Wirtschaft
02.06.2017

Warum der Goldpreis steigen könnte

Im wahrscheinlichsten Szenario kostet das Edelmetall bald bis zu 2300 US-Dollar pro Feinunze, sagen Experten voraus.

Nach Jahren mit zum Teil heftigen Kursverlusten begann der Goldpreis im Vorjahr wieder zu glänzen. Nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten ging es zwar wieder etwas abwärts, die Jahresbilanz kann sich aber sehen lassen: In US-Dollar gab es ein Jahresplus von 8,5 Prozent, in Euro eines von gut zwölf Prozent. Die Entwicklung setzte sich heuer fort: Seit Jahresbeginn stieg der Goldkurs in Dollar um zehn, in Euro immerhin noch um drei Prozent.

Dürfen Goldanleger auf weitere Kursgewinne hoffen? Durchaus, meinen Ronald Stöferle und Mark Valek. Die beiden Experten bringen gerade ihren neuesten Report "In Gold we Trust" heraus und gestehen dem Edelmetall weiterhin gute Kurschancen zu. Argumente dafür gibt es mehrere:

AktienIn den vergangenen zehn Jahren haben sich Aktien um Welten besser entwickelt als Rohstoffe. "Irgendwann wird die Wende kommen", sagt Mark Valek.

KonjunkturDie US-Wirtschaft zeigt bereits seit 96 Monaten durchgehendes Wirtschaftswachstum. Das ist in der jüngeren Vergangenheit bereits die drittlängste positive Phase. Es sei unwahrscheinlich, dass Börsianer Recht behalten, wenn sie glauben, dass es bis Ende 2019 keine US-Rezession geben wird.

ZinsenAnders als die Eurozone haben die USA die Zinswende schon eingeleitet, wenn auch langsam und vorsichtig. Mitte Juni wird die US-Notenbank Fed den Leitzins von aktuell 0,75 bis 1,00 Prozent mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter anheben. Stöferle und Valek haben beim Blick auf die US-Zinsen der vergangenen hundert Jahre 19 Zinserhöhungszyklen gefunden. Nach 16 davon folgte eine Rezession.

Blasen2001 platzte die Dot.com-Blase, 2007/08 die US-Häuserblase. Derzeit ist – im Vergleich zu den US-Einkommen – gleich mehreres so teuer wie noch nie: Aktien, Anleihen und Immobilien. Schwer vorstellbar, dass das so anhalten wird, meinen Stöferle und Valek.

Schaffen die USA tatsächlich einen kräftigen Wirtschaftsaufschwung samt Abschied von der Billiggeld-Politik, wäre das schlecht für den Goldpreis: Dann würde der Preis für eine Unze auf 700 bis 1000 Dollar fallen. Das wahrscheinlichste Szenario schaut aber ganz anders aus: Trump schnürt ein großes Infrastrukturprogramm, die Wirtschaft springt an – die Inflation allerdings auch. In diesem Umfeld könnte der Goldpreis bis zu 2300 Dollar je Feinunze erreichen.