OMV investiert in der Raffinerie Schwechat knapp EUR 200 Mio in die Produktion von Biokraftstoffen

© OMV / OMV

wirtschaft von innen
02/03/2021

Machtkampf in der OMV spitzt sich zu

Match zwischen CEO Seele und Aufsichtratschef Garrett, Aufsichtsrat soll heute Borealis-Chef Stern in OMV-Vorstand bestellen, Gangl in die Borealis?

von Andrea Hodoschek

In der teilstaatlichen OMV, einem der größten börsenotierten Konzerne dieses Landes, spielt es sich heftig ab. Nach außen hin wird kalmiert, doch im Hintergrund liefern sich OMV-Chef Rainer Seele und der neue Aufsichtsratsvorsitzende Mark Garrett ein erbittertes Match.

Im Mittelpunkt des Hauens und Stechens, das an mehreren Fronten geführt wird, steht die Integration der Petrochemie-Gruppe Borealis. Die OMV zahlte ihren Miteigentümern in Abu Dhabi (Mubadala) mehr als vier Milliarden Euro für die Mehrheit an der Cashcow Borealis. Die größte Übernahme in der österreichischen Unternehmensgeschichte muss für die OMV ein Erfolg werden.

Dafür braucht es im OMV-Konzernvorstand allerdings einen Top-Manager mit entsprechender Expertise. Dieser bietet sich mit dem international renommierten Borealis-Chef Alfred Stern an. Sein Vorgänger an der Borealis-Spitze war Garrett, der im September 2020 als Konzern-Aufsichtsratschef zurückkehrte.

Stern-Bestellung

Heute, Mittwoch, tagt der OMV-Aufsichtsrat, auf der Tagesordnung stehen Vorstandsangelegenheiten. Es wäre eine große Überraschung, wenn Stern am Mittwoch nicht endlich zum OMV-Vorstand bestellt würde. Er wurde bereits von einem Personalberater gescreent.

Seele allerdings favorisierte ursprünglich seinen Vertrauten und Vorstandskollegen Thomas Gangl für die Borealis-Integration. Elena Skvortsova, seit einem halben Jahr im OMV-Vorstand, sollte Gangl das Refining abnehmen. Obwohl sie für Marketing und Trading zuständig ist.

Daraus wird nichts. Gangl ist im Vorstand zwar für Petrochemie und Raffinerie zuständig und gilt als guter Manager, sei aber zu leichtgewichtig, um Borealis zu stemmen, meint man in der Branche.

Wenn aber Stern in die OMV aufrückt, verkleinert sich der Vorstandsbereich von Gangl radikal. Denn mit der Petrochemie müssen auch Teile der Raffinerie zu Stern wandern. Eine Aufstockung des Vorstands auf sechs Mitglieder kommt in Zeiten wie diesen bei Aktionären und Mitarbeitern gar nicht gut an.Gangl bleibt vorläufig im Vorstand, aber es wird überlegt, ihn an die Spitze der Tochter Borealis abzusiedeln. Mit Stern oben im Konzernvorstand könnte Gangl die Borealis durchaus führen, wird in der OMV argumentiert. Die Borealis-Belegschaft allerdings hätte wenig Freude.

Alpha-Tier Seele hat jedenfalls mit Gangl einen komfortableren Vorstandskollegen als mit Stern, der als starker, kritischer Manager gilt.

Im Umfeld der OMV gibt es noch andere Spekulationen. Wie das Investigativ-Portal dossier.at berichtete, erhielt der OMV-Aufsichtsrat eine Borealis-Ergebnisprognose mit sich krisenbedingt verschlechternden Zahlen erst nach der entscheidenden Sitzung am 11. März 2020, in der die Übernahme abgesegnet wurde.

Aufsichtsratschef Garrett ließ die Angelegenheit überprüfen. Unternehmensintern wird kolportiert, dass möglicherweise Gangl ersucht haben könnte, die Ergebnisse zeitlich zurückzuhalten. Ein OMV-Sprecher weist dies zurück, Angelegenheiten des Aufsichtsrates könne man nicht kommentieren.

Messer-Wetzen im Betriebsrat

Auch unter den Belegschaftsvertretern werden die Messer scharf gewetzt. Seitdem die erste Betriebsratschefin des Konzerns, Christine Asperger, das Unternehmen verlassen hat, toben wie berichtet die Machtkämpfe um ihre Nachfolge. Dabei geht es auch darum, wer von den Betriebsräten in den Konzernaufsichtsrat darf.

Vereinfacht gesagt, haben sich zwei Lager gebildet, wobei eine Gruppe offenbar die Sympathien von Seele hat. Spannend ist die Frage wegen des einflussreichen Nominierungsausschusses. Sitzen dort zwei Seele-treue Betriebsräte, könnte Seele mit Hilfe der Abu Dhabis den Vorsitzenden Garrett überstimmen lassen.

Der Konflikt mit Garrett begann schon kurz nach dessen Start bei der OMV. Seele hatte laut Bloomberg gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Garret in einem eher ungewöhnlichen Brief darauf hingewiesen, dass die Entscheidungskompetenz beim Vorstand bleiben müsse.

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