© Westbahn/Attila Alfoeldi

Wirtschaft
03/27/2019

Spektakulär: Westbahn fährt ab Dezember 2020 mit chinesischen Zügen

Die Übergabe der einzelnen gebrauchten Triebwagengarnituren an die ÖBB dürfte frühestens in zwei Jahren abgeschlossen sein.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber, Thomas Pressberger

Das Signal für die weitere Zukunft der privaten Westbahn steht derzeit auf Vorsicht. Denn der KURIER-Bericht über den geplanten Abverkauf des bestehenden Westbahn-Fuhrparks (17 Doppelstock-Triebwagenzüge, sogenannte „Dostos“) an die ÖBB hat in der Eisenbahn-Branche für massiven Wirbel gesorgt. Ebenso die kolportierte Neubeschaffung hochmoderner Schnellzüge beim chinesischen Weltmarktführer CRRC.

Sollte die Westbahn tatsächlich den Türöffner in die EU für den chinesischen Staatskonzern spielen, könnten viele Arbeitsplätze in der heimischen Bahnindustrie gefährdet sein. Denn das wäre eine harte Konkurrenz etwa für Siemens, Bombardier und Alstom. Mehr noch: Bahnexperten fürchten um Tausende Arbeitsplätze in Europa.

Ab 2020 fährt Westbahn chinesisch

Während die Privatbahn ihre Pläne noch nicht offenlegt, haben die ÖBB klare Vorstellungen, wie die Übernahme der gebrauchten Züge ablaufen wird. Bei den ÖBB rechnet man damit, dass der Fuhrpark nicht in Bausch und Bogen, sondern Zug um Zug übergeben wird. Die Übergabe der einzelnen Triebwagengarnituren dürfte frühestens in zwei Jahren, wahrscheinlich aber erst in bis zu drei Jahren abgeschlossen sein. Zur Erinnerung: Am 19. März 2019 veröffentlichten die ÖBB eine genau auf die 17 Westbahnzüge zugeschnittene Ausschreibung, die am 4. April 2019 endet. Diese Übernahme werden die ÖBB aus dem Cashflow finanzieren.

Indes heißt es aus der Westbahn, dass das Unternehmen im Dezember 2020 mit den CRRC-Zügen starten will. Damit hat man genug Zeit, die nötigen Zulassungen zu erhalten.

Zertifizierung fehlt

Rollende Herausforderung

CRRC hat bereits 2018 auf Messen wie in Berlin verschiedene Prototypen gezeigt, darunter ein Hochgeschwindigkeits-Doppeldeckerzug der Tochterfirma CRRC Tangshan. Insider rechnen, dass die notwendigen Züge aus China bis zum ersten Übergabetermin im Dezember 2019 zwar geliefert werden könnten, allerdings gibt es dann noch ein gröberes Problem: Die Chinesen müssten ihre „Dostos“ erst für Österreich beziehungsweise Deutschland zertifizieren lassen. So etwas kann vier Monate dauern, allerdings kommt im Juni 2020 eine Gesetzesänderung – ab dann gibt es eine EU-weite Zulassung. Darauf könnte der Deal auch abzielen. Die Mitbewerber fürchten, dass CRRC über die Westbahn eine europäische Zulassung erhält und damit den EU-Markt mit Billigangeboten überfahren wird.

Schnelle Züge - 250 km/h

Mit den neuen Doppelstock-Zügen aus China könnte die Westbahn eine Lücke zu den ÖBB schließen. Denn während der Railjet 230 km/h fährt, erreicht die Westbahn aktuell mit ihren Zügen nur Tempo 200. Die neuen CRRC-Züge können 250 km/h, theoretisch sogar bis zu 350 km/h erreichen. Die Chinesen sind auf dem neuesten Stand der Technik, sie müssen aber in Sachen Wartung und Instandhaltung europäisches Niveau erreichen.

Derzeit ringt auch Bombardier um eine Zulassung von „Dostos“ für die Schweiz, Deutschland und Österreich. Dort wird aber entschieden bestritten, dass die Westbahn ein Abnehmer ist.