Der börsennotierte Wiener Versicherungskonzern VIG erzielte im Ausland zum Teil bis zu 20 Prozent mehr Prämieneinnahmen.

© REUTERS/HEINZ-PETER BADER

Erstes Halbjahr 2015
08/25/2015

Vienna Insurance: Niedrig-Zinsen verhageln Bilanz

Vienna Insurance Group (VIG) baut ihre Geschäfte im Baltikum und am Balkan deutlich aus.

von Kid Möchel, Alice Hohl

Das rekordverdächtig niedrige Zinsniveau macht auch dem börsennotierten Versicherungskonzern Vienna Insurance Group (VIG) zu schaffen. Im ersten Halbjahr 2015 konnte die VIG in der Sparte Schaden-und Unfallversicherung die Prämieneinnahmen lediglich um 0,4 Prozent auf 2,57 Milliarden Euro steigern. Bei der Tochter Wiener Städtische gab es aber in der Sparte Schaden-und Unfallversicherung ein Plus von drei Prozent. Detail am Rande: Mit diesem Zuwachs konnte der Prämienrückgang in Italien (Donau Versicherung) ausgeglichen werden.

Indes sanken die Einnahmen bei den Lebensversicherungen um vier Prozent auf 2,13 Milliarden Euro. Grund dafür ist eine bewusste Zurückhaltung der VIG beim Verkauf von Einmalerlag-Produkten, die schlechte Erträge einspielen. Hingegen brummt das Geschäft mit Lebensversicherungen mit laufenden Prämien.Der Zuwachs beträgt mehr als sechs Prozent.

Insgesamt betrugen die Kapitalanlagen inklusive liquider Mittel per Ende Juni 2015 rund 31,3 Milliarden Euro, das Konzernergebnis pendelte sich bei 524,5 Millionen Euro ein. Der Rückgang beträgt 7,2 Prozent, Ursache ist das niedrige Zinsniveau. Die Combined Ratio, sprich die Schaden-Kosten-Quote, konnte um 1,2 Prozentpunkte auf 95,9 Prozent gesenkt werden. Das ist der beste Wert der vergangenen fünf Vergleichszeiträume. Zur Erklärung: Die Schaden-Kosten-Quote bezeichnet das Verhältnis der Aufwendungen der Versicherung zu den Prämieneinnahmen.

Bestes Rating

„Wir haben schöne Ergebnisse in den Bereichen Schaden- und Unfallversicherungs sowie bei den Lebensversicherungen in einem schwierigen Zinsumfeld erzielt“, zog VIG-Chef Peter Hage am Dienstag Bilanz. "Wir mussten Rückgänge bei den Finanzerträgen hinnehmen."Nachsatz: "Außerdem rechnen wir weiter mit einem niedrigen Zinsniveau."

Besonders stolz ist der VIG-Generaldirektor darauf, dass die internationale Ratingsagentur Standard & Poor`s der VIG erneut das Top-Rating "A+" mit einem stabilen Ausblick verpasst hat. "Das ist das beste Rating aller im Wiener Aktien-Index ATX gerateten Unternehmen", sagt Hagen."Wir haben es geschafft, eine Marktführerposition in Österreich und Osteueuropa zu erzielen." Auch beim Markenrating ist die VIG wieder unter den Top10.

In allen Sparten und Ländern wurden Gewinne eingefahren – aber zum Teil geringere als früher. So sank der Vorsteuergewinn des VIG-Konzerns im ersten Halbjahr 2015 um fast 17 Prozent auf 250,5 Millionen Euro zum Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Starkes Wachstum

Bezahlt macht sich aber die konsequente Erschließung von bestimmten Auslandsmärkten. Zwei Drittel des Gewinns wurde in Zentral- und Osteuropa verbucht. In Tschechien betrug der Vorsteuergewinn der VIG-Unternehmen Kooperativa, CPP und PCS rund 88,1 Millionen Euro, das ist ein Plus von 2,7 Prozent. Die Prämien in der Schaden- und Unfallversicherung entwickelten sich stabil. Die Schaden-Kosten-Quote lag mit 89,8 Prozent "auf einem ausgezeichneten Niveau".

Kleine Länder

In den Balkanstaaten, der Türkei und in den baltischen Staaten konnten die Prämieneinnahmen um bis zu 20 Prozent gesteigert werden. Im Durchschnitt stieg das Prämienplus um 18,4 Prozent. Unter dem Strich wurden 668,6 Millionen Euro an Prämien in den ersten sechs Monaten 2015 eingenommen.

„Das Baltikum ist einer der Märkte, den wir forcieren“, sagt Hagen. „Für uns ist das Baltikum eine der wichtigsten Zielregionen, weil die wirtschaftliche Situation sehr erfolgversprechend ist. Hier hat sich der Ertrag mehr als verdoppelt.“ Nachsatz: „Das beweist, dass die Tätigkeit in kleinen Ländern Sinn macht.“ Die VIG-Tochter Compensa Life steuert vom estischen Tallinn aus auch die Geschäfte in Lettland und Litauen. Der Markt umfasst 6,3 Millionen Eirnwohner. Zuletzt kaufte sie den größten litauischen Vertrieb Finsaltas.

Mitunter gibt es aber auch noch Probleme, an deren Lösung getüftelt wird. In Polen schmälert der Preisdruck bei Kfz-Versicherungen den Gewinn um 5,5 Millionen Euro auf 28,2 Millionen Euro. Und: In Rumänien greift die Restrukturierung, der Turnaround dürfte geschafft sein. Der Gewinn vor Steuern stieg leicht - von einer Million Euro auf 3,5 Millionen Euro. VIG-Chef Peter Hagen: „Es ist aber noch ein zartes Pflänzchen.“

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