OMV-Chef Rainer Seele

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wirtschaft von innen
03/08/2021

Geheimhaltung: Wieder Untersuchung bei der OMV

Dutzende Mitarbeiter betroffen, Einsicht in Diensthandys und E-Mail-Accounts.

von Andrea Hodoschek

Diese Aktion dĂŒrfte das ohnehin angespannte Betriebsklima in der teilstaatlichen OMV, einem der grĂ¶ĂŸten und wichtigsten Unternehmen dieses Landes, nicht gerade verbessert haben. Mehrere Dutzend Mitarbeiter, von den Senior Vice Presidents direkt unter der Vorstandsebene abwĂ€rts, waren in den vergangenen Monaten das Ziel einer internen Untersuchung.

Die ĂŒberraschten Mitarbeiter erhielten ein Schreiben samt einer EinwilligungserklĂ€rung. Thema war die „Weitergabe von vertraulichen Informationen“ ĂŒber den Verkauf der OMV-Tankstellen in Deutschland. DurchgefĂŒhrt wurde die Untersuchung durch die interne Revision (Audit&Compliance). Auftraggeber war diesmal nicht der Aufsichtsrat, sondern der Vorstand unter CEO Rainer Seele.

Die Mitarbeiter wurden gebeten, freiwillig zuzustimmen, dass die OMV in den Diensthandys in verkĂŒrzte Einzelverbindungsnachweise (die letzten drei Ziffern gestrichen) sowie in das dienstliche E-Mail-Konto ĂŒber einen bestimmten Zeitraum einsehen dĂŒrfe. Die Handy-Verbindungsnachweise sollten mit bestimmten Zieltelefonnummern abgeglichen werden. Auch wenn die letzten drei Ziffern fehlen, ist es trotzdem leicht nachvollziehbar, mit wem telefoniert wurde. DarĂŒber hinaus sollten die E-Mail-Konten nach „ausgewĂ€hlten Suchbegriffen“ gescreent werden. Private E-Mails und andere Mails mit sensiblen Daten seien ausgenommen.

Welcher Mitarbeiter stimmt da nicht „freiwillig“ zu? Die AnkĂŒndigung des Audits und die EinwilligungserklĂ€rung liegen dem KURIER vor.

Ein OMV Sprecher bestĂ€tigt, „dass es eine interne Untersuchung gegeben hat. Dazu sind wir auch verpflichtet, wenn vertrauliche Informationen an die Öffentlichkeit gelangen“. Der Betriebsrat wurde ĂŒber die Aktion nicht informiert. Es sei „rechtlich nicht vorgesehen, den Betriebsrat bei einer einmaligen Untersuchung zu involvieren“. Sagt auch einiges aus ĂŒber das VerhĂ€ltnis zwischen Vorstand und Belegschaftsvertretung.

Arbeiterkammer und DatenschĂŒtzer erklĂ€ren dazu, eine rechtliche Beurteilung einer solchen Aktion sei von außen schwierig, dazu mĂŒsste man Einblick in die EDV-Betriebsvereinbarung haben.

Klima des Misstrauens

Als Anlass wurde in den Mitteilungen an die Mitarbeiter ein KURIER-Artikel vom 28. November 2020 genannt. Dieser handelte vom ungewöhnlichen Briefwechsel zwischen Seele und dem damals neuen Aufsichtsratschef Mark Garrett. Nur im letzten Absatz wurde erwÀhnt, in deutschen Branchenkreisen werde kolportiert, dass nur noch zwei Bieter (PKN Orlen, EG Group) um die Tankstellen im Rennen seien. EG erhielt kurz darauf den Zuschlag.

Gar so vertraulich waren die Informationen allerdings nicht. Sie waren damals in Deutschland außerhalb der OMV lĂ€ngst breit bekannt. Deswegen eine solche Untersuchung zu starten und so viele Mitarbeiter generell zu verdĂ€chtigen, ist gegenĂŒber der Belegschaft wenig vertrauensbildend. Insider spekulieren daher, dass der Anlassfall nur ein Vorwand gewesen sein könnte, um die Mitarbeiter in gewisser Weise einzuschĂŒchtern.

In der EinwilligungserklĂ€rung heißt es, das Audit werde durchgefĂŒhrt, um „etwaige VerstĂ¶ĂŸe“ gegen arbeitsvertragliche Geheimhaltungspflichten oder gesetzwidriges Verhalten zu erkennen und zukĂŒnftigen Verletzungen entgegenzuwirken. Die Betroffenen mussten sich auch zur Geheimhaltung ĂŒber das Audit selbst verpflichten.

Im Öl-, Gas- und Chemiekonzern, an dem die Republik 31,5 Prozent hĂ€lt, wurde in den vergangenen Jahren schon öfter hochnotpeinlich untersucht. Seele soll, hört man, ĂŒber Informationen, die er nicht kontrollieren kann, besonders erbost sein.

Der Aufsichtsrat wurde ĂŒber diese Untersuchung nicht vorab informiert. Die letzten umfangreichen Untersuchungen, teils mithilfe externer AnwĂ€lte, hatte Wolfgang Berndt veranlasst, gegangener VorgĂ€nger von Garrett als Aufsichtsratsvorsitzender und mit Seele befreundet.

Im Vorjahr hatte wie berichtet die Betriebsratsvorsitzende Christine Asperger das Handtuch geworfen. Das Unternehmen war bei einer Untersuchung in Handy und E-Mail-Account einer BetriebsrÀtin hinein gegangen.

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