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wirtschaft von innen
08/10/2021

Verkauf der Telekom-Funktürme kann bis zu vier Milliarden Euro bringen

Kritische Infrastruktur: Betriebsrat in Alarmbereitschaft, Ausgliederungsmodell soll bald stehen, macht America Movil Kasse?

von Andrea Hodoschek

In der teilstaatlichen A1 Telekom Austria ruht ein ungehobener Schatz, der auf dem Kapitalmarkt und in der Branche auf mehrere Milliarden Euro geschätzt wird. Eine Ausgliederung und ein anschließender Verkauf der insgesamt 15.000 Mobilfunk-Türme (davon 7.900 in Österreich) könnte, je nach Modell, der Telekom bis zu vier Milliarden Euro bringen.

Seit dem Vorjahr bereits beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe in der Telekom mit der Ausgliederung in eine Tower-Company. Wie man aus dem Unternehmen hört, macht der Mehrheitseigentümer America Movil starken Druck, der KURIER berichtete. In den nächsten Monaten, spätestens bis Jahresende, soll das Modell stehen.

Bei einem Verkauf der Tower-Gesellschaft wären die Mexikaner die großen Gewinner. Sie würden ordentlich Kasse machen. Die Republik Österreich hält über die Staatsholding ÖBAG nur noch 28 Prozent an der Telekom, die Steuerzahler haben aber vor dem Einstieg der Mexikaner den Ausbau des Mobilfunknetzes mitfinanziert. Die Telekom würde einen wichtigen Teil ihrer Infrastruktur verlieren und auf eine reine Netzgesellschaft reduziert werden.

Entsprechend besorgt sind die Belegschaftsvertreter. Ausgliederungen von Mobilfunkstationen seien ein globaler Trend. Unter gewissen Voraussetzungen – Wertsteigerungen der Assets, gemeinsame Nutzung der Stationen durch mehrere Betreiber – könne dies durchaus Sinn machen, meint dazu Alexander Sollak, Betriebsratsvorsitzender der Telekom Holding, gegenüber dem KURIER. Kritisch werde es allerdings, wenn Arbeitsplätze und aktive Infrastruktur wie Antennen, Leitungen, Technologien etc. betroffen sind und sich die Eigentumsverhältnisse der Tower-Gesellschaft durch einen Verkauf oder Börsegang verändern.

Da das operative Geschäft der Telekom sehr profitabel sei, die Gewinnmargen hoch und die Verschuldung überschaubar, bestehe im Gegensatz zu anderen Telekom-Unternehmen in Europa keine zwingende Notwendigkeit, Infrastruktur zu verkaufen. Man werde daher die weiteren Aktivitäten „sehr genau beobachten“.

„Grob fahrlässig“

„Kritische Infrastruktur – von Wasser über Strom und Energie bis hin zur Telekom – verkauft man nicht. Nie!“, warnt SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter. Der Staat bekäme diese nie wieder zurück. Angesichts der Bedeutung von 5 G für den Wirtschaftsstandort sei es „mindestens grob fahrlässig bis standortschädigend, solch wichtige Infrastruktur zu privatisieren“. Außerdem fehle jede Notwendigkeit. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen sei es enorm wichtig, dass die Telekommunikationsinfrastruktur zumindest teilweise in staatlicher Hand bleibe, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Beim für die ÖBAG und deren Beteiligungen verantwortlichen ÖVP-Finanzminister Gernot Blümel will man sich nicht zum Thema äußern.

Bei der für den 5-G-Ausbau zuständigen Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) verweist man auf das Regierungsziel einer flächendeckenden Versorgung mit Gigabit-Anschlüssen bis 2030. Die Netzbetreiber hätten verpflichtende Versorgungs- und Ausbauauflagen, „diese bleiben unabhängig von gesellschaftsrechtlichen Änderungen bestehen“, heißt es dazu aus dem Ministerium. Die Entscheidung darüber, wie diese Auflagen erfüllt werden, liege in ausschließlicher Verantwortung der Netzbetreiber.

andrea.hodoschek

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