OMV-Chef Rainer Seele machte sich zuviele Feinde

© REUTERS/LEONHARD FOEGER

wirtschaft von innen
04/26/2021

Warum sich OMV-Boss Rainer Seele verabschiedet

Neuer Job beim arabischen Miteigentümer Mubadala? Intern geeignete Nachfolge-Kandidaten

von Andrea Hodoschek

Irgendwann reicht’s. Rainer Seele, seit 2015 CEO des börsenotierten, teilstaatlichen Öl- und Gaskonzerns OMV, hat zu viele Gräben aufgerissen. Bereits seit einigen Monaten wurde heftig darüber spekuliert, dass sich Seele vorzeitig verabschieden werde bzw. müsse, der KURIER berichtete als erstes Medium. Am Montag war es soweit, das Unternehmen meldete, dass der Vorstandsvorsitzende seinen Posten mit Ende Juni 2022 zurücklegen werde. Dann läuft der Vertrag aus, die Option auf eine (von beiden Seiten) mögliche Verlängerung um ein Jahr werde Seele nicht wahrnehmen.

Diese typisch österreichische Form des Abgangs ist für den Deutschen gesichtswahrend. Seele hatte angeblich beim Miteigentümer aus Abu Dhabi, dem Staatsfonds Mubadala (24,9 Prozent), um eine Verlängerung um fünf Jahre antichambriert. Bei seinem kürzlichen Besuch am Golf hatte Seele weitere Projekte im Gepäck, die den Arabern zusätzliche Milliarden gebracht hätten.

Das aber wollte die österreichische Seite nicht, die Republik hält über die Staatsholding ÖBAG 31,5 Prozent. Die OMV steht vor der großen Herausforderung, den Kunststoff- und Chemiekonzern Borealis zu integrieren, nachdem um mehr als vier Milliarden Euro von Mubadala die Mehrheit übernommen wurde. Da braucht es jetzt Kontinuität im Vorstand. Diese sah man mit dem ausgeprägten Alphatier Seele und dessen umstrittenen Old-School-Management-Stil freilich nicht mehr.

Job bei den Abu Dhabis?

Wobei man anerkennen muss, dass Seele die OMV gut durch die Krise manövrierte. 2021 dürfte Österreichs größter Börse-Konzern aufgrund der gestiegenen Öl- und Gaspreise sowie der Borealis ein gutes Ergebnis einfahren. Auch 2020 wird besser als erwartet. Seele hat allerdings seit Beginn an die österreichische Eigentümerseite unterschätzt und nur auf die Abu Dhabis gesetzt, meinen Insider. Doch Österreich hat das Nominierungsrecht für den CEO und den Aufsichtsratsvorsitzenden.

In der Branche wird davon ausgegangen, dass sich der 60-Jährige nicht zur Ruhe setzen und auf seinem Anwesen in Irland Lachse züchten wird. Es wird spekuliert, dass Seele bei Mubadala als Berater an Bord geht und die Borealis-Integration von außen verfolgt. Die Araber zahlen prächtigst und der Job wäre politisch etwas angesehener als ein Mandat bei seinen russischen Gazprom-Freunden.

Auch wenn Seeles Mandat erst in 14 Monaten endet, wird jetzt schon über seinen Nachfolger spekuliert. Für eine professionelle Suche ist ausreichend Zeit, auch wenn davon ausgegangen werden kann, dass Seele früher gehen wird.

Austrian OMV announces purchase of stake in upstream project in Russia

Intern wird Vize-CEO Johann Pleininger, 59, favorisiert. Der Topmanager ist in Österreich gut vernetzt, angesehen in der Belegschaft, hat immer beste Ergebnisse geliefert und könnte die von Seele auseinanderdividierten Gruppierungen wieder einen. Allerdings ist Pleininger ein Upstream-Manager (Öl- und Gasförderung) und der Zug geht in Richtung Petrochemie.

Ex-Borealis-Chef Alfred Stern, 56, seit Anfang April im OMV-Vorstand, ebenfalls ein renommierter Manager, kommt zwar aus dem richtigen Fachbereich. Fragt sich aber, ob er jetzt schon geeignet ist für den CEO-Job, die OMV ist doch ein wesentlich größerer Tanker als Borealis. Außerdem stammt Aufsichtsratschef Mark Garrett ebenfalls aus der Borealis. Versierte Headhunter betonen, dass sich die OMV auch in der internationalen Chemie-Branche umschauen müsse.

