Volkswagen: In China liegt der Schlüssel für die Zukunft
2025 war für die globale Automobilindustrie ein Jahr der Ernüchterung. Auch der deutsche VW-Konzern fuhr durch ein Tal der Tränen. Das operative Ergebnis ist um 53,5 Prozent auf 8,68 Milliarden Euro eingebrochen, der Konzerngewinn nach Steuern um 44,3 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Der Umsatz bremste sich bei 322 Milliarden Euro ein, heuer soll er aber um drei Prozent steigen.
Insgesamt verkaufte die VW-Gruppe 2025 rund neun Millionen Fahrzeuge. In Europa legte der Absatz um fünf Prozent und in Südamerika um 10 Prozent zu. Gleichzeitig sank der Absatz in Nordamerika um 12 Prozent und in China um 6 Prozent.
„Nach drei intensiven Jahren der Neuausrichtung der VW-Group sehen wir messbare Fortschritte. Gleichzeitig bewegen wir uns in einem komplett veränderten Umfeld. Deshalb werden wir nicht nachlassen, den eingeschlagenen Weg konsequent zu verfolgen“, sagt Konzernchef Oliver Blume. „2026 bringen wir bezahlbare Elektromobilität mit Premium-Technologie an den Start. Auf dem chinesischen Markt starten wir die größte Produktoffensive unserer Geschichte.“
Die Strategie in China
Branchenexperten warnen aber vor übersteigerten Erwartungen. „Der VW-Konzern hat wichtige Entscheidungen getroffen, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Wie sich die umsetzen lassen, das wird man in China sehen“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zum KURIER. „Nach meiner Einschätzung kann es klappen, durch die Strategie in China für China zu produzieren. Das wird der Markt zeigen.“
In der chinesischen Provinz Anhui hat VW ein Entwicklungszentrum aufgebaut, es werden E-Autos für den asiatischen Markt und für Südamerika produziert.
„Es dauert in China nur 20 Monate, bis ein neues Fahrzeug entwickelt und produziert wird“, sagt Dudenhöffer. „Die sind uns, was die Kosten und die Schnelligkeit betrifft, voraus. In Deutschland dauert es drei bis vier Jahre, bis ein neues Fahrzeug auf den Markt kommt.“
Die Problem-Tochter
Vor allem Porsche leidet unter dem Absatzeinbruch in China, den US-Zöllen und der Fehleinschätzung beim Umstieg auf E-Fahrzeuge.
„Porsche hat die größten Probleme im VW-Konzern. Wenn im Mittleren Osten Krieg herrscht, denken die wenigsten daran, sich einen Porsche zu kaufen“, sagt der Professor. „Die Verbrenner werden in China immer schlechter verkauft, weil hohe Luxussteuern auf Verbrenner eingehoben werden. Ein Porsche 911 ist in China um 40 Prozent teurer als in Deutschland.“
Betrug das operative Ergebnis von Porsche im Jahr 2024 noch 5,3 Milliarden Euro, so brach es 2025 auf 100 Millionen Euro ein. Rechnet man die Finanzdienstleistungen dazu, dann ergibt das ein Ergebnis in Höhe von 413 Millionen Euro.
Allein der Umbau bei Porsche summierte sich auf fünf Milliarden Euro, die US-Zölle kosteten weitere drei Milliarden Euro. „Der Elektroporsche Taycan kommt auch nicht an, weil er zu teuer ist“, sagt Dudenhöffer. „Wenn sie den chinesischen Hersteller Xiaomi hernehmen, der ähnliche Fahrzeuge herstellt, dann kosten diese 30.000 Euro.“
Zum Vergleich: Ein E-Porsche Taycan (Basismodell) ist in Österreich ab 105.000 Euro zu haben.
50.000 Jobs betroffen
Zurück zum Mutterkonzern: Konzernchef Blume hat angekündigt, dass VW bis 2030 nicht nur 35.000 Arbeitsplätze in Deutschland abbaut, sondern sogar 50.000.
„Deutschland hat mehr als zehn Jahre über seine Verhältnisse gelebt. Der Wohlstandsstaat wurde aufgebaut, der durch hohe Kosten für die Industrie und die Wettbewerbsfähigkeit finanziert wird“, erklärt Dudenhöffer. Das Land Niedersachsen ist mit 20 Prozent der zweitgrößte VW-Aktionär. „Jeder Jobabbau in Niedersachsen löst politische Probleme mit der Landesregierung aus“, sagt er. Sein Fazit für das aktuelle Geschäftsjahr: „2026 wird nicht nur für den VW-Konzern sehr herausfordernd.“
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