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Wirtschaft
04/21/2020

Volle Lager, leere Kassa: Modehändlern geht Geld aus

Experten rechnen damit, dass in der Sommersaison um 50 Prozent weniger Kleidung gekauft wird als gedacht. Die Folgen sind fatal

von Simone Hoepke

An sich ist Rainer Trefeliks Mode-Geschäft Popp & Kretschmer in bester Wiener Innenstadtlage. Schräg gegenüber der Staatsoper, dort wo sich normalerweise das ganze Jahr über Touristen drängen. Doch jetzt ist nichts los.

Jene, die im 1. Bezirk arbeiten, sind im Homeoffice. Der Wien Tourismus meldet einen Einbruch von mehr als 70 Prozent, die Gastro-Betriebe sind zu. „Es bleiben die 16.000 Bewohner des 1. Bezirks, die uns nicht durch die Krise tragen können“, sagt Trefelik, dessen Geschäft ohnehin geschlossen ist. Öffnen dürfen derzeit nur Textilhändler, die nicht mehr als 400 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, sein Geschäft hat aber 1.400 Quadratmeter.

„Schon im März hatten wir ein Umsatzminus von 78 Prozent, im April haben wir gar kein Geschäft“, sagt der Modehändler. Dass sich das mit 2. Mai, wenn auch er wieder öffnen darf, schlagartig ändert, glaubt er nicht. Er weiß gar nicht, ob er überhaupt aufsperrt. „Wenn wir den Änderungsservice nicht anbieten dürfen, macht das für uns nämlich überhaupt gar keinen Sinn.“ Und wie das Abstecken von Kleidern mit Abstandsregeln zusammenpasst, ist noch ungeklärt.

Klar ist dagegen, dass sich in seinem Lager Ware im Wert von „deutlich mehr als einer Million Euro“ stapelt. Dazu kommen Kollektionen für die Herbst/Winter-Saison, die schon in der Pipeline sind. „Das Problem ist, dass wir die Bestellungen nicht mehr stornieren können, obwohl sich die Rahmenbedingungen völlig verändert haben.“ Sprich, schon jetzt klar ist, dass das Modekarussell diesen Sommer nicht in Schwung kommt. Experten gehen von Einbrüchen von mindestens 50 Prozent aus. Um überhaupt Geld in die Kassen zu spülen, wird die Rabattschlacht eröffnet werden, sind sich alle einig.

Viele Fragen offen

Schön für die Konsumenten, schlecht für die Unternehmer. Im Modehandel droht eine Insolvenzwelle, warnt auch Peter Voithofer vom Economica Institut für Wirtschaftsforschung. Schuld sei die Schnelllebigkeit der Kollektionen und der hohe Abschreibungsbedarf. Wie viele der mehr als 6.300 Bekleidungsgeschäfte gefährdet sind, traut er sich nicht abzuschätzen. „Das wird letztlich auch davon abhängen, in welchem Ausmaß Unterstützung aus diversen Hilfsfonds kommt.“ Das sei derzeit aber noch völlig unklar, meint Branchensprecherin Jutta Pemsel. „Die Krise trifft uns zum blödesten Zeitpunkt. Just jetzt, wo das meiste Geld im Lager liegt.“

Das zeigt auch ein Blick in die Branche. Am Dienstag hat der Modehändler Stefanel Österreich Konkurs angemeldet. Auch die Modefirmen Airfield, Colloseum und Hallhuber hat die Pleitewelle bereits erfasst. Nicht einmal Online-Händler konnten von den geschlossenen Geschäften profitieren. Zalando-Chef Rubin Ritter spricht vom „schlimmsten Quartal seit dem Börsengang“ vor rund sechs Jahren.

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