Bereits 2025 soll die Lösung fĂŒr selbstfahrende LKWs serienreif sein und in Europa und den USA auf den Markt kommen

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Übernahme
05/13/2014

Volkswagen schluckt Scania-Lastwagen

Die profitablen, skandinavischen Lastwagenbauer befinden sich jetzt ganz unter Kontrolle der Wolfsburger.

Europas grĂ¶ĂŸter Autobauer Volkswagen befreit sich in seiner Nutzfahrzeugsparte von einem entscheidenden Bremsklotz. Die Wolfsburger schlucken ihre schwedische Lkw-Tochter Scania wie geplant komplett und dĂŒrfen sie von der Börse nehmen. Damit sichert sich der Konzern den vollen Zugriff auf Scania, er hat in Schweden kĂŒnftig ohne die restlichen MinderheitsaktionĂ€re das alleinige Sagen.

Das Imperium von Volkswagen

Mit der geglĂŒckten KomplettĂŒbernahme ist der Weg nun frei fĂŒr eine engere Allianz im VW-NutzfahrzeuggeschĂ€ft, zu dem neben Scania auch der MĂŒnchner Lkw-Bauer MAN und die Marke VW-Nutzfahrzeuge gehören.

Winterkorn: "Gute Nachricht fĂŒr den ganzen Volkswagen-Konzern"

Vorstandschef Martin Winterkorn sprach am Dienstag von einer "guten Nachricht fĂŒr den ganzen Volkswagen-Konzern". In der FrĂŒh - pĂŒnktlich zum Start seiner Hauptversammlung in Hannover - hatte Volkswagen die erlösende Nachricht erhalten. Der schwedische Fonds Alecta erklĂ€rte, das Offert der Wolfsburger anzunehmen. Er hĂ€lt gut zwei Prozent am Scania-Kapital. Das Okay kam drei Tage vor dem Ablauf der Ende April verlĂ€ngerten Angebotsfrist, mit der VW um die Papiere wirbt.

"Wir freuen uns, dass die AktionĂ€re von Scania unser sehr attraktives Angebot im erforderlichen Umfang angenommen haben", ließ Winterkorn erklĂ€ren. VW hatte bis Ende April Zugriff auf 88,25 Prozent aller Scania-Papiere und verlĂ€ngerte die Angebotsfrist um drei Wochen, um ĂŒber die notwendige Schwelle von 90 Prozent der Anteile zu kommen.

Seitdem hatte ein weiterer Investor mit 0,4 Prozent der Aktien dem Angebot zugestimmt, was aber zunÀchst noch nicht reichte. Je Anteilsschein bietet der Konzern 200 Kronen (22,2 Euro) oder insgesamt 6,7 Mrd. Euro. Mit diesem Offert lockten die Wolfsburger die AktionÀre mit einem Aufschlag von gut 50 Prozent.

Einsparungen

Durch die KomplettĂŒbernahme will VW die interne Nutzfahrzeugallianz nun auf Trab bringen und so in den nĂ€chsten Jahren fast eine Milliarde Euro einsparen. Solange Scania noch an der Börse gehandelt wird - wie derzeit noch der Fall -, dĂŒrfen sich die Konzerntöchter zum Beispiel keine Freundschaftspreise machen. Die AktionĂ€re könnten dagegen vorgehen. Bei MAN hat Volkswagen bereits die volle Kontrolle.

Zwar dĂŒrfte die Zusammenarbeit der drei Marken schon bis Ende 2014 zu rund 200 Millionen Euro an Einsparungen fĂŒhren. Laut VW war es bisher aber "nicht möglich, das volle Potenzial einer engeren operativen Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und Scania sowie zwischen MAN und Scania zu realisieren". Erst mit dem vollstĂ€ndigen Durchgriff traut sich VW weitere Einsparungen von jĂ€hrlich mindestens 650 Mio. Euro zu. Dieses Ziel soll allerdings erst in den nĂ€chsten 10 bis 15 Jahren erreicht sein. Zusammen wĂ€ren das mindestens 850 Mio. Euro pro Jahr.

Baukastensystem

Dazu sollen Forschung und Entwicklung noch stÀrker Hand in Hand betrieben sowie der gemeinsame Einkauf zu niedrigeren Preisen vorangetrieben werden. Auch könnten mehr identische Bauteile in den Fahrzeugen der verschiedenen Marken eingebaut werden. Im Pkw-Bereich macht Volkswagen das mit seinem Baukastensystem, das zahlreiche gleiche Teile bietet, bereits vor.

Dass sich der Großteil der möglichen Effekte bei den Nutzfahrzeugen erst Mitte oder Ende des nĂ€chsten Jahrzehnts auswirken wĂŒrde, liegt unter anderem an den langen Modellzyklen von Lastwagen und Bussen. Weil von den Modellen viel weniger Exemplare als von den meisten Pkw verkauft werden, mĂŒssen sie ihre hohen Entwicklungskosten ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum wieder einspielen. Das macht es schwieriger, die Produktion mehrerer Marken enger zu verzahnen. Winterkorn kĂŒndigte am Dienstag vor den AktionĂ€ren in Hannover an, dass seine Mannschaft derzeit an einem neuen Baukasten fĂŒr leichte Nutzfahrzeuge arbeite.

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