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Interview
06/13/2015

Walter Rothensteiner: "So schlecht geht es uns nicht"

Der Raiffeisen-Zentralbank-Chef sieht für den Konzern wieder bessere Zeiten kommen.

von Martina Salomon, Robert Kleedorfer

KURIER: Womit verdienen die Banken überhaupt noch Geld?

Walter Rothensteiner: Das frag’ ich mich auch (lacht). Fairerweise muss man aber sagen, dass wir nicht nur mit Einlagen und Krediten Geschäft machen, sondern zum Beispiel mit Anlageberatung. Aber es bleibt nicht viel übrig, um die steigenden Eigenkapitalwünsche zu erfüllen.

Ist Investmentbanking nicht schon wieder interessanter als Kundengeschäft: die gefährliche Spirale vor der Krise?

Naja, bei uns heißt Investmentbanking ja was anderes als in großen Nationen wie der USA. Bei uns ist es sehr eng mit dem Kundengeschäft abgestimmt. Es geht um Kapitalerhöhungen, Anleiheemissionen, Fusionen und Übernahmegeschäfte, etc.

Die am Mittwoch von Raiffeisen Research vorgestellte Banken-Studie zeigt aber, dass die russische Wirtschaft eher schwächer wird.

Wir können uns über die russische Bank überhaupt nicht beklagen …

Noch …

Wir haben wahrscheinlich die beste Bank in Russland mit einem erstklassigen Kundenkreis. Unangenehm ist die Ukraine – dafür können wir aber nichts. Ungarn hingegen scheint sich langsam zu erfangen. Und rundherum läuft es nicht so schlecht. Auch im Inland – nur die Spannen sind hier leider bescheiden.

Angesichts des möglicherweise nicht mehr so stark florierenden Russland-Geschäfts: Wird sich die RBI neu aufstellen?

Die RBI wird sich auf weniger Märkte konzentrieren, um die Zielsetzung 12 Prozent Kernkapital bis 2017 zu erreichen. Daher wurde beschlossen, Märkte zurückzufahren bzw. den einen oder anderen Markt auch ganz zu verlassen – so beispielsweise Polen oder Slowenien, eventuell auch USA

… sowie Asien.

Genau. Da geht es vor allem um Redimensionierung. In Russland stehen wir leicht auf der Bremse. Hier wollen wir das Kreditrisiko um rund 20 Prozent reduzieren.

Wo wächst Raiffeisen denn?

In Rumänien, Tschechien und der Slowakei etwa.

Bei den Frankenkrediten steht in der Bilanz noch ein größeres Milliardenpotenzial drinnen.

Ja, das ist zum Teil ein polnisches Thema. Dort haben wir aber eine erstklassige Klientel und kaum Ausfälle. Hier gibt es sehr verlässliche Kunden, das bringt derzeit niemanden um den Schlaf.

S&P hat die RBI herabgestuft, Fitch ebenfalls, sogar mit einem negativen Ausblick. Wann geht es wieder nach oben?

Es geht zumindest nicht mehr bergab. 2014 war ein Jahr, in dem wir den Rubelverfall und die Ukraine-Krise hatten. Für beides konnten wir ebenso wenig dafür wie für die Probleme in Ungarn. Dass drei solche Mega-Events zugleich noch einmal passieren, kann ich mir nicht vorstellen.

Geht sich bei der RBI heuer vielleicht doch ein Gewinn aus?

Man vergisst immer, dass die anderen 13 von 15 Tochter-Banken klaglos laufen. Und das tun sie weiter. Man muss auch dazu sagen: Seit dem Jahr 2000 hat die RBI acht Milliarden Euro netto verdient und im Vorjahr knapp 500 Millionen Verlust gemacht. Die acht Milliarden hat jeder selbstverständlich genommen, die 500 Millionen werden ewig zerredet.

Ist die Zusammenlegung von Landesbanken noch ein Thema?

Nein. Es ist ein Unterschied, ob ich in Linz oder Graz eine Landesbank mit einem Generaldirektor habe oder ob der ein Zweigstellenleiter einer anderen Großbank ist.Es muss uns aber gelingen, die Kosten zu verringern. Da kann es österreichweit zum Beispiel nur einen Compliance-Verantwortlichen geben und nur ein Rechtsbüro. Ich gebe auch zu: Wir haben in den letzten 20 Jahren eine gute Dividende bezahlt und hatten wenig Rationalisierungsdruck.

