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Wirtschaft
12/30/2019

Von der Schilling-Lüge bis zum "Teuro": Fundstücke im Archiv

Preisvergleich mit 1994: Wurden die Euro-Pläne verschwiegen und ist wirklich alles teurer? Der KURIER begab sich auf Zeitreise.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Die Österreicher seien belogen worden, behaupten EU-Kritiker gern: "Uns wurde versprochen, der Schilling bleibt." Stimmt das? Der KURIER hat das Archiv bemüht und die eigene Berichterstattung vor der Abstimmung am 12. Juni 1994 überprüft. Fazit: Die Währungspläne waren alles andere als ein Geheimnis. Sie wurden intensiv diskutiert.

"Falls es zu einer Europa-Währung kommt, muß diese wirklich so kaufkräftig wie der Schilling oder die DM (Deutsche Mark) sein. Sonst wird das die Bevölkerung nicht akzeptieren“, schrieb der damalige Ressortchef Erwin J. Frasl am 30. Mai 1994. Die Kolumne trug den Titel: "Euro-Schilling als Fern-Ziel".

Und in "100 Fragen und Antworten zur EU" hieß es: "Die Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung ist erst für die Jahrtausendwende geplant." Von Verschweigen oder Lüge keine Spur. Allerdings traf, was viele wohl nicht so recht glauben wollten, tatsächlich ein: Ab 1999 rechneten elf Kernländer mit der neuen Währung. Ab 2002 wurde sie dann auch als Bargeld eingeführt.

Aktionspreise anno dazumal

Und der Vorwurf, mit dem "Teuro" sei alles viel teurer geworden? Auch das hat der KURIER geprüft und Inserate von 1994 ausgegraben (weitere Beispiele unten).

Ein Preis, der ins Auge sticht: Die Tiefkühlpizza zum Aktionspreis von 29,80 Schilling. Heute ist sie um 2,19 Euro zu haben, kostet also recht exakt dasselbe – obwohl 25 Jahre Teuerung dazwischen liegen.

Den italienischen Frischkäse Mascarpone (500 Gramm) gab es in Aktion um 69,90 Schilling, heute kostet eine Handelsmarke nur 2,68 Euro. Das ist offenkundig viel billiger.

Ein Kilo Schweine-Schlögel "zum Grillen" gab es um knapp 80 Schilling. Heute findet man sie in Aktion um 5,59 Euro – ebenfalls derselbe Preis.

Unterschiedlich ist die Entwicklung bei Getränken: Im Jahr 1994 kosteten die Dose Red Bull und eine Flasche (0,7 Liter) Hohes C jeweils 13,80 Schilling, das entsprach ziemlich exakt dem Gegenwert von einem Euro zum späteren Umrechnungskurs. Der Energydrink kostet heute 1,49 Euro. Den Fruchtsaft gibt es um 1,89 Euro, allerdings für die Ein-Liter-Flasche (entspricht 1,32 Euro für 0,7 Liter).

Ein Extrembeispiel: Der Desktop-Computer (Pentium) um fast 26.000 Schilling zeigt, wie rasant die Technologie fortschreitet. Heute kostet ein PC-Allround-Set (800 Euro) weniger als die Hälfte, hat aber 1000 Mal mehr Arbeitsspeicher.

Differenzierter ist das Bild bei Obst und Gemüse: Das Kilo Paradeiser um 17,80 Schilling kostet jetzt als Handelsmarke 1,49 Euro. Die Paprika-Tricolore (9,80 Schilling) sind mit 1,29 Euro klar teurer. Und auch zwei Kilo Blutorangen kriegt man um das Äquivalent von 12,80 Schilling nicht: 2,99 Euro wären heute ein üblicher Preis.

Für 250 Gramm Marken-Soletti um damals 11,80 Schilling zahlt man jetzt 1,49 Euro.

Wechselkurs-Frage

Das Parfum Roma von Laura Biagiotti gab es schon 1994, damals um 279 Schilling. Heute findet man den 25-ml- EdT-Spray um 27,99 Euro. Viel teurer?

Aber wie rechnet man das korrekt um? Der Wechselkurs  war 1999 bei der Einführung ein Euro für 13,7603 Schilling. Allerdings sind die Preise im Warenkorb in Österreich (seit 1996) um 51,4 Prozent gestiegen.  Das  Parfum, das 38 Prozent teurer wurde, liegt also unter der generellen Teuerung.   

Kaufkraft inkludiert

Ein sauberer Preisvergleich muss die Einkommensentwicklung berücksichtigen. Laut OeNB entsprechen 100 Schilling aus dem Jahr 1994 in etwa einer heutigen Kaufkraft von 11,20 Euro.

Je nach Produkt fällt der OeNB-Kaufkraftvergleich unterschiedlich aus. Demnach kann sich der typische Österreicher um ein Monatsgehalt um 71 Kilo Schweinefleisch, 322 Liter Milch und 6 Herrenanzüge mehr leisten als vor 25 Jahren. Doch es gibt auch das Gegenteil: Heute kann man sich um ein Monatseinkommen 80 Kilo Brot, 120 Kleine Braune und 10 Kilo Brathendl  weniger leisten als noch 1994.

 

 

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