"Bitte keine Öko-Dauerförderung"

Verbund, Vorstand, DI, Wolfgang Anzengruber, Inter…
Foto: KURIER/Deutsch Verbund-Chef Anzengruber will "mehr Markt"

Der Verbund-Chef über die Folgen der Subventionen und den niedrigen Strompreis.

Fast 700 Millionen Euro zahlen Österreichs Stromkunden heuer für die Förderung von Ökostrom. Die europaweit wachsenden Strommengen aus diesen erneuerbaren Energien haben den Großhandelspreis für elektrische Energie abstürzen lassen. Und weil dieser Marktpreis jetzt so tief ist, wollen die Ökostromanlagen mehr und vor allem noch länger Förderungen beziehen. Eine Novelle zum Ökostromgesetz, die derzeit heftig diskutiert wird, soll eine Nachförderung nach Ablauf der 13-jährigen Förderdauer ermöglichen. Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber erklärt im KURIER-Gespräch, was er davon hält und warum der Verbund trotzdem versucht, in der Stromerzeugung "100 Prozent erneuerbar" zu werden.

KURIER: Der Strompreis im Großhandel ist heuer nochmals kräftig gesunken. Warum merken die Stromkunden nichts davon?

Wolfgang Anzengruber: Der Kunde sieht natürlich nur den Gesamtbetrag auf der Rechnung. Der Energieanteil macht aber nur ein Drittel davon aus. Der Rest sind Netzgebühren, Ökostromförderungen, Steuern und Abgaben. Aber es wird sich noch etwas tun bei den Strompreisen für die Haushalte.

Wird der Verbund die Preise senken?

Wir werden im Herbst eine neue Kampagne starten. Das heißt: Es wird attraktive Angebote geben.

Sind die Verbund-Großkraftwerke bei den niedrigen Strompreisen noch rentabel?

Wir bauen ja keine neuen Wasserkraftwerke mehr, weil die Preise zu tief sind. Aber die bestehenden Großkraftwerke brauchen wir auch für die Sicherung der Stromversorgung und die Stabilität der Leitungen. Der große Nachteil von Wind- und Sonnenenergie ist, dass sie wetterabhängig sind und dass sie Förderungen brauchen.

Auch die Wasserkraftwerke des Verbund gäbe es nicht, hätten die Kunden sie nicht über den Strompreis bezahlt. Und jetzt baut der Verbund selbst Windkraftanlagen mit Förderung ...

Ja, aber das Problem ist die Dauerförderung. Wenn wir so weitermachen wie jetzt, gibt es nur noch geförderte Kraftwerke und die Marktkräfte werden ausgeschaltet. Wir bauen auch Windenergieanlagen mit Förderungen. Aber wir wissen: Nach 13 Jahren endet die Förderzeit. Wenn dann die Marktpreise für Strom nicht passen, müssen wir das Kraftwerk wertberichtigen oder zusperren.

Die Politik diskutiert derzeit aber eine Novelle zum Ökostromgesetz, wonach Anlagen nach Förderende weiter gefördert werden sollen. Ist das sinnvoll?

Nein. Nach 13 Jahren ist es aus, das haben die Anlagenbetreiber von Anfang an gewusst. Das Schlimmste wäre, weiterzuzahlen. Ich bin gegen eine Output-Förderung, aber für eine Innovations-Förderung. Auch Förderungen für fossile und nukleare Energien müssen reduziert oder abgeschafft werden, um einen fairen Markt zu erhalten.

Sie hätten doch auch gern Geld vom Staat für Ihr unrentables Gaskraftwerk im steirischen Mellach ...

Der Verbund musste Mellach großteils abschreiben und prüft Optionen vom Verkauf bis zum Einmotten. Der Markt-Strompreis ist zu niedrig für den Betrieb. Da kann man nur sagen: Pech gehabt. Und das gilt auch für Ökostromanlagen.

Betreiber von Biomasse- oder Biogasanlagen sagen, ein Zusperren wäre Zerstörung von Vermögen und sie wollen daher eine Anschlussförderung ...

Bitte keine Dauerförderung. Biomasse ist für die Stromproduktion einfach nicht wirtschaftlich. Denn der Energieinhalt der Biomasse ist deutlich geringer als jener von anderen Brennstoffen. Biomasse ist ideal für die Erzeugung von Wärme, aber nicht für Strom. Ein Ende nach 13 Jahren mag hart sein, aber es ist die sauberste Lösung.

Und Windräder? Sollen die auch nach 13 Jahren abgebaut werden?

Windkraft ist eigentlich schon jetzt wettbewerbsfähig. Nach Vollkosten gerechnet kommt die Megawattstunde Windstrom genauso wie Wasserkraftstrom auf 65 Euro. Der Unterschied ist nur: Wind wird gefördert, Wasserkraft nicht.

Deutschland hat soeben sein Fördersystem für Erneuerbare geändert. Ein Vorbild für Österreich?

Zunächst dürfen wir nicht vergessen, warum wir Erneuerbare fördern: Weil wir CO2 reduzieren wollen, sonst bekommen wir ein Mega-Klimaproblem. Allein dieses Ziel ergibt eine Riesen-Chance für Ökostrom. Bis aber die letzten billigen Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, sind scheinbar Förderungen für Erneuerbare notwendig. Und da halte ich das deutsche Modell mit Ausschreibungen für das bessere. Da bekommt jene Anlage den Zuschlag, die die geringste Förderung braucht.

Kleine Ökostromfirmen und Bürgerbeteiligungs-Modelle befürchten, dass sie bei Ausschreibungen keine Chance haben. Wollen Stromkonzerne mit den Auktionen das Ökostromgeschäft an sich ziehen?

Windenergie ist jetzt schon großteils nicht in Händen von "Kleinen" oder "Bürgern". Da stecken meist große Finanzfonds dahinter. Also sehe ich keinen Nachteil für sie durch Ausschreibungen. Bei der Fotovoltaik ist das anders. Die wird tatsächlich meist von Privaten oder "Kleinen" aufgestellt. Wirtschaftlich ist das nicht, aber es ist ein Statement für den Klimaschutz. Aber da habe ich auch kein Problem mit Förderungen, vor allem, wenn das mit Zuschüssen durch den Klimafonds geht. Aber bitte keine fixen Einspeisetarife so wie derzeit. Das ist die dümmste Förderung, die es gibt.

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?