Mit Garrett hatte sich Seele gleich von Beginn an angelegt. Nicht so gut, wenn man seinem neuen Aufsichtsratschef erklärt, wo dessen Grenzen seien. Auch im Management gab es regelmäßig Auseinandersetzungen. Seele hatte im Vorjahr sogar überlegt, den kritischen Stern noch als Borealis-Chef loszuwerden und dessen Aufstieg in den OMV-Vorstand zu verhindern.

Wegen Untersuchungen in Handys und Email-Accounts von Dutzenden Mitarbeitern ohne Information des Betriebsrates ermittelt seit Kurzem die Datenschutzbehörde gegen die OMV.

Greenpeace und Friday for Future werfen Seele vor, er habe Umweltaktivisten von Spionagefirmen überwachen lassen. Vizekanzler Kogler und Klima-Ministerin Gewessler forderten Aufklärung, von der OMV gab es dazu nur ein knappes Dementi. Das Investigativ-Portal Dossier soll mit einer Klage über 130.000 Euro mundtot gemacht werden.

Whistleblower-Hinweis

Bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ging vor Kurzem übrigens wieder eine Sachverhaltsdarstellung gegen die OMV ein. Thema sind diesmal mögliche Kick-backs in Zusammenhang mit dem Sponsoring der OMV für Putins Lieblings-Fußballklub Zenit St. Petersburg. Es gilt die Unschuldsvermutung. Dossier berichtete, der Klub erhalte von der OMV 25 Millionen Euro, Seele kommentierte die Summe nicht und argumentierte in einem KURIER-Interview mit Imagegründen. Die OMV verkaufe die Hälfte ihres in Russland geförderten Gases im Inland.

WKStA-Sprecherin Elisabeth Täubl bestätigte das Einlangen des Hinweises, die Vorwürfe würden derzeit geprüft.

Wie Seele unliebsame Betriebsräte
 los wurde

Sie war die erste Frau an der Spitze des Konzernbetriebsrates der OMV, doch
 nach zwei Jahren trat Christine Asperger im Herbst 2020 gleich wieder zurück. Auslöser war ein Bericht des Investigativportals Dossier über die Reisespesen von Konzernboss Seele.

Asperger und ihre Assistentin wurden beschuldigt, die Informationen weitergegeben zu haben. Der Assistentin wurden Betriebsrats-Laptop sowie Diensthandy weggenommen und durchsucht. Asperger wurde aus dem Aufsichtsrat ausgeschlossen.
Die Assistentin hatte tatsächlich, wie etliche andere Mitarbeiter auch, im SAP-System Rechnungen von Seele eingesehen. Laut einem forensischen Gutachten (vom Betriebsrat beauftragt) nur einige Sekunden lang, in dieser kurzen Zeitspanne habe die Assistentin die Rechnungen gar nicht kopieren können.

Beide Betriebsrätinnen waren nervlich stark angeschlagen und in ärztlicher Behandlung. Sie boten ihren Abschied an. Von einem dritten Betriebsrat, der wie seine beiden Kolleginnen zur Einheit in Gänserndorf gehörte, wurde ebenfalls der Laptop konfisziert, er hat das Unternehmen auch verlassen.

Nach einer Niederlage vor dem Arbeits- und Sozialgericht  versucht   Seele offenbar, weiter gegen eine kritische Betriebsratsfront in der  Konzernvertretung vorzugehen.   Der neue Vorsitzende Alfred Redlich könnte dabei seine Position bald wieder loswerden.
Die Anwältin des Konzernbetriebsrates, Katharina Körber-Risak, sprach von Plänen des Unter-
nehmens, die  Tochtergesellschaft, in der Redlich Betriebsratsvorsitzender ist, in eine andere, größere Gesellschaft einzugliedern. Eine elegante Methode, einen Betriebsrat auszuhebeln. Wenn die Firma nicht mehr existiert, ist  Redlich sein Grundmandat als Betriebsrat los und kann logischerweise auch nicht mehr in der Konzernvertretung tätig sein.    

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