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Wirtschaft
04/07/2020

Was das Coronavirus mit dem Schoko-Osterhasen macht

Am Beginn der Krise haben alle Schokolade gehamstert. Doch jetzt laufen selbst Osterhasen Gefahr, zum Ladenhüter zu werden.

von Simone Hoepke

Schokolade ist Nervennahrung. Das scheint sich in Corona-Zeiten zu bewahrheiten. Jeder Fünfte hat seinen Schokoladenkonsum nach oben geschraubt, in der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen angeblich sogar jeder Vierte, so zumindest das Ergebnis einer Ritter-Sport-Umfrage. Klingt nach goldenen Zeiten für die Süßwarenhersteller.

Ist es aber nicht, sagt ausgerechnet Wolfgang Stöhr, Österreich-Chef von Ritter Sport. Im Gegenteil. „Ostern wird eine Katastrophe für die Branche.“ Die traditionellen Besuche von Tanten, Großeltern und Freunden bleiben heuer aus. Und mit der Verwandtschaft die meisten Osternester. Sie werden damit zu Ladenhütern.

Offene Rechnungen

Einer der großen Schokohasen- und Schokoeier-Hersteller des Landes ist das burgenländische Familienunternehmen Hauswirth. Der sonst gut laufende Werksverkauf in Kittsee ist wegen der Coronakrise aktuell geschlossen. Schlicht, weil die Kunden ausgeblieben sind. „Mit der Osterware für den Handel sind wir nur teilweise betroffen, weil ein großer Teil der Ware schon vor Ausbruch der Krise ausgeliefert war“, sagt Verkaufsleiter Roman Hauswirth.

Dasselbe gilt für die Exportware, die mehr als die Hälfte des Unternehmensumsatzes ausmacht. Dennoch bleibt offen, ob Ostern heuer ein Geschäft wird. Hauswirth: „Entscheidend ist jetzt, ob die Großhändler ihre Rechnungen bezahlen können.“ Was ihm zudem zu schaffen macht, sind die vielen geschlossenen Gemischtwaren-Geschäfte, die seine Schokolade normalerweise gut verkaufen. Hauswirth: „Der Konfekt-Umsatz ist zum Erliegen gekommen.“

Heindl sperrt wieder auf

Aus Sicht von Walter Heindl von der gleichnamigen Wiener Confiserie war das Ostergeschäft bisher „ein Desaster“. Das Familienunternehmen macht 60 Prozent seines Umsatzes mit eigenen Filialen, teilweise in Top-Lagen wie am Wiener Stephansplatz oder am Kohlmarkt. Doch bis vergangenen Donnerstag waren alle Läden zu. „Wir hätten aufsperren dürfen, aber es hätte sich nicht ausgezahlt“, sagt der Firmenchef. Keine Touristen in der Stadt, kein Einheimischer in Einkaufsstimmung. Seine 280 Mitarbeiter hat er zur Kurzarbeit angemeldet.

Am Donnerstag hat Heindl dennoch 20 seiner 30 Läden wieder geöffnet. Pünktlich vor der Karwoche, der umsatzstärksten Woche im Jahr. In der Hoffnung, dass die Stammkunden das Ostergeschäft am Laufen halten. „In der Wirtschaftskrise 2008 haben wir an Tourismusstandorten verloren, es waren ja keine Touristen in der Stadt. Doch in den Arbeiterbezirken hatten wir Zugewinne. Es ist ja niemand auf Urlaub gefahren.“

Sorgen machen ihm vor allem die Tourismusstandorte, an denen er seine Sissi-Taler oder Mozart-Herzen verkauft. „Allein zum Flughafen Wien haben wir wöchentlich 14 Paletten an die Gebrüder Heinemann geliefert.“ Dass das Geschäft heuer noch auf Normalniveau kommt, glaubt er nicht.

Auch Ritter-Sport-Chef Stöhr erwartet nach Ostern keine Umsatzsprünge. Schokolade sei ein klassischer Mitnahmeartikel. Gehen die Leute weniger oft einkaufen, kommen sie weniger oft in Versuchung, Schokolade zu kaufen, so seine Rechnung. Die Umsätze dürften damit eher nach unten als nach oben zeigen.

„Die steigenden Verkaufszahlen am Beginn waren wohl nicht mehr als ein erster Schwung, der nicht über die Monate hinweg mitgenommen werden kann.“ Der jetzt aufstrebende Onlinehandel mit Lebensmitteln sei auch keine Hilfe. Dort würden bestenfalls Pralinen oder andere Geschenkartikel verkauft werden, weiß Stöhr.

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