File picture shows an employee posing with an emblem for a Volkswagen Golf car during a photocall in a production line at the Volkswagen headquarters in Wolfsburg November 14, 2008. German carmaker Volkswagen is poised to unveil another record profit and limit bonuses for management, further highlighting the gaping divide among Europe's mass-market auto manufacturers. Picture taken November 14, 2008. REUTERS/Christian Charisius/File (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS)

© Reuters/CHRISTIAN CHARISIUS

Autokonzern
02/22/2013

Goldgräberstimmung bei VW

Volkswagen schrieb im vergangenen Jahr 22 Mrd. Euro Gewinn - Gehaltsbremse für Winterkorn.

Fast 22 Mrd. Euro Gewinn: Volkswagen hat im abgelaufenen Jahr soviel verdient wie nie zuvor ein deutsches Unternehmen. Selbst die Euro-Krise, unter der die gesamte Konkurrenz von Opel über Ford und Fiat bis Peugeot ächzt, bremste den Zwölf-Marken-Konzern aus Wolfsburg kaum. Trotz heftiger Preiskämpfe in Westeuropa, Milliardeninvestitionen in das neue Baukastensystem und der Eingliederung der Marken Porsche und MAN stieg allein der Betriebsgewinn 2012 ersten Berechnungen zufolge um 2 Prozent auf 11,5 Mrd. Euro, wie VW am Freitag mitteilte. Etwa soviel hatten Analysten erwartet.

"Das wirtschaftliche Umfeld für unser Geschäft ist im Jahresverlauf deutlich schwieriger geworden. Dennoch ist es uns gelungen, die selbstgesteckten Ziele für das Jahr 2012 zu erreichen", sagte Konzernchef Martin Winterkorn. Der Überschuss schnellte wegen Sondereffekten aus der Porsche-Übernahme um fast 40 Prozent auf 21,9 Mrd. Euro. 12,3 Mrd. Euro davon stammen aus Neubewertungen im Zusammenhang mit der vollständigen Übernahme des Porsche-Sportwagengeschäfts, stehen also nur auf dem Papier. Schon im vorangegangenen Jahr hatte Volkswagen aufgrund von Bilanzeffekten aus der geplatzten Fusion mit der Porsche Holding SE unter dem Strich mit knapp 16 Mrd. Euro soviel verdient wie kein deutsches Unternehmen zuvor.

Aktie auf Talfahrt

Den VW-Aktionären und der Belegschaft winken angesichts des Rekordgewinns abermals höhere Beteiligungen. Die Dividende soll um 50 Cent auf 3,50 Euro je Stamm- und 2,56 Euro je Vorzugsaktie angehoben werden. Analysten hatten im Schnitt mit 35 Cent mehr für die Stammaktien gerechnet. Das schickte die Aktie auf Talfahrt.

"Die Dividende ist nicht der Knaller", sagte Jürgen Pieper, Autoanalyst von Metzler. Den Kursrückgang der im Dax gelisteten Vorzugsaktie um mehr als sechs Prozent nannte Pieper überzogen. "Die Erfolgsstory von VW ist mit diesen Zahlen nicht zu Ende." Ähnlich sah es SEB-Fondsmanager Jürgen Meyer: "Ich kann kein Haar in der Suppe erkennen." Die 'magere' Dividende sei vor dem Hintergrund der Übernahme von MAN, der Porsche AG und Ducati zu sehen - "das will schließlich auch bezahlt werden".

Gehaltsbremse für Winterkorn

Wegen des rasanten Gewinnanstiegs beschloss der Aufsichtsrat heute, Freitag, ein neues Vergütungssystem, um den Gehaltsanstieg des Managements zu bremsen. Konzernchef Martin Winterkorn erhält nun rund 14,5 Mio. Euro für das abgelaufene Jahr und damit 5,5 Mio. weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten. Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten - wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Mio. Euro verdiente. Auch mit über 14 Millionen ist Winterkorn der am besten bezahlte Vorstandschef in Europa.

Der Konzernumsatz kletterte zugleich um mehr als ein Fünftel auf 192 Mrd. Euro, das entspricht der Wirtschaftskraft Finnlands. Der Anstieg resultierte zu einem beträchtlichen Teil aus der Übernahme von Porsche und des Münchner Lkw-Bauers MAN. Die Barmittel sanken nach der vollständigen Übernahme von Porsche, dem Kauf des italienischen Motorradherstellers Ducati und der Anteilsaufstockung bei MAN auf 10,6 Mrd. Euro, womit VW immer noch über ein vergleichsweise dickes Polster verfügt.

2013 wird schwieriger

Mit der Rekordfahrt dürfte es allerdings nicht so weitergehen. "Auch wir können uns dem harten Wettbewerb und der tiefgreifenden Krise in wichtigen europäischen Märkten nicht ganz entziehen", erklärte Winterkorn. Dennoch will Volkswagen auch im laufenden Jahr besser abschneiden als die Konkurrenz. Auslieferungen und Umsatz sollen den Vorjahreswert übertreffen. Beim operativen Ergebnis rechnet der Vorstand indes mit einem weiteren Jahr Stagnation.

Im Jänner hatte VW die Krise in Südeuropa bereits stärker zu spüren bekommen, die Auslieferungen in Westeuropa (ohne Deutschland) sanken um 12,3 Prozent. Dank des starken Geschäfts in Amerika und eines Sondereffekts in China schlug der Konzern rund um den Globus allerdings 17,4 Prozent mehr Fahrzeuge los als vor einem Jahr.

2012 hatte die starke Nachfrage in den USA und China dazu beigetragen, dass VW weltweit erstmals mehr als 9 Millionen Fahrzeuge verkaufte. Damit kamen die Wolfsburger ihrem Ziel von mehr als 10 Millionen Autos einen großen Schritt näher, das sie bis 2018 erreichen wollen.

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