Warum ein Sturm die Strompreise ins Minus drückte

Bis vor wenigen Jahren war die Bewag ein Stromimporteur. Dank der Windenergie ist das nun anders.
Foto: Bewag Windräder liefen auf Hochtouren, der Strom aber wurde am Montag nicht gebraucht

200 Euro musste der Ökostromvermarkter Ömag den Stromabnehmern am Montag je Megawattstunde zahlen.

Montag Mittag im nördlichen Burgenland: Plötzlich unterbricht ein starker Wind das spätsommerliche Schönwetter und treibt die vielen Windräder zu Spitzenleistungen an. Nur: So viel Strom, wie die Windparks produzieren braucht um diese Zeit niemand. Das kurzfristige enorme Angebot an elektrischer Energie bringt den Strompreis zum Absturz.

"Mehr als eine Stunde lang lag der Strompreis bei minus 200 Euro je Megawattstunde. Gut 100.000 Euro sind damit in dieser Stunde vernichtet worden", ärgert sich Lukas Stühlinger, Vorstand der oekostrom AG, über den Systemfehler.

Ömag muss Strom, den niemand braucht, loswerden

Der Überschussstrom muss laut heimischem Ökostromgesetz von der Ömag, die für den Ankauf des erneuerbaren Stroms zuständig ist, erworben werden. Sie zahlt den Windrad-Betreibern den gesetzlich festgelegten Einspeisetarif. Den Strom aber kann die Ömag nicht weiterverkaufen, weil ihn eben niemand braucht. Um den Strom, den man ja nicht speichern kann los zu werden, muss die Ömag einem Abnehmer, wie etwa dem Verbund, Geld zahlen – im Fall vom Montag 200 Euro je Megawattstunde. Der Verbund nimmt den Strom und schaltet ein eigenes Großkraftwerk ab und reduziert damit das Stromangebot. Der Verbund ist der Gewinner, die Ömag der Verlierer. Die Verluste der Ömag aber trägt am Ende der Stromkonsument, denn er zahlt die Förderung für den Ökostrom. Diese ergibt sich aus dem Unterschied zwischen dem fixen Tarif, den die Ökoanlagenbetreiber bekommen, und dem Marktpreis.

Stühlinger hält eine Änderung des Ökostromgesetzes für den Fall der Überproduktion für dringend notwendig. Die Ömag sollte befähigt werden, Windräder vom Netz zu nehmen. Diese bekämen zwar weiter den Einspeisetarif für Strom, die Marktpreise würden aber mangels Überangebot nicht ins Minus fallen. "In Deutschland funktioniert das gut. Österreich könnte sich dort einiges abschauen", meint Stühlinger.

Kleine Änderungen

Der oekostrom AG-Vorstand widerspricht den Kritikern der Ökostrom-Förderung, die sich für eine gänzliche Streichung dieser Subvention einsetzen. "Wir brauchen die Energiewende, um den CO2-Ausstoß zu senken. Die Regelung zur Förderung des Ausbaus der Erneuerbaren über fixe Einspeisetarife ist gut", sagt er. Es gebe aber Schwachstellen, über die sachlich diskutiert werden müsse.

Neben dem Abstellen von Anlagen bei Überangebot, kann er sich vorstellen, dass verpflichtende Bürgerbeteiligungen für Erneuerbare Energien-Anlagen vorgeschrieben werden. Auch das gebe es in einigen deutschen Bundesländer schon. "Dann können Kritiker der Ökostrom-Branche nicht vorwerfen, dass nur Finanzinvestoren an der Produktion dieses Stroms verdienten", erklärt Stühlinger. Erst kürzlich hatte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber im KURIER gemeint, die Windanlagen gehörten mehrheitlich Investmentfonds.

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(kurier) Erstellt am
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