© REUTERS/ERIC THAYER

Wirtschaft
10/05/2020

US-Wahl: Börsianer sind auf alles vorbereitet

Trump würde Kontinuität versprechen, aber auch Biden hat seine Vorzüge.

von Robert Kleedorfer

Im Rennen um das Amt des US-Präsidenten liegt Donald Trump in den Umfragen noch deutlich hinter dem demokratischen Herausforderer Joe Biden. Doch das war vor Trumps Corona-Erkrankung, über deren Auswirkung auf die Wahlen Beobachter uneins sind. Schon zuvor hat sich in den vergangenen Wochen der Abstand verringert. „It’s the economy, stupid“ – dieser Leitspruch aus dem Wahlkampf von Bill Clinton könnte jetzt wieder hervorgeholt werden.

„Sollte die Konjunktur weiter dynamisch zulegen, spielt das Trump in die Hände“, sagt Franz Wenzel, Anlagestratege beim Pariser Versicherungskonzern AXA. Dem stimmt US-Fondsmanager Andrew Acheson vom französischen Investmenthaus Amundi zu. „Die US-Wirtschaft erholt sich sehr schnell. Das Rennen wird enger als die Umfragen zeigen.“

Er verweist zudem auf das US-Wahlsystem, wo letztendlich nicht die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen, sondern jene für die Wahlmänner entscheiden. Schon 2016 gelang Trump so mit nur 48 Prozent der Stimmen der Sieg.

Wie auch immer, die US-Investoren bereiten sich auf jedes Szenario vor. Was wären also die Folgen für die Finanzmärkte, wenn ...

Donald Trump gewinnt: „Die Auswirkungen wären ziemlich positiv, weil sich nicht viel ändern würde“, sagt Acheson. Und Trump kann durchaus auf eine gute Börsenentwicklung während seiner Amtszeit verweisen (siehe Grafik). Schließlich war die Wirtschaftspolitik ziemlich investorenfreundlich.

Joe Biden gewinnt: Hier unterscheidet Acheson, ob die Demokraten sowohl das Präsidentenamt als auch die Wahl zum Senat für sich entscheiden können oder ob es „nur“ für die Präsidentschaft reicht.

Zweiteres wäre „ziemlich positiv für den Markt“, da es zwar wohl mehr Regulierungen gebe, aber keine höheren Steuern. Diese wären zu erwarten, sollten die Demokraten beide Ziele erreichen. Wenzel spricht in diesem Zusammenhang von einer „durchaus machbaren Mehrbelastung in Höhe von zirka 5 Prozent der Unternehmensgewinne“.

Mit dem Geld will Biden in den nächsten zehn Jahren 4,4 Billionen Dollar in die marode Infrastruktur, in den Kampf gegen den Klimawandel, ins Gesundheitssystem und in sozialen Wohnbau stecken. Die Verdoppelung der Mindestlöhne auf 15 Dollar in der Stunde werde wohl erst in einer zweiten Amtszeit machbar sein, so Wenzel.

es zum Patt kommt: sollte einer der Kandidaten das Wahlergebnis nicht anerkennen und ein wochenlanger Rechtsstreit folgt, dann wäre das das schlechteste Szenario für die Finanzmärkte, erklärt Acheson.

Er bevorzugt bei seinen Investments daher fürs Erste global tätige US-Konzerne. Auch, weil US-fokussierte Unternehmen weniger Gewinne außerhalb der USA erzielen und daher von Steuererhöhungen stärker betroffen wären. Große Technologieunternehmen, Finanzinstitute, Rüstungskonzerne und die Hersteller fossiler Brennstoffe würden von einem Sieg Trumps profitieren, erneuerbare Energien und infrastrukturnahe Sektoren dagegen von einem Präsidenten Biden.

Die US-Investmentfirma Barings weist jedoch auf eine Gemeinsamkeit hin: beide Kandidaten wollen  hart gegenüber China bleiben. Das könnte deren Konzerne weiterhin hart treffen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.