Volkswagen und das Projekt 2018

VW Golf 2012 wieder meistverkauftes Auto in Deutsc
Foto: AP/Nigel Treblin Ein Mitarbeiter überprüft an der Endkontrolle im Stammwerk in Wolfsburg einen Golf.

Die Wolfsburger haben 2012 weltweit so viele Autos verkauft wie nie zuvor, in Mexiko wird das 100. Werk eröffnet. In fünf Jahren will der Konzern Toyota überholen.

Der Volkswagen-Konzern hat im vergangenen Jahr weltweit so viele Autos verkauft wie nie zuvor. 2012 ist der Absatz auf 9,07 Millionen Fahrzeuge gestiegen, teilte Konzernchef Martin Winterkorn im Vorfeld der Internationalen Automobilmesse in Detroit mit. Dies seien 11,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wachstum findet außerhalb Europas statt

Das Plus der Gruppe mit insgesamt zwölf Marken ging insbesondere auf Zuwächse in den USA, China und Lateinamerika zurück.

dapdBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) laesst sich am Donnerstag (15.09.11) bei ihrem Rundgang ueber die 64. Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt am Main von dem Volkswagen-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn einen VW UP! Cabrio zeigen. Foto: dapd VW-Boss Martin Winterkorn mit Kanzlerin Angela Merkel

So habe der Konzern auf dem US-Markt einen Anstieg um 35 Prozent verzeichnet, sagte Winterkorn. In Europa insgesamt blieben die Verkäufe demnach stabil, auch wenn sie in Westeuropa außerhalb Deutschlands zurückgegangen seien.

Das große Ziel

VW will jedenfalls lieber früher als später Nummer eins auf dem weltweiten Automarkt werden. Im vergangenen Jahr dürfte VW die Autokrone noch verpasst haben. Nach einer spektakulären Aufholjagd in der Folge der Tsunami-Katastrophe in Japan hatte der Konkurrent Toyota im vergangenen Jahr nach vorläufigen Angaben wieder 9,7 Millionen Fahrzeuge verkauft, womit er vor VW und dem US-Konzern General Motors klar Weltmarktführer sein dürfte. 

Bis spätestens zum Jahr 2018 wollen die Wolfsburger aber alle ihre Rivalen überholt haben. Autoexperten rechnen sogar damit, dass dies schon ein paar Jahre vorher gelingen wird.

Detroit

Die Autobranche gibt sich ab Montag auf der North American International Auto Show ihr erstes großes Stelldichein in diesem Jahr. Die Messe läuft bis zum 27. Jänner.

Bilder

12 Marken unter dem VW-Dach

Welche Marken zum Volkswagen-Konzern gehören.

Wenn es nach dem Willen von Vorstandschef Martin Winterkorn (im Bild) geht, soll Volkswagen spätestens bis zum Jahr 2018 größter Autobauer der Welt werden. Auch Ferdinand Piech, der Enkel des Volkswagen-Konstrukteurs Ferdinand Porsche, verfolgt schon seit Jahren eine Vision: Volkswagen soll mit Straßenfahrzeugen aller Art, vom Schwerlaster bis zum Motorrad, den Weltmarkt anführen. Schon zwölf Marken haben die Wolfsburger unter ihrem Konzerndach versammelt: Zunächst wäre da einmal die Stammmarke Volkswagen, deren Logo immer noch mehr als die Hälfte der Autos aus dem Konzern trägt.
  VW Nutzfahrzeuge (VWN wurde 1995 zur eigenen Marke) trägt mit leichten Transportern, aber auch Freizeitmobilen immerhin fast zehn Milliarden Euro zum Konzernumsatz bei. Imposante Zahlen kann Audi vorweisen, das seit den 60er-Jahren zum Konzern gehört. Die Marke aus Ingolstadt liefert knapp die Hälfte des operativen Volkswagen-Konzerngewinns. Weniger gut läuft es mit Seat. Die spanische Tochter (seit 1986 im Konzern) schrieb in den vergangenen Jahren Verluste. Vertrieb- und Marketingexperte Jürgen Stackmann soll das Steuer herumreissen. Die Übernahme von Skoda (1991) wurde dafür zur Erfolgsgeschichte. VW sicherte sich einen erheblichen Marktanteil in der Wachstumsregion Osteuropa und schuf eine günstige Zweitmarke im Westen. Ebenfalls profitabel, aber am anderen Ende der Preisskala angesiedelt, agiert Bentley. Seit 1998 gehört die britische Luxusmarke zu Volkswagen. 9000 Stück wurden 2012 verkauft.
  Noch kleinere Stückzahlen liefert die ebenfalls 1998 gekaufte Marke Bugatti. Kein Wagen für das Volk, aber dennoch nicht der teuerste im Konzern. Denn da wäre ja noch …
  … Lamborghini, das ebenfalls seit 1998 als Teil der Audi AG zu VW gehört. Doch das waren noch nicht alle Sportwagen-Marken im Volkswagen-Konzern. Porsche darf nicht vergessen werden, zumal die Übernahme der Sportwagenfirma durch VW im Jahr 2012 beinahe andersherum abgelaufen wäre. Etwas skeptisch blickten Branchenkenner auf den Kauf der italienischen Motorradschmiede Ducati 2012. Auf jeden Fall setzte Piëch damit zu seinem 75. Geburtstag seine Vision des rollenden Imperiums - vom Truck bis zum Zweirad - um. Apropos Trucks: MAN wurde 2011 von Volkswagen übernommen, mit dem Ziel gemeinsame Potentiale mit einer anderen VW-Tochter zu nutzen: ... Scania gehörte zwar seit 2008 zum Konzern, doch Volkswagen rang lange mit der kompletten Übernahme des profitablen Lastwagenbauers. Erst im Mai 2014 war es dann soweit.
Mexiko & USA

