Wirtschaft
19.07.2018

Volvo verlagert wegen US-Zöllen SUV-Produktion nach Europa

Der SUV XC60 für den US-Markt wird künftig nicht mehr in China gebaut. Autobauer Volvo Cars legt insgesamt kräftig zu.

Der Autobauer Volvo Cars, der nach einem Gewinnsprung im Quartal weiter auf Rekordkurs ist, will durch Produktionsverlagerung US-Zölle auf Importe aus China umgehen. Der SUV XC60 für den US-Markt werde künftig in Europa und nicht mehr in China gefertigt, sagte Firmenchef Hakan Samuelsson am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Verlagerung habe bereits begonnen.

Die USA und China überziehen sich im Handelsstreit derzeit mit Strafzöllen. Doch US-Präsident Donald Trump liegt auch mit der EU im Clinch und drohte erst vergangene Woche mit Zöllen auf Autos.

Der Hersteller mit schwedischen Wurzeln, der 2010 vom US-Autobauer Ford an den chinesischen Konzern Geely verkauft wurde, ist trotz des internationalen Handelsstreits auf Kurs für das fünfte Rekordjahr in Folge. Volvo Cars steuert demnach auch 2018 auf eine Absatz-Bestmarke zu. Im zweiten Quartal stieg der operative Gewinn um 29 Prozent auf umgerechnet 407,1 Mio. Euro. Der Umsatz legte um mehr als ein Viertel 6,4 Mrd. Euro zu.

Deutliches Absatzplus

Der Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent auf knapp 3 Mrd. schwedische Kronen (291 Mio. Euro), wie das Unternehmen am Donnerstag in Göteborg mitteilte. Der Umsatz legte um etwas mehr als ein Viertel auf 66 Mrd. Kronen zu. Grundlage für die Zuwächse ist ein deutliches Absatzplus in den drei Monaten bis Ende Juni. Die Zahl der verkauften Autos der Marke Volvo zog um 15 Prozent auf gut 170.000 Stück an. Besonders robust zeigten sich die Verkäufe in den Vereinigten Staaten. Dort stieg der Absatz um ein Drittel auf fast 28.000 Stück.

Der Autohersteller ist nicht mit dem börsennotierten Unternehmen Volvo zu verwechseln. Die an der Börse gelistete Volvo Group hatte den Autohersteller Ende der 90er-Jahre an Ford verkauft.

Auch LKW-Bauer Volvo verdiente mehr

Der Nutzfahrzeughersteller Volvo Group stellt Baumaschinen, Busse und Lastwagen her und legte am Donnerstag ebenfalls Zahlen vor. Das Unternehmen steigerte den Gewinn um 59 Prozent auf 9,4 Mrd. schwedische Kronen. Beim um Sondereffekte bereinigten operativen Ergebnis verzeichnete Volvo ein Plus von 37 Prozent auf 11,5 Mrd. Kronen. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Experten. Der Umsatz des mit den VW-Marken Scania und MAN sowie der Daimler-Lkw-Sparte konkurrierenden Unternehmens zog um 18 Prozent auf 104 Mrd. Kronen an.

Die florierende Nachfrage auf dem Nutzfahrzeugmarkt und im Service-Bereich haben auch die Kassen des schwedischen Lkw-Konzerns Volvo gefüllt. Vorstandschef Martin Lundstedt erneuerte am Donnerstag allerdings seine Befürchtung, dass wegen der starken Auftragslage die Engpässe bei der Zulieferkette vor allem in den USA und damit verbundene höhere Kosten bestehen blieben.

Lundstedt betonte aber: "Wir sind weiterhin bestrebt, die Effizienz in allen Teilen des Konzerns und in der gesamten Lieferkette zu verbessern, und obwohl wir in die richtige Richtung gehen, gibt es noch Verbesserungspotenzial." Der Daimler-Rivale bekräftigte seine Jahresprognose für die Lkw-Märkte in Nordamerika und Europa.

Im zweiten Quartal stiegen die Erlöse um 18 Prozent auf umgerechnet rund zehn Mrd. Euro. Das bereinigte operative Ergebnis legte auf 11,5 (Vorjahr: 8,4) Mrd. Schwedische Kronen (1,12 Mrd. Euro) zu. Die Bestellungen von Lkw, die unter den Marken Volvo, Mack, Renault und UD Trucks verkauft werden, stiegen auf 60.656 Einheiten von 52.265 im Vorjahr.