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Leistungen
05/14/2018

Vorsorge: Was privat Versichern bringen kann

Regierung will mehr private Vorsorge, doch gerade bei jungen Menschen fehlt dazu oft das Geld.

von Irmgard Kischko

Die politische Diskussion √ľber den Umbau des staatlichen Versicherungssystems r√ľckt die privaten Versicherungen ins Zentrum. Was das f√ľr die B√ľrger bedeuten wird, ist erst zu sagen, wenn feststeht, was genau die Regierung beschlie√üt. Dennoch lohnt ein Blick auf das, was es jetzt an privaten Versicherungen gibt, was das kostet und was das bringt. Vorweg: Wer privat f√ľrs Alter vorsorgen oder eine Krankenversicherung abschlie√üen m√∂chte, macht das am besten in jungen Jahren. F√ľr √Ąltere ist der Einstieg sehr teuer.

Mit Abstand am weitesten verbreitet sind Lebensversicherungen, auch wenn sie bei den aktuellen Mini-Verzinsungen nur wenig Rendite bringen. Entsprechend sind die Pr√§mieneinnahmen im Vorjahr um f√ľnf Prozent gesunken, heuer rechnen die Versicherungen mit einem weiteren Minus. Insgesamt haben die √Ėsterreicher elf Millionen Lebens-Polizzen abgeschlossen ‚Äď das hei√üt: Ein Teil der B√ľrger hat mehr als eine Lebensversicherung.

Sieht man dies als Altersvorsorge, gilt ein Grundsatz: Je fr√ľher man eine Lebensversicherung abschlie√üt, umso besser. Denn das Produkt basiert auf einer langen Ansparphase, also am besten als Baby damit beginnen. Ein Beispiel der Wiener St√§dtischen Versicherung zeigt dies klar auf. Schlie√üt etwa eine Person mit 30 Jahren (Unterschiede zwischen M√§nner und Frauen gibt es dabei nicht mehr) eine Lebens-Polizze ab und zahlt monatlich 100 Euro ein, bekommt sie ab 65 eine monatliche Zusatzpension von 180,76 Euro. Beginnt jemand aber erst mit 50 Jahren betr√§gt die Zusatzpension nur 64 Euro pro Monat.

Dass sich Lebensversicherungen wegen der niedrigen Zinsen aktuell gar nicht mehr lohnen, will Städtischen-Sprecher Christian Kreuzer nicht gelten lassen. Erstens liege die Durchschnittsrendite der Lebensversicherungsverträge der Städtischen noch immer höher als zwei Prozent und zweitens sei zu bedenken, dass die Zusatzpension bis zum Lebensende ausbezahlt werde, auch wenn das einbezahlte Kapital aufgebraucht sei.

Zur√ľckhaltung

Anders als bei Lebensversicherungen waren die √Ėsterreicher in der Vergangenheit bei Kranken- oder gar Pflegeversicherung zur√ľckhaltend. Wer denkt in jungen Jahren auch schon an Krankheit oder gar Pflegebed√ľrftigkeit? Obwohl die Versicherungen heftig daf√ľr werben, haben bisher nur 60.000 √Ėsterreicher eine private Pflegeversicherung abgeschlossen. Das Problem: Will man im Pflegefall einigerma√üen finanziell abgesichert sein, muss man sich auch die Pr√§mie leisten k√∂nnen ‚Äď und die auch im Alter noch bezahlen k√∂nnen.

Die Versicherungen richten die Pflegegeldleistung nach der staatlichen Pflegestufe und sehen sie als Zusatzeinkommen zum staatlichen Geld. Bei der UNIQA etwa zahlt eine 40-j√§hrige Person 648,56 Euro im Jahr, eine 50-j√§hrige 940,15 Euro und eine 60-j√§hrige 1441,31 Euro. Daf√ľr bekommt die Versicherte zum Beispiel in der Pflegestufe vier monatlich 564 Euro ausbezahlt, in der h√∂chsten, der siebenten Pflegestufe, 2257 Euro.

Die Versicherungen betonen allerdings, dass sie nicht daran interessiert seien, die Pflege g√§nzlich privat versichern zu wollen. ‚Äě √Ėsterreich hat ein gutes Sozialsystem, aber es ist nicht immer ausreichend. Privat versichern ist als Erg√§nzung zu sehen‚Äú, sagt Kreuzer.

Das gelte auch f√ľr die private Krankenversicherung. Sie sei ein Zusatzinstrument zur staatlichen Sozialversicherung. Auch hier gilt der Grundsatz: Wer fr√ľh damit beginnt, hat eine vergleichsweise g√ľnstige Pr√§mie. Junge, die oft auch die niedrigere Pr√§mie nicht leicht zahlen k√∂nnen, brauchen die Leistungen dieser Krankenversicherung seltener, √Ąltere mehr. Doch gerade Pensionisten k√ľndigen ihre Zusatzversicherung oft, weil sie sich die Pr√§mien nicht mehr leisten k√∂nnen, wei√ü man in der Versicherungsbranche.

Hohe Kosten

Die Verwaltungskosten der Versicherungen sind in dieser Sparte besonders hoch. Laut einer OECD-Studie liegen diese Kosten bei 31 Prozent der Pr√§mien. Die Versicherer k√∂nnen dies nicht nachvollziehen, sie sprechen von einem Kostenanteil von etwa 17 Prozent. Auch wenn Krankenversicherungen hier zu Lande noch unterrepr√§sentiert sind, so steigen die Pr√§mieneinnahmen mit 3,7 Prozent im Vorjahr und heuer √ľberproportional.

Und schließlich gibt es noch die privaten Unfallversicherungen. Sie sind mit der staatlichen AUVA kaum vergleichbar, denn sie decken auch nur gewisse Unfallrisiken, meist mit einer pauschalen Rente, ab. In einer Prämie von 7,50 Euro im Monat inkludiert die Städtische zum Beispiel eine Versicherungssumme von 70.000 Euro.

Der Verein f√ľr Konsumenteninformation (VKI) h√§lt eine private Unfallversicherung f√ľr sinnvoll, die finanziellen Folgen eines Unfalls abzufedern. Eine gute Versicherung sei bereits f√ľr einen Erwachsenen ab 200, f√ľr Familien ab 300 Euro im Jahr zu haben. Die Leistungsunterschiede k√∂nnen aber eklatant sein. F√ľr den Verlust eines Beines zahlt eine Versicherung nur 90.000, eine andere 246.000 Euro.

Kommentar dazu unter https://kurier.at/wirtschaft/verunsicherung-hilft-versicherungen/400035061

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