Thomas Gangl, 49, Ex-OMV-Vorstand und seit 1. April Borealis-Chef

© OMV AG

wirtschaft von innen
04/01/2021

Untersuchungsbericht: Neuer Borealis-Chef mit Altlast

Borealis-Deal: OMV-Aufsichtsrat Informationen vorenthalten, aber für Vorsitzenden Garrett alles korrekt

von Andrea Hodoschek

Seit 1. April ist Thomas Gangl CEO des Chemie- und Kunststoffkonzerns Borealis. Der vormalige OMV-Vorstand und Vertraute von Konzernchef Rainer Seele tritt den neuen Job mit einer Altlast an. In einem Untersuchungsbericht wird dem 49-Jährigen vorgeworfen, den Aufsichtsrat der OMV in Zusammenhang mit der vier Milliarden Euro teuren Übernahme der Mehrheit an Borealis teils nicht vollständig und teils sogar falsch informiert zu haben.

OMV-Aufsichtratsvorsitzender Mark Garrett hatte eine renommierte Wirtschaftsanwaltskanzlei mit der Untersuchung beauftragt. Anlass waren Spekulationen in und außerhalb des Konzerns, die OMV hätte an den Miteigentümer Mubadala in Abu Dhabi zu viel bezahlt und der Aufsichtsrat sei nicht vollständig informiert worden.

Die entscheidende Aufsichtsratssitzung der OMV über den bisher größten Deal in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte, der unter „Projekt Opera“ lief, fand am 11. März 2020 statt. Das Gremium stimmte der Übernahme zu.

Der Bericht beleuchtet die Tage zuvor. Am 10. März lag die Berechnung des Rolling Forecasts (rollierende Prognose) in der Borealis intern vor. Die Schätzung des Net-Profits für 2020 wich maßgeblich von den Annahmen ab, statt 720 waren es nur 610 Millionen Euro. Begründet wurde dies mit der Covid-Pandemie und dem sinkenden Ölpreis.

Borealis informierte am selben Tag den im OMV-Vorstand zuständigen Gangl, „und berichtet von der Planrechnung und dem schlechteren Ergebnisausblick, der auch das ’Europageschäft’ von Borealis betraf“.Es folgten mehrere Telefonate mit Gangl. Er soll laut Bericht Borealis ersucht haben, den Rolling Forecast „erst eine Woche später als sonst üblich zu senden. Borealis lehnt dies auch nach Rücksprache mit der Borealis-Rechtsabteilung grundsätzlich ab“. Dies könne nur bei einer schriftlichen Anweisung der OMV überlegt werden. Eine Weisung schien Gangl offenbar doch zu heikel.

Spätestens ab 10. März sei Gangl daher bekannt gewesen, heißt es im Bericht, dass sich auch das „Europageschäft“ der Borealis schlechter entwickle als im Budget ursprünglich angenommen und der Rolling Forecast korrigiert werden müsse. Gangl hätte laut Bericht die Aufsichtsräte darüber informieren müssen. Auch eine „problemlos möglich gewesene, mündliche Information unterblieb“. Dies sei entgegen der Verpflichtung des Vorstands erfolgt, „sämtliche für eine fundierte Entscheidung notwendigen Unterlagen und Informationen dem Aufsichtsrat vor Beschlussfassung vorzulegen“.

Nicht relevant?

Die OMV argumentierte schon bisher, eine schlechtere Prognose habe keinen Einfluss auf den Kaufpreis. Aber eine Nicht- bzw. Falschinformation des Aufsichtsrates? Immerhin ist die Conclusio des Berichts eindeutig formuliert, siehe Faksimile.

Garrett erklärt dazu gegenüber dem KURIER, die Borealis-Transaktion sei korrekt abgewickelt worden. „Dem Aufsichtsrat wurde keine für die Transaktion und insbesondere die Unternehmensbewertung relevante Information vorenthalten.“ Garrett spricht plötzlich von einer „Voruntersuchung“. Diese habe ergeben, „dass es keine Verstöße gegen Rechtsvorschriften oder Compliance-Regeln gegeben hat. Der Fall ist damit abgeschlossen“.

Insider vermuten, Hintergrund könnten die erbitterten Machtkämpfe sein, die bei Seele und Garrett beginnen und sich durch den Konzern ziehen. Denn eigentlich hätte Garrett nach Vorliegen des Berichts handeln müssen.

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