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Wirtschaft
04/08/2020

Experte zu Modehandel: "Viele werden zu Rabatten gezwungen sein"

McKinsey rechnet erst im Weihnachtsquartal mit einer Erholung des Textilhandels. Der Blick nach China ist ernüchternd.

von Simone Hoepke

Ab 14. April dürfen kleinere Geschäfte – und damit viele Textilhändler – wieder öffnen. Konsumenten können sich in den nächsten Wochen auf Preisschlachten einstellen, schließlich sind die Lager nach dem wochenlangen Shutdown übervoll und zu allem Überfluss ist zusätzliche Ware auf Schiffen aus Asien in der Pipeline.

Dennoch bezweifelt Achim Berg, dass jetzt der große Kaufrausch kommt.

Der McKinsey-Berater hat eine Studie zu den Auswirkungen der Coronakrise auf den Modehandel gemacht und bremst die Erwartungen. „Die Läden werden in den nächsten Wochen vielleicht 30 bis 40 Prozent ihres normalen Umsatzniveaus erreichen“, prophezeit er und verweist auf Erfahrungswerte aus China. Während dort mittlerweile 90 Prozent der Modegeschäfte wieder geöffnet haben, liegen die Frequenzzahlen um bis zu 60 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. „Im Grunde hat jeder einen vollen Kleiderschrank und jetzt fehlt obendrein das Einkaufserlebnis“, sagt Berg.

Wie schnell der Textilhandel wieder Fahrt aufnimmt, wird aus seiner Sicht vom Sicherheitsgefühl abhängen. Sprich davon, ob Kunden Angst vor einer Covid19-Ansteckung im Geschäft haben und ob sie überhaupt Spaß am Einkauf haben. Berg: „Gesichtsmasken und Einlassbeschränkungen sind hier sicher nicht förderlich.“

Wie genau die Kontrollen aussehen, bleibt abzuwarten. Der Blick nach China dürfte die Einkaufslust im Keim ersticken: Beispielsweise misst dort der Textilriese Zara beim Eingang zu seinen Shops die Temperatur der Kunden. Diese müssen zudem schriftlich bestätigen, dass sie ihre Masken im Geschäft nicht abnehmen werden.

In Europa legt eine McKinsey-Umfrage den Schluss nahe, dass viele ihren Mode-Konsum nach der Krise drosseln. Immerhin 21 Prozent der Befragten in Deutschland, Spanien, Deutschland und Großbritannien gaben an, dass sie weniger Kleidung kaufen wollen.

Konsolidierungswelle

Berg erwartet eine globale Konsolidierungswelle. „Bereits vor der Krise haben 55 Prozent aller börsenotierten Mode- und Luxuskonzerne ihre Kapitalkosten nicht mehr verdient bzw. keine Gewinne geschrieben“, analysiert er. „Viele werden jetzt zu großzügigen Rabatten gezwungen sein, um ihre Lager zu leeren und Cash zu generieren. Ich rechne frühestens im Weihnachtsquartal wieder mit normal laufenden Geschäften.“

Schließlich sei das Klima infolge der hohen Arbeitslosigkeit und der Einschränkungen im Alltag wenig konsumfreundlich. „Feste, Konzerte, Reisen sind abgesagt, Bars haben geschlossen. Es gibt weniger Anlässe, für die man sich neu einkleiden will.“

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