weltweite Ölbedarf noch immer steige.

Damit falle der Weltölmarkt in die Abhängigkeit der OPEC-Staaten zurück. Diese aber würden derzeit wegen des Schieferölbooms in den USA wenig in den Ausbau der eigenen Ölförderung investieren. „Sie nehmen eine Abwarten-und-beobachten-Position ein“, sagt Fatih Birol, Chefvolkswirt der Energieagentur.

Das könne dazu führen, dass der Welt nach 2020 ein neuer Ölpreis-Schock ins Haus stehe.

Trotz aller Bemühungen um den Ausbau erneuerbarer Energien und Energiesparens rechnet die IEA damit, dass der Ausstoß des klimaschädigenden CO2 im Energiesektor bis 2035 weltweit um 20 Prozent steigen wird. Der Energiebereich ist für zwei Dritteil der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

In der Stromerzeugung wird der Zuwachs bis 2035 fast zur Hälfte von erneuerbaren Quellen (Wind und Sonne) bestritten. China wird dabei globaler Spitzenreiter sein.

(KURIER) Erstellt am
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