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Wirtschaft von innen
12/03/2015

Warum sich der VIG-Chef so plötzlich verabschiedet

Peter Hagen war nicht der mächtigste Mann im Konzern. Strategische Ausrichtung als Knackpunkt.

von Andrea Hodoschek

Für Insider kam die Ad-hoc-Meldung (der KURIER berichtete) eigentlich nicht überraschend. Sie hatten schon länger mit dem Abgang von Peter Hagen, seit Juni 2012 Vorstandsvorsitzender der börsenotierten Vienna Insurance Group (VIG), Österreichs größtem Versicherungskonzern, gerechnet.

Wenn der CEO und der Aufsichtsratsvorsitzende über die langfristige, strategische Ausrichtung unterschiedlicher Meinung sind, muss einer von beiden gehen. Dass es im Fall der VIG nicht Aufsichtsratspräsident Günter Geyer sein würde, war klar.

Geyer hatte als Vorgänger von Hagen die VIG, die im Inland mit Wiener Städtischer, Donau und s-Versicherung vertreten ist, zum internationalen Player aufgebaut. Nach einer Abkühlphase übernahm er den Aufsichtsratsvorsitz, gleichzeitig ist er Vorstandschef des Wiener Städtische Wechselseitigen Versicherungsvereins. Dieser ist mit rund 70 Prozent größter Aktionär der VIG. Der 72-Jährige ist damit de facto der mächtigste Mann im Konzern.

Wunschkandidat

Hagen war Geyers Wunschkandidat. Doch Geyer habe seinem "Ziehsohn" Hagen nie freie Hand gelassen und nicht loslassen können, hört man in Aufsichtsratskreisen. "Schwierig, wenn man Generaldirektor ist und tatsächlich hat jemand anderer das Sagen", meint ein Aufsichtsrat.

Für Differenzen soll beispielsweise Hagens Absicht gesorgt haben, die aus 50 Gesellschaften in 25 Ländern bestehende Gruppe zu einem straffen Konzern zusammen zu führen. Die Probleme mit der IT, die um 195 Millionen Euro abgewertet wurde, waren jedenfalls nicht ausschlaggebend für die Trennung. Hagen gilt in der Branche als erstklassiger, fachlich exzellent qualifizierter Manager.

Geyer spricht gegenüber dem KURIER von einer "ausgezeichneten persönlichen Beziehung" und viel Respekt gegenüber Hagen. "Dass es unterschiedliche Meinungen über die strategische Ausrichtung gibt", könne eben vorkommen. Der Noch-Donau-Chefin Elisabeth Stadler, die Hagen mit Beginn 2016 nachfolgt, streut Geyer Rosen: "Eine ausgezeichnete Managerin." Sie werde die VIG "in einer wunderbaren strategischen Ausrichtung führen".

Generali

Mit Hagen tritt binnen kurzer Zeit der zweite Chef eines großen Versicherers zurück. Vor zwei Wochen wurde der vorzeitige Abschied von Generali-Boss Peter Thirring bekannt. Die Generali ist in Österreich Nummer drei. Thirring hatte genug von den Differenzen mit der Konzernmutter in Triest. Streitpunkt dürfte der Garantiezins in der Lebensversicherung gewesen sein, den Thirring nicht aufgeben wollte.

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