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Wirtschaft
11/26/2021

Warum das mutierte Virus Börsianern nur begrenzt Sorgen macht

Aktienkurse fallen, aber in einem überschaubaren Ausmaß. Gold bleibt stabil, Staatsanleihen sind gefragt.

von Robert Kleedorfer

Freitag Früh sah es zunächst danach aus, als ob der Black Friday nicht nur zum Tag der Schnäppchenjäger zu Beginn der Weihnachtssaison wird. Sondern auch zu einem schwarzen Freitag an den Börsen. Denn die neue Corona-Mutation sorgte für reichlich Verunsicherung bei den Anlegern. Doch die anfänglichen Kursverluste weiteten sich nicht aus, sodass die Indizes in Europa mit rund drei bis vier Prozent im Minus blieben. Ja, durchaus beachtlich in einem guten Börsejahr wie diesem und es war auch mit minus 4,15 Prozent der größte Tagesverlust für den Frankfurter DAX heuer. In Wien betrug der Verlust fast gleich viel. An den US-Börsen blieb das Minus etwas kleiner.

Zu den größten Verlierern zählten Unterhaltungstitel wie Disney oder AMC (Kinokette), Reise- und Flugunternehmen sowie die Flugzeugbauer Airbus und Boeing bzw. Öltitel. Der Ölpreis gab zehn Prozent nach. Auf der anderen Seite legten Pharmawerte zu. Moderna-Aktien verteuerten sich um 16,5 Prozent. Für die Papiere von Biontech und Pfizer ging es um jeweils 14,6 und 5,5 Prozent nach oben. Und auch Essenslieferanten wie HelloFresh (plus sechs Prozent) und IT-Dienste wie Zoom (plus acht Prozent) legten zu.

Im Gegensatz zu den Tagesverlusten am Beginn der Pandemie im zum Teil leicht zweistelligen Prozentbereich also unterm Strich ein überschaubarer Verlust, der auch an anderen Tagen mit Hiobsbotschaften passiert.

Warum also bleiben die Verluste (vorerst) noch überschaubar?

„Man muss die Kirche im Dorf lassen“, sagt Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisenbank International (RBI) zum KURIER. „Die Mutation haben viele zum Anlass genommen, Gewinne mitzunehmen und zu verkaufen. Ursache ist aber vielmehr, dass die Dynamik des Aufschwungs abnimmt.“ Noch Mitte November hat es infolge guter Unternehmensergebnisse Höchststände gegeben. Die Gewinnwachstumsraten der Konzerne würden nun aber abnehmen, Konjunktur- und Gewinnrevisionen die Folge sein.

Fehlende Fantasie

Es fehle die Fantasie, dass die Kurse noch in dieser Dimension wie bisher steigen, so Brezinschek. So gab es im US-Index S&P heuer einen Zuwachs von 23 Prozent, beim Frankfurter DAX waren es 12,5 Prozent und beim ATX sogar 32 Prozent bis dato. Bis zur Verkündung des Lockdowns vor einer Woche waren es sogar 40 Prozent.

Abseits der Aktienmärkte waren die Folgen der Corona-Mutation auch bei anderen Veranlagungen bemerkbar. Gold, das als sicherer Hafen gilt, blieb nahezu unverändert. Kryptowährungen hingegen sackten um bis zu zehn Prozent ab. Sie gelten als riskante Veranlagung und werden daher in Zeiten wie diesen gemieden. Die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen stieg hingegen.

Und wie geht es weiter? Brezinschek gibt sich sorgenfrei. „Ich sehe keine Trendumkehr.“ Engpässe gebe es angebotsseitig, nicht bei der Nachfrage. Somit werde es bei Aktien weiter nach oben gehen, aber gebremster als bisher. Und Anleger müssten bis zu Jahresende mit größeren Ausschlägen nach oben und unten rechnen. Denn zu den Feiertagen hin dünne sich der Handel aus, sodass schon verhältnismäßig wenige Orders zu größeren Bewegungen führen.

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