Wirtschaft 16.04.2018

Wasserstoff statt Kohle: Voest testet Co2-freie Produktion

© Bild: REUTERS/HEINZ-PETER BADER

Voestalpine, Verbund und Siemens starten in Linz mit dem Bau der weltgrößten Pilotanlage für „grünen Wasserstoff“.

Was hat Wasserstoff mit Energiewende und Klimazielen zu tun? „Sehr, sehr viel“, sagen Voest-Chef Wolfgang Eder, Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber und Siemens-Boss Wolfgang Hesoun unisono. Die Voraussetzung: Die Erzeugung von Wasserstoff muss mit „grünem Strom“, also -frei, erfolgen. Und das kann der Verbund am Standort der voestalpine in Linz gewährleisten. Das Donaukraftwerk Abwinden-Asten liegt in unmittelbarer Nähe der Hochöfen. Dieser Wasserkraftstrom wird in die derzeit noch in Bau befindliche Elektrolyseanalage, die Siemens liefert, geleitet. Dort wird in der Elektrolyse aus Wasser der Wasserstoff abgetrennt, der wiederum Koks im Hochofenprozess teilweise ersetzen soll.

Wird also Stahl bald ohne Einsatz des klimaschädlichen Koks erzeugt? „Nein“, sagt Eder. „Das ist ein sehr langfristig angelegtes Projekt. „Das kann nicht vor 2035 sein.“ Zunächst muss in der 18 Mio. Euro teuren Pilotanlage in Linz erforscht werden, ob das Unterfangen überhaupt gelingt und ob es wirtschaftlich darstellbar ist. Denn derzeit ist die Erzeugung von grünem Wasserstoff für die Stahlproduktion noch viel zu teuer. Und: Würden alle fünf Hochöfen der Voest in Linz und Donawitz auf Wasserstoff umgestellt, bräuchte man dafür den halben Strombedarf von ganz Österreich.

Kleine Beimischung

„Es geht daher um eine schrittweise kleine Beimischung von Wasserstoff in den Hochofen, der einen Teil des Koks ersetzt“, so Eder. Schneller könnte die Umstellung am Voest-Standort Corpus Christi in Texas passieren. Dort wird jetzt Stahlschwamm unter Einsatz von Erdgas erzeugt. Das kann einfacher durch Wasserstoff aus grünem Strom ersetzt werden. „Ökostrom gibt es im Überfluss in Texas“, sagt Eder. Wind- und Sonnenenergie werde dort in großem Ausmaß genutzt.

Wasserstoff ist für den Verbund aber nicht nur in der Stahlproduktion das Element der Energiewende. „Er ist auch Speicher für den sehr schwankend anfallenden Strom aus Wind und Sonne“, führt Anzengruber aus. Überschussstrom könne zur Erzeugung von Wasserstoff genutzt und so gespeichert werden. Aus Wasserstoff könne später wieder elektrische Energie produziert werden.

Stromspeicher und Koks-Ersatz sind aber nicht die einzigen Einsatzbereiche von Wasserstoff. So könnten Stadtbusse, aber auch Lkw mit Wasserstoff fahren. Bozen zum Beispiel hat seine gesamte öffentliche Busflotte auf Wasserstoff umgestellt, Hamburg arbeitet daran. Und die britische Stadt Leeds leitet Wasserstoff ins städtische Gasnetz ein, um allmählich Gas zu ersetzen.

Bart Biebuyck, in der EU-Kommission zuständig für Wasserstoff und Brennstoffzellen, ist geradezu euphorisch, wenn er von Wasserstoff spricht. Die Anwendungsgebiete seien vielfältig und allesamt klimafreundlich. 227 Projekte in Europa unterstützt die EU finanziell. Die Linzer Pilotanlage, die im Herbst in Betrieb gehen soll, erhält zwölf Mio. Euro aus Brüssel, die restlichen sechs Millionen Euro teilen sich die Projektpartner.

( kurier.at ) Erstellt am 16.04.2018