Wie viele Leute wird Raiffeisen noch abbauen?

Man braucht da niemanden groß auf die Straße zu setzen. So schlecht geht es uns nicht.

Ex-RBI-Chef Stepic steht mit einer Million Euro Jahreshonorar im Geschäftsbericht. Wird das heuer auch so sein?

Der Vertrag von Herbert Stepic ist im Juni 2014 ausgelaufen. Für seine Tätigkeit ist er vertragsmäßig entlohnt worden. Derzeit ist er Berater der RBI und leistet gute Dienste.

Sie waren bis Donnerstag insgesamt 18 Jahre an der Spitze der Sparte Banken in der Wirtschaftskammer. Die Banken-steuer wegbringen muss nun Ihr Nachfolger Andreas Treichl.

Er ist seit 15 Jahren mein Stellvertreter, in der Arbeit wird sich nicht viel verändern. Ich bleibe dem Gremium als Obmann erhalten. Was Raiffeisen bisher – seit dem Jahr 2011 – an Bankensteuer gezahlt hat, entspricht genau einem Prozent Kernkapital von uns: über eine Milliarde Euro. Der Staat hat das Geld abgesaugt, und jetzt sagt die EU: Ihr braucht mehr Kapital.

Als Spartenobmann hatten Sie immer Kontakt zu den Finanzministern. Wie war das Verhältnis?

Auf und ab. Jetzt ist es gut. Mit Hans Jörg Schelling kann man einen offenen Dialog führen. Wir bringen nur nicht alles durch, was wir gerne hätten. Aber das ist normal.

Was halten Sie davon, dass er die Casinos Austria verstaatlichen will, an denen auch Raiffeisen beteiligt ist?

Der Bund ist ja jetzt schon 33-Prozent-Aktionär durch die Übernahme des Anteils der "Münze Österreich" durch die Verstaatlichten-Holding ÖBIB. Nun will er das Ganze haben, dazu gibt’s die ÖBIB.

Ist eine Neu-Verstaatlichung denn nicht ein wenig "retro"?

Diese Branche ist ohnehin staatlich stark reglementiert. Lotterien und Casinos Austria sind deshalb über die Jahre so gut gegangen, weil die Republik beteiligt war.

Schelling will auch das Bankgeheimnis völlig abschaffen. Für die Datensammlung werden womöglich wieder die Banken zur Kasse gebeten.

Das ärgert mich natürlich. Langfristig werden wir an dem Thema aber nicht vorbeikommen wegen der Angst vor Terrorismus und Geldwäsche. Aber was hat es für einen Sinn, wenn man Sparbücher melden muss, auf denen vielleicht 15.000 Euro liegen? Wobei das Finanzministerium argumentiert, dass das ohnehin nur im Falle einer Betriebsprüfung passiert. Ich bin jedenfalls froh, dass es keine offene Einschau in alle Konten gibt.

Es gibt derzeit die Debatte um die Abschaffung von Bargeld.

Diese Debatte ist schräg. Ich wehre mich dagegen, dass man im Unterton die Österreicher schon wieder ein bissl kriminalisiert. Ist eine Barzahlung automatisch Schwarzgeld? In Kombination mit Bankgeheimnis und Registrierkassenpflicht wird unterstellt, die Österreicher machen nur linke G’schichtln. Grundsätzlich finde ich: Solange der Kunde Bargeld will, wird man es nicht abschaffen. 40 Prozent der Österreicher werden nie mit Karte zahlen.

Ist es eine bürgerliche Freiheit, Bargeld zu haben?

Na, sicher. Eine Abschaffung wäre eine Bevormundung. Natürlich kann man drüber reden, dass man so wie in Italien ab 1000 Euro nicht mehr bar zahlen darf. Aber es ist wieder die Unterstellung, es wird mit Schwarzgeld gezahlt. Ich glaube, das haben wir uns als Österreicher nicht verdient.

Welche Bilanz ziehen Sie als scheidender Spartenobmann?

Ich bin nicht nostalgisch. Ich war bei dem Weg ein Stückchen dabei und habe mich bemüht, mich für die Branche einzusetzen. Gewisse Dinge sind in dieser Zeit klaglos passiert, wie Euro-Umstellung oder die Eigenkapitalvorschriften Basel 3. Es haben alle zusammengearbeitet und sich bemüht, das Miteinander vor das Gegeneinander zu stellen.

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