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Wirtschaft
09/27/2020

Weinjahrgang 2020: Wochen der Entscheidung

Die Winzer in der Wachau hoffen auf wenig Regen während der Lese und ein fast so gutes Ergebnis wie 2019.

von Andreas Anzenberger

Es ist schön, die Nummer eins in Europa zu sein und weltweit die Nummer drei. Insbesondere wenn man bekannte Weingüter wie Mouton-Rotschild aus dem Bordeaux oder Opus One aus dem Napa-Valley (Kalifornien) hinter sich gelassen hat.

Die Rede ist vom Weingut Domäne Wachau. 500 internationale Sommeliers, Weinkritiker und Tourismusexperten haben der Winzer-Genossenschaft aus Dürnstein bei den World’s best Vineyards Awards Top-Platzierungen beschwert. Da geht es nicht nur um die Qualität des Weins, sondern auch um die Qualität des gesamten touristischen Angebots wie etwa Weinrieden-Wanderungen, Kellerführungen oder kulinarische Veranstaltungen. „Wir sind das besuchenswerteste Weingut in Europa“, freut sich der Geschäftsführer der Domäne Wachau, Roland Horvath. Die 250 Winzerfamilien der Domäne Wachau produzieren etwa drei Millionen Flaschen pro Jahr.

Während im Burgenland die Weinlese schon vor einem Monat gestartet ist, geht es in der Wachau jetzt erst los. Horvath: „Wir haben am Montag begonnen zu lesen.“ Die frühen Sorten wie Müller Thurgau und Frühroter Veltliner machen bei der Domäne Wachau aber nur ein Prozent der Fläche aus.

Hagelschäden

Teile der Wachau wurden vom Hagel übel erwischt. Allein die Winzer der Domäne Wachau können in Spitz an der Donau 30 Hektar wegen Komplettschaden abschreiben. Dazu kommen in anderen Wachauer Weingärten viele Mikroschäden an den Beeren. Diese leicht angefaulten Beeren müssen alle händisch aussortiert werden. Horvath erwartet „heuer viel mehr Arbeit im Weinberg als im vergangenen Jahr“.

Die Weine Jahrgang 2020 sollten eine Spur leichter und frischer werden als der Jahrgang 2019. Wie es wirklich ausgeht, hängt von den kommenden zwei bis drei Wochen ab. Der erst vor wenigen Tagen zu Ende gegangene Altweibersommer „war super“. Horvath sieht das Weinjahr 2020 nun deutlich positiver als noch Ende August.

Nur das Beste

Der Jahrgang 2019 gilt als einer der besten Jahrgänge seit Jahrzehnten. Internationale Experten empfehlen Lagerhaltung. Das gilt auch für Weißweine. Das US-Fachmagazin Wine Enthusiast hat den „incredible value“ (unglaublichen Wert) des Jahrgang 2019 in Österreich gelobt und angeregt, sich rasch einen Vorrat zuzulegen.

Die Wachau war immer schon ein bekanntes und erfolgreiches Weinanbaugebiet. In Wien war das, abgehen von einigen Spitzenwinzern, die immer schon konsequent auf Qualität geschaut haben, nicht immer der Fall.

Die Erinnerungen an Heurigenbesuche in Wien sind bisweilen ernüchternd. Der Wein kam in einem Glaskrug auf den Tisch. Nähere Informationen über Herkunft und sonstige Eigenschaften des Weines könnten den Gast verwirren und fehlten daher. Der Erwerb von schmerzstillenden Substanzen für den nächsten Tag war geboten.

Aber das ist längst vorbei. Die rasante Qualitätssteigerung von Wein aus Wien lässt sich durchaus objektivieren. 15 Wiener Weine haben es in den Salon 2020 geschafft. Vergangenes Jahr waren es acht Weine. Das ist der deutlichste Zuwachs aller Weinbauregionen. Der Salon ist die größte Blindverkostung für Wein aus Österreich. Von rund 7.000 Weinen schaffen es lediglich 270 in den Salon.

Einen guten Wein zu haben, ist eine gute Sache. Man muss den Konsumenten aber auch eine gute Geschichte erzählen, die ihn zum Kauf animiert, betont Chris Yorke, Geschäftsführer der Österreich Weinmarketing. „Gemischter Satz ist eine gute Geschichte.“ Mehrere Sorten wachsen in einem Weinberg. Sie werden zur selben Zeit gelesen und auch gemeinsam vergoren.

Gleich dreimal zugeschlagen beim Salon 2020 hat Rainer Christ aus Großjedlersdorf (Wien, Floridsdorf) mit zwei Weißweinen und einem Roséwein. Mit dabei ist sein Wiener Gemischter Satz DAC 2018 Bisamberg. Im Handel erhältlich ist derzeit der Jahrgang 2019.

Christ setzt im Weingarten konsequent auf Sortenvielfalt. „Rotwein ist ein kleineres Segment als Weißwein, aber für mein Weingut sehr wichtig. Es hat sich gezeigt, dass am Bisamberg tolle Rotwein-Qualitäten möglich sind. Auch nach internationalen Maßstäben.“

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