VW eröffnet 100. Werk

An diesem Dienstag eröffnet Konzernchef Martin Winterkorn das 100. Werk weltweit. Es steht in Silao in Zentralmexiko. 700 Mitarbeiter werden hier jährlich 330.000 TSI-Motoren produzieren. Rund 309 Mio. Euro hat sich Volkswagen die moderne Fabrik kosten lassen.

Vorteil Nafta

Das Geld scheint gut angelegt: Von Silao aus gehen die Motoren sowohl ins mexikanische Puebla, wo bis vor zehn Jahren auch der Käfer vom Band lief, als auch in das 2011 eröffnete Passat-Werk im US-amerikanischen Chattanooga. Dank der Freihandelszone Nafta können die fertigen Wagen dann problemlos bis nach Kanada verkauft werden.

Vor VW liegt somit ein Markt mit 460 Millionen Menschen. Im Kampf um die weltweite Autokrone spielt die Region für den Konzern eine Schlüsselrolle. Denn der Markt boomt. Alleine in den USA legten die Verkäufe im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 14,5 Millionen zu. Doch die Konkurrenz ist hart: Der deutsche Autobauer muss sich hier sowohl den "Big Three" General Motors (GM), Ford und Chrysler stellen, als auch den starken Asiaten mit Toyota an der Spitze.

Frischer Wind durch Jetta und Passat

Die VW-Verkäufe dümpelten in den USA allerdings lange Zeit vor sich hin. Erst mit dem neuen Jetta (aus Puebla) und dem neuen US-Passat (aus Chattanooga) wendete sich das Blatt. Die Premiumschwester Audi erreichte zuletzt sogar Rekordverkäufe. Der Gesamtkonzern legte in den USA im vergangenen Jahr um stattliche 31 Prozent zu auf 580.000 verkaufte Wagen. Damit hat er einen Marktanteil von rund 4 Prozent. Da ist noch Luft nach oben.

Aus dem mexikanischen Straßenbild sind VW-Autos dagegen seit den Käfer-Zeiten kaum wegzudenken. Der konzernweite Marktanteil liegt bei rund 17 Prozent.

"Luft nach oben"

Die Tochtergesellschaft Volkswagen de México wurde schon 1964 gegründet, derzeit arbeiten hier knapp 14.000 Menschen. "Mexiko ist kein schlechtes Land, da gibt es für Autobauer noch deutlich Luft nach oben", sagt Branchenexperte Stefan Bratzel. Einzig die hohe Kriminalität und politisch oft instabile Lage seien ernsthafte Risiken, während die Qualifikation der Mitarbeiter teils schon an das Niveau in den US-Südstaaten heranreiche.

Auch der Export in andere Teile der Welt wird erleichtert, weil Mexiko mehr Handelsabkommen unterhält als die USA. Unter anderem aus diesem Grund hat sich Audi entschieden, sein erstes Amerika-Werk in Mexiko zu errichten. Ab 2016 sollen dort sportliche Geländewagen vom Band rollen.

(APA / sho) Erstellt am
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